Von Andreas Baumer
Neuer Rückschlag für den deutschen THG-Quotenmarkt: Der Anbieter Emovy mit Sitz in Ettlingen (Baden-Württemberg) hat beim Amtsgericht Karlsruhe die Eröffnung eines Insolvenzverfahrens beantragt. Das geht aus einer amtlichen Mitteilung hervor.
Emovy ist der nächste THG-Quotenhändler, der angesichts eines Preisverfalls und andauernder Klimabetrugsvorwürfe gegen ausländische Konkurrenten in die Knie geht. Vor knapp einem Jahr hatte die Insolvenz des Marktführers Landwärme für Aufsehen gesorgt. Inzwischen hat das Berliner Unternehmen einen Käufer gefunden.
Emovy macht säumigen Vertragspartner und Politik verantwortlich
Emovy vermarktet nach eigenen Angaben Treibhausgasminderungsquoten, kurz THG-Quoten, von Elektrofahrzeugen und öffentlichen Ladesäulen. Nach eigenen Angaben gehören auch Energieversorger und Stadtwerke zu den Kunden. Laut einer Pressemitteilung des vergangenen Jahres begannen beispielsweise die Stadtwerke Deidesheim (Rheinland-Pfalz) eine Kooperation mit dem Unternehmen.
Emovy bezeichnete sich in einer Presseaussendung als ein solides und zukunftsorientiertes Unternehmen. "Durch die Insolvenz eines Vertragspartners ist eine finanzielle Lücke entstanden, die das Unternehmen nicht auffangen konnte", erklärte Geschäftsführer Matthias Kerner.
Emovy sei auf Auszahlungen und Leistungen des Vertragspartners angewiesen, dessen Insolvenzverfahren weitreichende Konsequenzen für viele Marktteilnehmer mit sich gebracht habe, schreibt das Unternehmen. Darüber hinaus hätten regulatorische Änderungen, die im November 2024 ohne Vorankündigung durch die Bundesregierung eingeführt wurden, die Lage bei Emovy erheblich verschärft. Der Geschäftsbetrieb soll im Rahmen des vorläufigen Insolvenzverfahrens "weitmöglich" fortgeführt werden.
Konkret wurde im November das Bundesimmissionsschutzgesetz überarbeitet. Seitdem ist die Übertragung überschüssiger Treibhausgasminderungen auf das Folgejahr vorübergehend nicht mehr erlaubt. Das soll die Nachfrage nach THG-Erfüllungsoptionen in diesem und dem kommenden Jahr erhöhen sowie die Preise am Markt stützen.
Initiative Klimabetrug stoppen
Emovy ist Mitglied der Initiative "Klimabetrug stoppen". Dabei handelt es sich um ein Branchenbündnis, das sich für die Aufklärung mutmaßlicher Betrugsfälle auf dem THG-Quotenmarkt einsetzt. Konkret geht es um den mutmaßlichen Betrug mit fälschlich als fortschrittlich deklarierten Biokraftstoffimporten. Im Visier sind unter anderem chinesische Projekte. Der Verdacht: Nicht mehr anrechenbares Palmöl wird trotzdem massenweise auf den Markt geworfen und als Altspeiseöl deklariert.
Marc Schubert, Sprecher der Initiative und Chef des Dienstleisters Elektrovorteil, nutzte die Gelegenheit, um einmal mehr die Bundesregierung in die Pflicht zu nehmen. "Die Politik darf nicht mehr wegschauen, sondern muss handeln – bevor die Welle weitere ehrliche Firmen erfasst, die am Klimaschutz in Deutschland arbeiten."
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