Vertreterinnen und Vertreter der Branche und der Politik auf der E-World in Essen

Vertreterinnen und Vertreter der Branche und der Politik auf der E-World in Essen

Bild: © Christian Deutscher/E-World Energy & Water GmbH

Die Energiewende in Deutschland steht an einem kritischen Punkt. Während der Ausbau der erneuerbaren Energien deutliche Fortschritte macht, wächst zugleich der Druck auf Netze, Speicher und Kraftwerkskapazitäten.

Vertreterinnen und Vertreter aus Politik und Energiewirtschaft fordern auf der E-World-Messe daher vor allem eines: klare, verlässliche und schnelle Entscheidungen.

Nordrhein-Westfalens Wirtschaftsministerin Mona Neubaur (Grüne) etwa betonte auf einer Pressekonferenz, Versorgungssicherheit sei ein entscheidender Faktor für Wettbewerbsfähigkeit, insbesondere vor dem Hintergrund steigender Stromnachfrage.

"Tempo ist entscheidend"

Die Einigung mit der EU zur Kraftwerksstrategie sei ein wichtiger Meilenstein gewesen, nun komme es jedoch auf die konkrete Ausgestaltung an. Das "Tempo ist entscheidend", so Neubaur. Ausschreibungen müssten jetzt schnell auf den Weg gebracht werden.

Weiter betonte sie, dass die geplanten neuen Gaskraftwerke perspektivisch wasserstofffähig seien müssten. Die ursprüngliche Vorgabe, dass die meisten davon noch vor 2045 mit Wasserstoff betrieben werden sollen, hat die Bundesregirung allerdings deutlich abgeschwächt.

Zugleich warnte Neubaur davor, den Ausbau der Erneuerbaren durch zu starre Flächenvorgaben zu behindern. Damit meint sie den jetzt geleakten Gesetzentwurf: das "Netzanschlusspaket".

Würde die Erneuerbaren "abwürgen"

Dieser zielt im Kern darauf ab, dass der Erneuerbaren-Ausbau künftig dem Netzausbau folgen soll. Einige Akteure sehen darin einen Vorstoß, die Energiewende auszubremsen.

Bislang handele es sich aber nur um einen Entwurf, der zudem nicht offiziell ausgegeben worden sei, ordnete die Ministerin ein. Würde man diesen allerdings zu Ende denken, dann würde das den Ausbau der Erneuerbaren "abwürgen". Räumliche Ordnung sei notwendig, dürfe aber nicht zum Bremsklotz werden, so Neubaur.

Auch die Frage der Gasspeicher sorgt für Diskussionen. Die Wiederbefüllung zu marktüblichen Preisen sei derzeit kaum möglich, erklärte Neubaur. Langfristig brauche es daher eine nationale Reserve, vergleichbar mit der strategischen Ölreserve.

Zunehmend ist sichtbar, dass der Netzausbau zum Nadelöhr wird.

Auch aus Sicht der großen Energieversorger besteht Handlungsdruck. RWE-Chef Markus Krebber erklärte, Elektrifizierung und Rechenzentren ließen die Stromnachfrage stark steigen. Der Netzausbau entwickle sich zunehmend zum Nadelöhr, was bereits heute zu Problemen führe.

Krebber forderte mehr Synchronisierung zwischen dem Ausbau des Netzes auf der einen Seite und Erneuerbarenanlagen und Batteriespeichern andererseits. Anreize müssten so gesetzt werden, dass Erzeugung dort entstehe, wo der Strom gebraucht werde.

81 Milliarden Euro für Fossile jährlich

Aus Sicht des BDEW ist die Energiewende darüber hinaus längst mehr als ein klimapolitisches Projekt. Deutschland gebe rund 81 Milliarden Euro jährlich für fossile Energieimporte aus, sagte Kerstin Andreae, Vorsitzende der Hauptgeschäftsführung. Der Erneuerbarenausbau senke diese Abhängigkeit deutlich.

Nach dem Anschlag und anschließenden Stromausfall in Berlin blickt die Branche mit neuer Sorge auf die Energieinfrastruktur. Ein flächendeckender Schutz kritischer Infrastruktur sei jedoch kaum möglich, so Andreae. Stattdessen müssten "neuralgische Punkte" gezielt abgesichert werden. Sie schlägt vor, Branchenvertretungen in den Nationalen Sicherheitsrat des Bundes aufzunehmen.

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