Von Julian Korb
Geht es nach Bundeswirtschaftsministerin Katherina Reiche (CDU), ist die Rechnung klar. "Neue, kleine PV-Anlagen rechnen sich schon heute im Markt und bedürften keiner Förderung", sagte die Unions-Politikerin am Wochenende der "Augsburger Allgemeinen". Die Preise für Anlagen und Speicher seien deutlich gesunken.
Der Solarverband BSW Solar kommt hingegen zu einer anderen Einschätzung. "Nur Solaranlagen mit einem hohen Eigenverbrauch sowie sehr große Freiflächenanlagen können derzeit unter idealen Bedingungen bereits ohne EEG-Förderung wirtschaftlich betrieben werden", sagte BSW-Solar-Hauptgeschäftsführer Carsten Körnig der ZfK. Die Marktwerte für Solarstrom würden im Durchschnitt noch unter den Stromgestehungskosten liegen.
PV-Förderung liegt deutlich über Marktwert
So sank der Monatsmarktwert Solar – also der tatsächliche Wert von Solarstrom am Markt – im vergangenen Sommer auf 3,2 bis 5 Cent die Kilowattstunde (kWh). Im Jahresschnitt waren es 4,6 Cent.
Im laufenden Jahr rutschte der Wert sogar in zwei Monaten unter die Schwelle von 2 Cent. Durchschnittlich sind es 2025 bislang 5,8 Cent, was vor allem an den hohen Stromhandelspreisen im Frühjahr liegt. Derzeit liegt die Einspeisevergütung bei kleinen PV-Anlagen unter 10 Kilowatt Peak (kWp) seit Anfang August bei 7,87 Cent – deutlich mehr.
Demgegenüber schwanken die Gestehungskosten für Solarstrom je nach Standort und Anlagentyp zwischen 4,1 und 14,4 Cent pro kWh. Das hatte eine Studie des Fraunhofer-Instituts für Solare Energiesysteme ISE im Juli 2024 ergeben.
Darin zeigten die Forscher unter anderem auf, dass Anlagen in Norddeutschland wegen der geringeren Sonneneinstrahlung teuer sind als im Süden. Selbst günstige Anlagen kommen hier auf Gestehungskosten von mindestens 8,7 Cent die Kilowattstunde. Heißt: Würden sich diese Anlagen nur am Strommarkt refinanzieren, wären sie ohne Förderung nicht wirtschaftlich.
Eigenverbrauch von Solarstrom wird entscheidend
Werden PV-Anlagen mit Batteriespeichern kombiniert, steigen die Kosten nochmals, und zwar laut Studie auf gut 9 Cent bis zu 22,5 Cent pro kWh. Allerdings lässt sich so auch der Eigenverbrauch von Anlagen erhöhen.
In Einfamilienhäusern mit Solaranlagen ist in der Regel ein Eigenverbrauchsanteil von einem Viertel bis zu einem Drittel möglich. Wird zusätzlich ein Batteriespeicher installiert, lässt sich der Eigenverbrauch nach Angaben vieler Solaranbieter auf bis zu drei Drittel hochschrauben. Wird viel Strom selbst verbraucht, kann sich eine PV-Anlage im Einzelfall weiterhin wirtschaftlich rechnen. Das gilt insbesondere, wenn große Verbraucher wie Elektroautos oder eine Wärmepumpe hinzukommen.
Spätestens seit dem Solarspitzengesetz, das Ende Februar 2025 in Kraft getreten ist, dürfte sich es sich für PV-Besitzer ohnehin lohnen, den Eigenverbrauch des Solarstroms zu optimieren. Denn durch die Gesetzesänderung erhalten Anlagenbetreiber in Zeiten von negativen Strompreisen keine Einspeisevergütung mehr. Zwar werden die Ausfallzeiten an den Förderzeitraum angehängt – aber eben erst nach Auslaufen der 20-jährigen Förderdauer.
Dass PV-Besitzer hier durchaus Einnahmen verlieren, hatte Felix Dembski vom Speicheranbieter Sonnen kürzlich in der ZfK erklärt. "Wir rechnen im Jahr 2027 mit 700 Negativstunden. Dann wären nach unseren Schätzungen sogar 40 Prozent der Einnahmen weg", so der Branchenexperte.
Kredite für Solaranlagen könnten teurer werden
Körnig vom Solarverband BSW Solar weist noch auf einen weiteren Umstand hin. "Die Einspeisevergütung für den nicht selbst verbrauchten Reststrom stellt für die finanzierenden Banken oft eine notwendige Sicherheit dar", so der Branchenvertreter. Ohne Förderung würde es dementsprechend deutlich schwerer, Kredite für eine Solarstromanlage zu erhalten, beziehungsweise die Kreditkonditionen wären unattraktiv.
Bereits am Montag hatte der Verband auf eine Umfrage unter Solarinstallateuren hingewiesen, wonach sich lediglich vier von zehn Kunden im Heimsegment ohne eine Förderung noch eine Solarstromanlage anschaffen würden. "Entscheidend für die notwendige Investitionsbereitschaft sind vor allem Investitionssicherheit sowie angemessene Amortisationszeiten der Photovoltaikanlagen", so Körnig. Beides werde durch die Vorteile der Eigenversorgung und ergänzend durch das Erneuerbare-Energien-Gesetz (EEG) erfolgreich gewährleistet.
Der Solarverband sieht durch den Reiche-Vorstoß sogar ein Ziel aus dem Koalitionsvertrag in Gefahr. Hier hieß es: "Wir wollen private Haushalte zu Akteuren der eigenen Energieversorgung machen." Statt "unnötig Unsicherheit zu schüren", brauche es Planungssicherheit, damit weiterhin die notwendigen Investitionen in Erneuerbare Energien ermöglicht würden, resümiert Körnig.
Netzbetreiber sehen Förderung kritisch
Kritik gegen die Förderung von privaten PV-Anlagen kommt in der Energiewirtschaft aus verschiedener Richtung. Bemängelt wird etwa, dass von der Einspeisevergütung aus dem Erneuerbare-Energien-Gesetz (EEG) vor allem Hausbesitzer profitieren, während Mieterinnen und Mieter keine Vorteile erhalten.
Zudem warnen Netzbetreiber vor hohen Kosten für den Netzausbau sowie vor Problemen mit der Netzstabilität, wenn Solaranlagen ungesteuert ins Stromnetz einspeisen. Der Stadtwerkeverband VKU, in dem viele kommunale Netzbetreiber vertreten sind, hatte sich im März bereits für ein Aus der Solarförderung ausgesprochen.
"Solarstrom in der Mittagsspitze ist schon jetzt oft wertlos oder hat sogar einen negativen Wert", sagte VKU-Hauptgeschäftsführer Ingbert Liebing. Überproduktionen dürften daher nicht mehr gefördert werden. Neue Photovoltaikanlagen auf Dächern seien bereits jetzt ohne garantierte Einspeisevergütung und in Kombination mit Batteriespeichern wirtschaftlich. Eine Einschätzung, der sich nun auch Bundeswirtschaftsministerin Reiche anschloss.



