Ein Windpark der Dortmunder Energie- und Wasserversorgung GmbH (DEW21) im niedersächsischen Harsahl. Der Kommunalversorger will auch weiterhin in Erneuerbare-Energien-Anlagen investieren.

Ein Windpark der Dortmunder Energie- und Wasserversorgung GmbH (DEW21) im niedersächsischen Harsahl. Der Kommunalversorger will auch weiterhin in Erneuerbare-Energien-Anlagen investieren.

Bild: © DEW21

Hinweis: Das Interview mit Julia Koch von DEW21 wurde vor Veröffentlichung der Referentenentwürfe zur EEG-Novelle und zum Netzpaket geführt.

Nach monatelangem Koalitionsstreit hat die Bundesregierung beim Erneuerbare-Energien-Gesetz (EEG) und dem Netzpaket einen Kompromiss gefunden. Am Freitagabend, 17. Juli 2026, leitete das Bundeswirtschaftsministerium die Verbändeanhörung ein – der Kabinettsbeschluss soll am Mittwoch, 29. Juli, fallen.

Für die Branche kommt die Einigung spät: Monatelang steckten die Gesetze in der Ressortabstimmung, ohne dass eine Verbändeanhörung eingeleitet wurde. Nun haben sich die zuständigen Fachebenen im Bundeswirtschaftsministerium und Bundesumweltministerium beim umstrittenen Redispatch-Vorbehalt geeinigt – die Entwürfe könnten sich aber noch im parlamentarischen Verfahren ändern.

EEG-Lücke hätte Folgen

Für kommunale Unternehmen wie die Dortmunder Energie- und Wasserversorgung (DEW21), die in Erneuerbaren-Projekte investieren, ist der schleppende Gesetzesprozess schlecht. Der Versorger, der bundesweit 74 Windkraftanlagen betreibt, will sein Erneuerbaren-Portfolio weiter ausbauen.

Doch die politische Hängepartie bremst die Planung. "Für uns ist es wesentlich, dass wir ab Januar 2027 ein EEG haben", sagt Julia Koch, Projektentwicklerin für erneuerbare Energien bei DEW21. "Wenn da eine Lücke entsteht – das möchte ich mir nicht vorstellen."

Für uns ist es wesentlich, dass wir ab Januar 2027 ein EEG haben.

Repowering als Schwerpunkt

Das Tochterunternehmen der Dortmunder Stadtwerke setzt beim Ausbau der eigenen Windkapazitäten stark auf Repowering: Alte Anlagen werden durch leistungsstärkere ersetzt, etwa beim Projekt "WindSpark" in Dortmund-Ellinghausen. "Wir kaufen auch Bestandsparks zu und repowern diese dann selbst", erklärt Koch.

Auch Repowering-Projekte sind auf EEG-Ausschreibungszuschläge angewiesen – und dort wird die Konkurrenz immer härter. Bei einem aktuell geplanten Vorhaben in Dortmund reichte die Zeit bis zum Fristende der August-Ausschreibung nicht aus.

Jetzt soll die Novemberrunde die nächste Chance bieten. "Wir gehen von einem Zuschlag aus, beschäftigen uns aber mit alternativen Vermarktungsmöglichkeiten", sagt Koch. "Das EEG ist ein Förderinstrument, das perspektivisch ohnehin ausläuft."

Ausschreibungsmarkt unter Druck

Die Ausgangslage für die Novemberrunde ist angespannt. Bei der Ausschreibungsrunde zum 1. Mai 2026 gingen Gebote mit einem mehr als zweieinhalbfachen Volumen wie der ausgeschriebenen Menge ein. Der durchschnittliche mengengewichtete Zuschlagswert sank auf knapp fünf Cent die Kilowattstunde – ein Rückgang um mehr als zwei Cent über sieben Runden seit August 2024.

Marktbeobachter erwarten für die kommenden Runden weiter fallende Zuschlagswerte. "Bei den Genehmigungsverfahren sind wir inzwischen deutlich schneller", sagt Koch. "Dem steht ein Ausschreibungsvolumen gegenüber, das eine Verknappung erzeugt."

Auch andere Projektierer bestätigen dies. Claus Urbanke, Leiter Wind-, Photovoltaik- und Speicherprojekte beim norwegischen Energiekonzern Statkraft, brachte die Lage in der ZFK auf den Punkt: "Gute Pacht, guter Netzanschluss, gute Windbedingungen – diese Projekte gibt es, da findet eine Auslese statt."

Immerhin: Bei den Genehmigungsprozessen selbst freut sich die Branche über die Fortschritte. "Wir können sehr gut mit den Behörden zusammenarbeiten, die Prozesse sind schneller und effizienter geworden", sagt Koch. "Zumindest in Nordrhein-Westfalen verabschieden wir uns auch zunehmend von Aktenordnern und Prozesse werden digitalisiert."

Pachtpreise deckeln?

Neben dem Ausschreibungsdruck belasten steigende Flächenkosten die Wirtschaftlichkeit vieler Projekte. Der VKU hat sich in einem Positionspapier für einen gesetzlichen Pachtdeckel im EEG ausgesprochen. Koch begrüßt den Vorschlag grundsätzlich, beobachtet aber, dass sich der Markt bereits selbst korrigiert. "Aufgrund der sinkenden Preise in den EEG-Ausschreibungen sehe ich, dass sich die Pachtpreise aktuell zurückentwickeln. Ich verhandle mit Grundstückseigentümern, die haben die Preise von vor eineinhalb Jahren noch im Kopf. Da könnte ein Pachtdeckel kommunikativ helfen."

Ein Pachtdeckel könnte kommunikativ helfen.

Ein weiterer Unsicherheitsfaktor ist der geplante Redispatch-Vorbehalt im Netzpaket. Er würde Netzbetreibern ermöglichen, Erneuerbaren-Anlagen in bestimmten Netzregionen vom Netz zu nehmen – ohne dass Projektierer dies vorab kalkulieren könnten. "Den Redispatch-Vorbehalt sehe ich kritisch", sagt Koch.

Urbanke von Statkraft formuliert es noch deutlicher: "Der Redispatch-Vorbehalt ist eine plumpe und einseitige Maßnahme. Der Schlüssel liegt bei den Netzbetreibern, daher darf das Risiko nicht allein beim Projektierer abgeladen werden – nur die Netzbetreiber wissen, wo die Engpässe sind."

Wie die überarbeitete Version des Redispatch-Vorbehalts aktuell aussieht, lesen Sie hier: Schlüsselgesetz für Stadtwerke: Was in Reiches Netzpaket steckt

EEG-Alternativen reichen noch nicht

Der Druck auf die Politik ist hoch. Ingbert Liebing, Hauptgeschäftsführer des VKU, hatte die Verzögerung in der ZFK scharf kritisiert. Es sei "sehr ärgerlich", dass die beiden Gesetze mehr als zehn Wochen in der Ressortabstimmung steckten, ohne dass überhaupt eine Verbändeanhörung eingeleitet werde. Immerhin die Anhörung hat das Wirtschaftsministerium nun nachgeholt.

Das ändert allerdings nichts daran, dass das Parlament sich erst nach der Sommerpause mit den Gesetzespaketen befassen wird. Kommunale Unternehmen, die in erneuerbare Energien investieren wollen, werden so "bis in den Herbst hinein" nicht wissen, wie die EEG-Förderung im nächsten Jahr aussehen wird, betont Liebing.

DEW21 hat trotzdem keines seiner Projekte auf Eis gelegt. "Unser Fokus hat sich dahin verlagert, dass man sich mehr mit dem Markt beschäftigen muss", sagt Koch. "Wir halten aber an unseren Plänen fest."

Wir halten an unseren Plänen fest.

Ob der Markt – Power Purchase Agreements (PPA), Direktleitungen, Kooperationen mit anderen kommunalen Versorgern – schon reif genug ist, um die EEG-Förderung großflächig zu ersetzen, bezweifelt die Projektentwicklerin allerdings: "Ich habe das Gefühl, dass diese Lösungen zwar in den Startlöchern stehen." Für die breite Masse an Projekten, die aktuell geplant seien, fehle diesen Lösungen aber noch die Reife, um eine Bankenfinanzierung zu erhalten. Umso wichtiger ist es für die Branche, dass bei EEG-Novelle und Netzpaket bald Klarheit herrscht.

Lesen Sie weiter mit Ihrem ZFK-Abonnement

Erhalten Sie uneingeschränkten Zugang zu allen Inhalten der ZFK!

✓ Vollzugriff auf alle ZFK-Artikel und das digitale ePaper
✓ Exklusive Analysen, Hintergründe und Interviews aus der Branche
✓ Tägliche Branchen-Briefings mit den wichtigsten Entwicklungen

Ihr Abonnement auswählen

Haben Sie Fehler entdeckt? Wollen Sie uns Ihre Meinung mitteilen? Dann kontaktieren Sie unsere Redaktion gerne unter redaktion@zfk.de.

Home
E-Paper