Flüsse wie der Rhein bieten großes thermisches Potenzial.

Flüsse wie der Rhein bieten großes thermisches Potenzial.

Adobe Stock/Manfred Steinbach

Von Daniel Zugehör

Deutschlands Flüsse bergen enorme thermische Energie. Alleine in Bayern liegt das Potenzial bei bis zu 340 Terawattstunden jährlich – mehr als der Wärmebedarf Bayerns. Das zeigte bereits im vergangenen Jahr eine Studie der Münchener Forschungsstelle für Energiewirtschaft. Auch bundesweit könnten zahlreiche Kommunen ihren Energiebedarf aus nahegelegenen Flüssen decken. Dabei hängt die Nutzbarkeit der Flusswärme von Faktoren wie Durchflussmenge und Abkühlgrad ab. Eine bundesweite Analyse gibt es bislang nicht, doch Experten sind sich einig: Das Potenzial ist groß, wenn auch nicht uneingeschränkt nutzbar.

Erste Anlagen im Betrieb

In Deutschland sind aktuell mehrere Flusswärmepumpen in Betrieb. In Mannheim beispielsweise versorgt eine solche Anlage rund 3500 Haushalte mit Fernwärme aus dem Rhein. In Köln entsteht bis 2027 die größte Flusswärmepumpe Europas mit einer geplanten Kapazität für 50.000 Haushalte. Auch in Jena setzen die Stadtwerke auf die Saale und wollen langfristig bis zur Hälfte des Fernwärmebedarfs durch Flusswärme decken. Doch selbst diese Projekte sind erst der Anfang einer breiteren Nutzung.

Technik im Detail

Flusswärmepumpen arbeiten nach dem selben Prinzip wie konventionelle Wärmepumpen, nutzen aber Wasser als Energiequelle statt Luft oder Erde. Das Wasser wird entnommen, um zwei bis drei Grad abgekühlt und danach wieder dem Fluss zugeführt. Die gewonnene Wärme wird mithilfe elektrischer Wärmepumpen auf ein heizfähiges Temperaturniveau gebracht. Der Strombedarf dieser Systeme soll idealerweise durch erneuerbare Energien gedeckt werden.

Die Technik ist grundsätzlich für alle fließenden Gewässer geeignet, doch wirtschaftlich lohnt sie sich vor allem an größeren Flüssen und bestehenden Kraftwerksstandorten. Kleinere Gewässer könnten im Winter problematische Temperaturabfälle aufweisen.

Bezahlbare Wärme oder teurer Zukunftstraum?

Ein zentraler Aspekt ist die Wirtschaftlichkeit. In Mannheim beispielsweise beeinflusst die Flusswärme den Fernwärmepreis kaum, da sie nur einen kleinen Teil der Gesamtversorgung ausmacht. Die Betriebskosten sind günstiger als bei direkter Gasverbrennung, hängen aber stark von den Strompreisen ab. Die größte Hürde sind jedoch die hohen Investitionskosten: Ohne Fördermittel ist bislang keine Anlage wirtschaftlich umsetzbar. So kostet das Kölner Projekt rund 280 Millionen Euro, wovon 100 Millionen Euro durch Fördermittel gedeckt werden.

Nachhaltig und umweltschonend

Ein Vorteil der Technologie: Das entnommene Wasser wird nicht chemisch behandelt und lediglich leicht abgekühlt zurückgeführt. Experten gehen davon aus, dass dies kaum Einfluss auf das ökologische Gleichgewicht hat – im Gegenteil, könnte es in Zeiten steigender Wassertemperaturen sogar vorteilhaft sein. Herausfordernder könnte es jedoch in naturnahen Gewässern sein, wo die Akzeptanz niedriger sein dürfte als an bestehenden Kraftwerksstandorten.

Zudem stellt sich die Frage, wie oft ein Fluss auf seinem Weg durch verschiedene Städte zur Wärmequelle werden kann. Erste Diskussionen gibt es beispielsweise über den Fall, dass sowohl Jena als auch das flussabwärts gelegene Halle eine Flusswärmepumpe betreiben wollen. (mit dpa)

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