Die Bundesnetzagentur hat sich auf die Aspekte Temperaturprognose, Gasverbrauch (temperaturbereinigt), Speicherfüllstände, Situation in den Nachbarländern und Beschaffung Regelenergie konzentriert.

Die Bundesnetzagentur hat sich auf die Aspekte Temperaturprognose, Gasverbrauch (temperaturbereinigt), Speicherfüllstände, Situation in den Nachbarländern und Beschaffung Regelenergie konzentriert.

Screenshot: © Bundesnetzagentur/ZfK

Für einen schnellen Überblich zur Lage der deutschen Gasversorgung zeigt die Bundesnetzagentur auf ihrer Homepage nun fünf regelmäßig aktualisierte Grafiken, die wie Tachometer aussehen.

Sie bilden die Lage bei den fünf wichtigen Aspekten Temperaturprognose, temperaturbereinigten Gasverbrauch, Speicherfüllstände, Situation in den Nachbarländern und Beschaffung Regelenergie ab.

Drei Stufen für jeden Indikator

Für jeden der Indikatoren gibt es die Stufen "stabil", "angespannt" und "kritisch". Vier der fünf Kriterien werden täglich aktualisiert, die Wetterprognose einmal in der Woche, in der Regel montags.

"Die Indikatoren dienen als Anhaltspunkte bei einer Diskussion einer Gasmangellage und um die Ausrufung der Notfallstufe", erklärte Behördenpräsident Klaus Müller. Sie definierten allerdings nicht, wann die Notfallstufe ausgerufen werden sollte. Auch seien sie nicht geeignet, lokale Gasmangellagen auszumachen.

Lage bleibt "angespannt"

"Wir machen transparent, ob eine Gasmangellage akut droht", betonte Müller. Die regelmäßig aktualisierten Indikatoren gäben eine schnelle Einschätzung und Prognose zur aktuellen Lage. "Das kontinuierliche Monitoring ermöglicht es, rechtzeitig Maßnahmen zu ergreifen und gegenzusteuern."

Derzeit zeigt die Nadel bei allen Indikatoren auf "stabil". Insgesamt bleibt es aber bei der seit Monaten gültigen Einschätzung, dass die Lage "angespannt" sei und eine weitere Verschlechterung der Situation nicht ausgeschlossen werden könne, wie auf der Homepage der Bundesnetzagentur zu lesen ist. Am 23. Juni hatte die Bundesbehörde Stufe zwei des Gas-Notfallplans, auch Alarmstufe genannt, ausgerufen.

25 statt 20 Prozent Einsparung

Bei ihrer Temperaturprognose greift die Bundesnetzagentur auf Daten des Deutschen Wetterdienstes zurück. Als Vergleich dienen die Durchschnittswerte der Jahre 2018 bis 2021. Wird es wärmer, wird die Lage als stabil eingestuft. Wird es null bis zwei Grad Celsius kälter, gilt die Lage als angespannt. Wird es noch kühler, dreht die Nadel ins kritische Feld.

Beim temperaturbedingten Gasverbrauch gilt die Lage künftig als stabil, wenn mehr als 25 Prozent Erdgas eingespart wird. Das ist mehr als das bisher ausgegebene 20-Prozent-Ziel. Bei Einsparungen von 15 bis 25 Prozent zeigt die Nadel aufs angespannte, bei weniger aufs kritische Feld.

Stichtag 1. Februar

Die täglichen Gasimporte und -exporte werden beim Indikator Gasspeicher berücksichtigt. Als wichtiger Stichtag gilt hier weiterhin der 1. Februar. Geht die Bundesnetzagentur anhand von Modellierungen davon aus, dass die Speicher dann zu weniger als 40 Prozent gefüllt sein werden, gilt die Lage als kritisch.

Bei mindestens 55 Prozent Füllstand wird die Situation als stabil eingestuft. Neue Gasimporte durch die Inbetriebnahme neuer LNG-Terminals in Deutschland zum Jahreswechsel sollen bei diesem Indikator ebenfalls Berücksichtigung finden.

Fokus auf westliche Nachbarn

Beim Blick auf die Nachbarländer gilt: Rufen die Versorgungsgebiete Österreich, Schweiz/Italien, Tschechien, Dänemark, Luxemburg und Polen eine Gasnotfallstufe aus, wird die Situation als angespannt angesehen. Deutschland exportiert in diese Länder tendenziell Gas.

Sollten dagegen Belgien, die Niederlande oder Frankreich Alarm schlagen, würde der Zeiger ins kritische Feld zeigen. Deutschland bezieht von diesem Trio Flüssigerdgas. Selbes gilt, wenn ein Nachbarland um Solidarität bittet.

"Härtestes Kriterium"

Als "härtestes Kriterium" bezeichnete Müller die Beschaffung von Regelenergie. Hier gilt die Lage als angespannt, wenn Netzbetreiber und der Marktgebietsverantwortliche THE nicht mehr genügend Gas über die Börse einkaufen und nur noch auf Regelenergieprodukte zurückgreifen können.

Als kritisch stuft die Behörde die Lage dann ein, wenn selbst diese Maßnahme nicht mehr greift. Eine Gasmangellage stehe dann unmittelbar bevor, sagte der Behördenchef.

Speicherfüllstand bei knapp 99 Prozent

Stand Freitagnachmittag hatte der aggregierte Speicherfüllstand in Deutschland bei knapp 99 Prozent gelegen. Demnach wurde sechs Tage hintereinander mehr aus- als eingelagert, wie der Branchendienst AGSI meldete.

Die Megawattstunde Gas kostete am Handelsplatz TTF am Freitagmittag 122 Euro. Das Januarprodukt lag bei 130 Euro pro MWh. Deutlich weniger als 100 Euro kostete erst wieder der Winter 2024 (89 Euro pro MWh). (aba/dpa)

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