Der B.KWK sieht in dem BEHG auch eine Gefahr für die Wärmewende, weil Anlagen einer bestimmten Größe benachteiligt werden. (Symbolbild)

Der B.KWK sieht in dem BEHG auch eine Gefahr für die Wärmewende, weil Anlagen einer bestimmten Größe benachteiligt werden. (Symbolbild)

Bild: © Evija/AdobeStock

DIe Zahl der Heizung, die mit erneuerbarer Energie angetrieben werden, steigen und sollen sich weiter erhöhen. Auch die E-Mobilität nimmt sukzessive an Fahrt auf. Dies fordert jedoch die Stromverteilnetze heraus. Am Freitag präsentiert der Deutsche Verein des Gas- und Wasserfachs (DVGW) die Studie “Ein nachhaltiger Wärmemarkt”. Erstellt wurde sie von Frontier Economics und der RWTH Aachen. Kernergebnis auf der dazugehörigen Pressekonferenz: Die Kraft-Wärme-Kopplung (KWK) ist der Garant für ein stabiles System.

"Heizen in Deutschland muss auch in Zukunft zuverlässig und sozialverträglich sein. Ausschließlich auf Elektrifizierung zu setzen, würde die Systemstabilität gefährden. Ein 80-prozentiger Wärmepumpenausbau erfordert allein für den Wegfall der gasbasierten Heizungen eine zusätzliche Leistung von 65 Gigawatt. Zudem sichern heute noch etwa 48 Gigawatt Kohle und Kernkraft die steuerbaren Leistungen in Deutschland ab. In Summe ergibt dies eine Lücke von 113 Gigawatt. Der Ersatz der fünf Millionen Ölheizungen ist hier noch nicht inkludiert”, sagte Gerald Linke, Vorstandsvorsitzender des DVGW bei der Pressekonferenz.

Strompreise können bis zu 53 Prozent steigen

Anhand eines für Deutschland repräsentativen Vorstadt-Netzes mit 144 Ein- und Mehrfamilienhäusern wurden in der Studie die Herausforderungen für die Verteilnetze errechnet und auf das Stromübertragungsnetz bzw. auf das gesamte Bundesgebiet abstrahiert.  Um erneuerbaren Strom vom Norden in den Süden zu transportieren, wären zusätzlich 27 Gigawatt Übertragungsleistung erforderlich. Derartige Investitionen in das System können die Strompreise um bis zu 53 Prozent ansteigen lassen.

Wärmepumpen und KWK ergänzen sich gut

Es wurden verschiedene Technologiemix-Szenarien mit Wärmepumpen und KWK-Anlagen vor allem im kostenoptimierten Quartiersbetrieb betrachtet. Je nach Ausbaustufe der Wärmepumpen könnten KWK-Anlagen die Stromnachfrage aus dem Verteilnetz um fast zwei Drittel reduzieren. "Im Kern benötigen wir mit KWK keinen zusätzlichen Strombedarf aus dem Netz, wohingegen bei dem Szenario mit einem 80-prozentigen Anteil an Wärmepumpen die Belastung für das Stromnetz sehr groß ist", resümiert Dirk Müller, Professor am Lehrstuhl für Gebäude- und Raumklimatechnik, RWTH Aachen. 

“Bei geschickter Auslegung der Wärmepumpen, KWK-Anlagen und Pufferspeicher kann die Gleichzeitigkeit der Wärmeanforderung in einem Quartier optimal zu Reduktion der Spitzenlasten in einem Verteilnetz genutzt werden", sagt Müller.

Gebäudeeffizienz nicht überbewerten

Die hinterlegte Sanierungsquote liegt bei 1,4 Prozent "und damit sind wir eher positiv vorgegangen, wenn man die aktuelle Kapazitätssituation im Blick hat", sagt Müller. "Energetische Sanierungen sind sinnvoll, weil die Effizient der Wärmepumpe steigt. Aber wir werden vor dem Hintergrund von Denkmalschutz und baulichen Situationen die KWK mitdenken müssen." Es böte sich an, Gebäude mit höherem Wärmebedarf, wie beispielsweise Mehrfamilienhäuser, mit KWK-Anlagen auszustatten, die dann Strom für die Wärmepumpen in Einfamilienhäusern liefern.

Auch Linke warnte auf der Pressekonferenz vor den Studien im Markt. "Man muss die Annahmen betrachten, denn wenn man auf ein Ziel zurechnen will, schafft man es auch. Aber wenn der Wandel so einfach wäre, dann würden wir nicht das machen, was gerade stattfindet: Nämlich die Gasinfrastruktur stärken und ausbauen." Es brauche realistische Zahlen und Strategien. "Wir dürfen moemntan nicht nur auf eine Lösung setzen. Das müssen wir uns abgewöhnen, sondern parallel agieren, um zum Ziel zu kommen." Hier können Sie die Studie einsehen. (gun)

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