EnBW gehört zu den größten Gasversorgern Deutschlands.

EnBW gehört zu den größten Gasversorgern Deutschlands.

Bild: © Achim Wagner/AdobeStock

In den vergangenen Wochen hat sich der Gaspreis am liquidesten europäischen Handelspunkt TTF zwischen 50 und 60 Euro pro MWh stabilisiert. Am Mittwochnachmittag notierte der Frontmonat bei 54 Euro pro MWh.

Entwarnung wollte Markus Baumgärtner, Leiter des Bereichs Wertschöpfungskette Gas beim Energiekonzern EnBW, jedoch nicht geben. Es gebe noch immer "ganz viele Unsicherheiten", sagte er auf einer Veranstaltung von Gasversorgung Süddeutschland (GVS). "Es sind letztes Jahr Dinge passiert, die wir uns nicht vorstellen konnten. Ich befürchte, dass das dieses Jahr auch wieder der Fall sein könnte. Es ist alles andere als das Lied der Entspannung zu singen."

Einspeichern wirtschaftlich attraktiv

Zumindest scheint trotz milderen Wetters in den vergangenen Tage der Preissturz am Gasmarkt vorerst ein Ende gefunden zu haben. Die 50-Euro-Marke wurde auch in den vergangenen Tagen nicht unterschritten. Marktbeobachter gehen davon aus, dass die Gaspreise im Großhandel ohne russisches Pipelinegas dauerhaft deutlich über dem Vor-Corona-Niveau von rund 20 Euro pro MWh liegen werden.

Die jetzige Preissituation macht das Einspeichern von Gas durchaus attraktiv. Die für den kommenden Winter aufgerufenen Preise am TTF überstiegen am Mittwochnachmittag überwiegend die 60-Euro-Marke. Heißt: Wer jetzt für 54 Euro Gas einspeichert und im ersten Quartal 2023 für 63 Euro wieder verkauft, erzielt ein Plus von fast zehn Euro.

THE zurückhaltend bei Ausspeichern

Tatsächlich wurde zuletzt aus deutschen Gasspeichern aber weiter netto ausgelagert. Allein am Sonntag floss fast eine Terawattstunde mehr Gas aus den Speichern als hinein. Der aggregierte Füllstand betrug nach Angaben der Transparenzplattform AGSI 72,5 Prozent.

Dabei hält sich der Gas-Marktgebietsverantwortliche Trading Hub Europe (THE), der im Sommer des vergangenen Jahres im Auftrag der Bundesregierung insbesondere die Speicher Rehden, Wolfersberg und Peissen (Katharina-Speicher) befüllte, weiterhin mit dem Ausspeichern zurück. Deutschlands größter Speicher in Rehden war zuletzt zu 88 Prozent voll, Wolfersberg zu 85 Prozent und Peissen zu 98 Prozent.

"THE hat steile Lernkurve hingelegt"

Baumgärtner sagte, er habe die Strategie der Bundesregierung, im vergangenen Sommer um jeden Preis Gas einspeichern zu lassen, ohne die Mengen über den Terminmarkt abzusichern, für "nicht wirklich gut" gehalten. "Da hat THE auch eine steile Lernkurve hingelegt", sagte der EnBW-Mann.

Zumal dem Marktgebietsverantwortlichen jetzt, da Gas im Schnitt mehr als 100 Euro weniger kosten würde als in der heißen Phase 2022, bei Ausspeicherung der Mengen hohe Verluste drohen. Das Minus dürfte über die Gasbeschaffungsumlage am Ende auf Gasendverbraucher weitergereicht werden.

EnBW-Mann kein Freund von Politiker-Bashing

Anfang Februar hatte THE bekanntgegeben, für den kommenden Winter Kapazitäten in Höhe von insgesamt 35 Terawattstunden Gas für die drei genannten Speicher zu buchen. Damit kann der Marktgebietsverantwortliche entsprechende Mengen auch über diese Heizperiode hinaus in den Anlagen lagern.

Baumgärtner zeigte aber auch Verständnis für das Handeln der Bundespolitik. Diese habe nach dem russischen Angriffskrieg auf die Ukraine und dem Wegbrechen russischen Pipelinegases insbesondere über die Nord-Stream-Pipeline das Eintreten einer Gasmangellage befürchten müssen. "Da muss man mit Kritik sorgsam umgehen, [aus Fehlern] lernen und es zukünftig besser machen", sagte er. "Ich bin kein Freund des aktuellen Politiker-Bashings." (aba)

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