Der Entsog hat in der letzten Woche seinen Summer Supply Outlook veröffentlicht. Schwerpunkt ist unter anderem der Blick auf die Befüllung der Gasspeicher bis zum Winter vor dem Hintergrund der veränderten geopolitischen Situation.
Laut Entsog benötigt Europa während des Sommers höhere LNG-Importe als bisher und eine stärkere Auslastung der Gasinfrastruktur, um die Gasspeicher bis zum Winter aufzufüllen. Um einen Speicherfüllgrad von 90 Prozent zu erreichen, müssten die LNG-Importe während der Sommersaison auf 86 Milliarden Kubikmeter ansteigen.
Entsog stellt fest, dass der Konflikt im Persischen Golf zu einer Verknappung des globalen LNG-Angebots führt. Die Folgen sind nicht nur höhere Preise, sondern auch unattraktivere Preisspreads, die die wirtschaftlichen Anreize für die Einspeicherung schmälern. Der Konflikt wirkt sich damit direkt einschränkend auf die Wiederauffüllung der europäischen Gasspeicher aus.
Stressszenario: Gasspeicher nur zu 70 Prozent gefüllt
Das 90-Prozent-Ziel bis zum 1. Oktober 2026 ist laut Entsog nur dann erreichbar, wenn die LNG-Importe täglich maximiert werden und die LNG-Terminals in Mittel- und Südeuropa auf hoher Kapazität laufen.
Für den Fall, dass der Konflikt in Nahost dazu führt, dass nur 71 Milliarden Kubikmeter LNG importiert werden (Optimal-Szenario: 86 Milliarden Kubikmeter LNG), das heißt 20 Prozent weniger als optimal, dann könnte bis Ende September nur ein Speicherfüllstand von 76 Prozent erreicht werden.
Würden zusätzlich die russischen Gasflüsse über die Turkstream-Pipeline wegfallen, so müssten zusätzliche sechs Milliarden Kubikmeter LNG importiert werden, um den Gasfluss aus Russland zu ersetzen. Sofern das nicht möglich ist, so würde bis zum Beginn des Winters nur ein Speicherfüllstand von 70 Prozent erreicht werden.
TTF wird zum globalen Handelsplatz
Ende Februar teilte die ICE mit, dass die Handelszeiten am TTF von 10 auf 21 Stunden verlängert werden. Dies ist ein bedeutender und zugleich logischer Schritt für den TTF auf dem Weg zum globalen Handelsplatz mit Auswirkungen auf den Handel, das Risikomanagement und die globale Marktteilnahme.
Die längeren Handelszeiten sollen mehr Handelsvolumina von nicht in Europa ansässigen Marktteilnehmern anziehen und dazu den Handelsplatz zeitlich besser mit anderen globalen Rohstoffen (Öl- und Kohlemarkt) als auch Handelsmärkten (asiatischer JKM und US-amerikanischer Henry Hub) abstimmen.
Mehr Liquidität aber auch mehr Risiken
Der niederländische TTF wird damit vom europäischen Referenzwert zu einem globalen Handelspunkt. Damit sollten am TTF die Handelsvolumina und steigen und der Handelsplatz verbessert seine Liquidität.
Gleichzeitig verbessert sich der Zugang für globale Akteure zum Markt und es ist ein folgerichtiger Schritt hinsichtlich der Integration der LNG-Märkte wie den asiatischen JKM in den europäischen Handelsplatz.
Andererseits könnte dies die Volatilität und vor allem die Intraday-Volatilität am Marktplatz erheblich erhöhen, da der Index nun gezwungen ist, praktisch in Echtzeit auf globale Themen zu reagieren. Die Frage ist, ob die Liquidität schnell genug hochfährt, um Marktschocks aus Asien, dem Atlantik (zum Beispiel US-LNG), dem Pazifik (zum Beispiel australisches LNG) oder wie aktuell aus dem Nahen Osten, gut genug abzufangen.
Insgesamt ist davon auszugehen, dass die Intraday-Volatilität deutlich komplexer wird und dies auch dazu führt, dass sich die beteiligten europäischen Handelsorganisationen einer tiefgreifenden Umgestaltung unterziehen müssen.
Risiken bestehen insbesondere dann in Zeiten von sehr geringer Liquidität am Markt, wenn der Positionshandel von spekulativen Akteuren zum Beispiel während der Nachtsitzungen dominiert werden könnte, was zu disruptiven Preisbewegungen führen könnte.


