Teile von Koblenz-Kesselheim, der Gemeinde Wallersheim und des Rheinhafens dienten als Pilotgebiet.

Teile von Koblenz-Kesselheim, der Gemeinde Wallersheim und des Rheinhafens dienten als Pilotgebiet.

Bild: © Niklas Oster/EVM

Die rheinland-pfälzische Energieversorgung Mittelrhein (EVM) geht die Transformation ihres Gasnetzes an. Dazu hat sie jetzt ein Wasserstoff-Pilotprojekt nach eigenen Angaben erfolgreich abgeschlossen – sieht jedoch Hürden außerhalb ihrers Einflusses.

"Ziel war es, die Wasserstofftauglichkeit zu untersuchen und daraus belastbare Erkenntnisse für die zukünftige Entwicklung der Gasversorgung zu gewinnen", sagt Tobias Eberhardt, Projektleiter der verantwortlichen Netztochter Energienetze Mittelrhein (ENM).

Blaupause für weitere Netzabschnitte

Gemeinsam mit der Stadtwerke-Kooperation Thüga habe die ENM im Zeitraum von rund anderthalb Jahren in Koblenz eine Machbarkeitsstudie durchgeführt, teilte die EVM mit. Neben der technischen Machbarkeit sei auch analysiert worden, welche Kosten und Anpassungen erforderlich wären.

Dafür sei bewusst ein Netzgebiet ausgewählt worden, "das als Blaupause für weitere Netzabschnitte dienen kann". Die untersuchten Teile von Koblenz-Kesselheim, der Gemeinde Wallersheim und des Rheinhafens wiesen unter anderem eine hohe Anschlussdichte mit zahlreichen Haushalts- und Unternehmenskunden auf, außerdem eine heterogene Netzinfrastruktur mit Hoch-, Mittel- und Niederdruckleitungen sowie eine Mischung aus Industrie mit hohem Energiebedarf und Haushaltskunden. Diese Netzinfrastruktur ermögliche "besonders vielfältige Erkenntnisse", so die EVM.

Schritt eins: Datengold sichern

Zunächst wurden sämtliche verfügbaren Daten zum Netzbestand zusammengetragen – darunter digitale Kartendaten, technische Informationen zu Leitungen und Anlagen sowie archivierte Unterlagen. Auf dieser Grundlage prüfte ein externer Dienstleister die Wasserstofftauglichkeit einzelner Komponenten wie Rohrleitungen, Schieber oder Mess- und Regelanlagen.

Parallel entwickelten Fachleute der EVM-Gruppe gemeinsam mit Expertinnen und Experten der Münchner Thüga verschiedene Zukunftsszenarien für die Jahre 2035 und 2040. Betrachtet wurden unter anderem eine vollständige Umstellung auf Wasserstoff, eine Nutzung nur auf Hochdruckebene sowie Mischmodelle für Industrie und Haushalte.

Wir befinden uns weiterhin in einer frühen Phase der Transformation.

Ein zentrales Ergebnis: Es sei "mit vertretbarem Aufwand möglich", einen Teil des Erdgasnetzes herauszutrennen und umzuwidmen. Der Technische Geschäftsführer der ENM, Hendrik Majewski, betont jedoch: "Wir befinden uns weiterhin in einer frühen Phase der Transformation."

Die technischen Grundlagen auf Basis realistischer, zukünftiger Bedarfe seien nun erarbeitet. Bestehende Assets, wie Rohrleitungen, Schieber sowie Regel- und Messanlagen, könnten "grundsätzlich technisch" umgewidmet werden.

Äußere Umstände

Aber: Wie und wann dies erfolge, hänge maßgeblich von einer übergreifenden Wasserstoffversorgung, den regulatorischen Rahmenbedingungen und der überregionalen Infrastruktur ab. "Faktoren also, die weit über den Verantwortungsbereich der ENM hinausgehen", so Majewski. Das Gasnetz der ENM hat nach Unternehmensangaben eine Länge von insgesamt 6370 Kilometern.

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