17 große Unternehmen der Gasbranche fordern vom Bund eine Verkehrswende in der laufenden Wahlperiode, die "alle heute verfügbaren und effizienten Handlungsoptionen" berücksichtigt. Diese seien "neben der batteriebetriebenen Elektromobilität" vor allem Erdgas im gasförmigen (CNG, SNG Synthetic Natural Gas) oder flüssigen (LNG, LBG Liquefied Bio Gas) Zustand sowie Wasserstoff. Das geht aus einem vierseitigen Papier hervor, das der ZfK vorliegt.
Flotten einfacher umstellen können
Im einzelnen wünschen sich die Energieunternehmen, die sich nach ZfK-Informationen "Gaskoalition" nennen, vom Bund:
- sich noch in dieser Wahlperiode darauf zu konzentrieren, Infrastruktur für alternative Fahrzeug- sowie Kraftstoff- und Energietechnologien zu schaffen. Dabei solle er den Auf- und Ausbau von Tankstellen für CO2-arme oder -freie Kraftstoffe "in gleicher Weise" fördern wie die Errichtung von E-Ladestationen.
- Nahverkehrsbetreiber und Fuhrunternehmen sollen ihre Flotten, die täglich durch die Zentren fahren, einfacher mit CNG-, LNG- oder E-Motoren inklusive Brennstoffzelle aus- oder nachrüsten können.
- die noch fehlende Anerkennung von grünen oder dekarbonisierten Gasen aus Power-to-Gas und Power-to-Liquid auf die EU-Flottenziele für die Hersteller von Autos und leichten Nutzfahrzeugen. Diese liegen für 2020 bei 95 Gramm CO2 pro Kilometer (g/km), für 2025 bei 81 und für 2030 bei 66,5 g/km. Das wäre eine neue Möglichkeit für die Hersteller, den drakonischen Strafen von 500 Euro für jede zu viel emittierte Tonne zu entgehen. Ein herkömmliches KFZ stoße über seinen Lebenszyklus hinweg 25 Tonnen CO2 aus, so die "Gaskoalition".
- eine "langfristige" Energiesteuervergünstigung für CNG (derzeit bis 2026;
- im Schwerlastverkehr über die von Brüssel vorgeschlagenen Ausstoßgrenzwerte für LKW hinaus "weitere Fördermechanismen" für Flüssigerdgas(LNG)-LKW. Die 12.000 Euro Markteinführungsprämie des des Verkehrsministeriums pro LKW seien "wertvoll", es sei aber "sinnvoll und notwendig", auch den Auf- und Ausbau der Infrastruktur zu ermöglichen. Die "Gaskoalition" vermerkt mit Zustimmung, dass Brüssel LNG in zwei Vorschlägen als zusätzlichen alternativen Kraftstoff in die Verordnung 2017/2400/EU und in die Richtlinie 2007/46/EC aufnimmt. Ein LNG-Anteil von 25 Prozent spare zwei von 55 Mio. Tonnen CO2-Ausstoß in dem Sektor ein.
- eine Rolle von LNG und Wasserstoff in der See- und Binnenschifffahrt. Zwar habe der Sektor nur einen geringen Anteil an den CO2-Emissionen, aber einen "nicht zu vernachlässigenden" an den "zumeist zentrumsnahen" Emissionen von Lärm, Feinstaub und Stickoxiden in Städten wie Bonn oder Düsseldorf. Brüssel hatte zudem bis Jahresende strengere Maßstäbe für die Erfassung und Überwachung von CO2-Emissionen von Schiffen angekündigt.
Die Unterzeichner
Das Papier ist frei von Kritik an der E-Mobilität und ihrer Förderung. Unterschrieben haben es folgende 17 Unternehmen:
- die Gasproduzenten, -händler oder -vertriebe Bayerngas, BP, Dea, EnBW und deren Töchter GVS sowie VNG, Equinor (früher Statoil), Exxonmobil, Gas-Union, Shell, Total, Uniper (eine Fortum-Beteiligung) und Wintershall
- das Stadtwerkenetzwerk Thüga
- die Ferngasnetzbetreiber (FNB) Gascade (Tochter von Wintershall und Gazprom), Ontras (VNG-Tochter) und Open Grid Europe.
Verkehr stößt mehr aus als vor 28 Jahren
Deutschland verfehlt seine Klimaziele für 2020 im Verkehrssektor nicht nur, betonen die Unterzeichner, sondern der Transport stößt derzeit mehr Treibhausgase aus als in dem Referenzjahr der Klimaziele, 1990, nämlich 155 Mio. Tonnen pro Jahr oder 17 Prozent der Gesamtemissionen. Die EU hat sich und ihre Mitgliedsstaaten kürzlich zu einer 38-prozentigen Minderung von 2005 bis 2030 in den Sektoren wie dem Verkehr verpflichtet, die nicht dem CO2-Handel unterliegen ("Effort Sharing" der Non-ETS-Sektoren). (geo)



