Inmitten extrem hoher Gaspreise erzeugte fast die Hälfte der großen deutschen Gaskraftwerksblöcke im Juli überhaupt keinen Strom. Das geht aus Daten der Energiebörse EEX hervor, die die Fraunhofer-Plattform Energy-Charts auf ihren Seiten aufbereitet hat.
Demnach produzierten im vergangenen Monat 28 von insgesamt 61 gelisteten Blöcke keinen Strom. Im Vorjahreszeitraum waren es 24 gewesen, im Juli 2020 gerade einmal 16.
Ludwigshafen-Mitte größter Gasverstromer
Sieben weitere Anlagen erzeugten im Juli zudem nur sehr geringe Strommengen, sprich jeweils höchstens 1 GWh. Damit trugen 57 Prozent der Blöcke den kompletten Monat praktisch nichts zum deutschen Strommix bei.
Am meisten Strom wurde laut Energy-Charts im Industriekraftwerk Ludwigshafen-Mitte erzeugt, das auf dem Gelände des Chemieriesen BASF steht. Dahinter folgt das niedersächsische Gaskraftwerk Emsland, das vom Energiekonzern RWE betrieben wird und in Nachbarschaft zu den beiden Kernkraftwerken Emsland (noch in Betrieb) und Lingen (bereits abgeschaltet) liegt.
Düsseldorf-Kraftwerk auf Platz drei
Platz drei belegte das Kraftwerk Lausward in Düsseldorf, das den örtlichen Stadtwerken gehört und am Hafen liegt.
Im Juli fuhren lediglich sechs Kraftwerksblöcke zu mehr als 50 Prozent auf Volllast. Im Juli 2020, als Gas besonders günstig war, waren es noch 16 Anlagen gewesen. Auf mehr als 80 Prozent Volllast kamen vergangenen Monat nur drei Blöcke des BASF-Kraftwerksparks in Ludwigshafen.
Stromproduktion in Irsching stark rückläufig
Gar keinen Strom produzierten im Juli dagegen beispielsweise die Kraftwerke Irsching 4 (Uniper) und München Süd 1 (Stadtwerke München).
Stark ging die Gasverstromung in den beiden Kölner Gaskraftwerken am Standort Niehl zurück. Im Juli wurde nur noch fast ein Drittel des Vorjahresstroms erzeugt. Noch deutlicher sank die Stromproduktion im Gemenschaftskraftwerk Irsching 5, an dem neben dem Energiekonzern Uniper die Regionalversorger N-Ergie, Mainova und Entega beteiligt sind. Hier wurde ein Rückgang von fast 90 Prozent registriert.
Trianel-Gaskraftwerk erzeugt mehr Strom
Gegen den Trend stieg die Stromproduktion am Trianel-Gaskraftwerk Hamm im Vergleich zum Vorjahreszeitraum – von 44 auf 141 GWh.
Insgesamt hatte Erdgas im Juli knapp zehn Prozent zum deutschen Strommix beigesteuert. Das war etwas mehr als im Vorjahreszeitraum. Gaskraftwerke werden oft als Spitzenlastkraftwerke eingesetzt, also in Zeiten besonders hoher Nachfrage oder besonders geringen erneuerbaren Angebots. Viele Gaskraftwerke sind auch Kraft-Wärme-Kopplungs-Anlagen. Für sie ist oft nicht der Strommarkt entscheidend, sondern der Wärmemarkt. (aba)
Hinweis: Als Zahlengrundlage diente die öffentlich zugängliche Plattform Energy-Charts des Fraunhofer-Instituts für Solare Energiesysteme (ISE). Einsehbar sind dort blockscharfe Balkendiagramme zur Stromerzeugung. Als Datenquelle dient die Energiebörse EEX, die entsprechende Zahlen mit einem Zeitversatz von fünf Tagen veröffentlicht. Einzeln gelistet sind alle Kraftwerke mit einer installierten Leistung von 100 MW sowie Anlagen unterhalb dieser Grenze, die dies freiwillig tun.
Info: Täglich aktualisierte Energiemarktdaten und -grafiken finden Sie hier im ZfK-Datenraum, der in Kooperation mit dem Berliner Datenspezialisten Energy Brainpool befüllt wird.


