Joachim Endress ist Geschäftsführer des Beratungsunternehmens Ganexo, das sich auf Fragen des Gasmarkts spezialisiert hat.

Joachim Endress ist Geschäftsführer des Beratungsunternehmens Ganexo, das sich auf Fragen des Gasmarkts spezialisiert hat.

Grafik/Bild: © ZfK/Ganexo

Nachdem die die vereinbarte Waffenruhe am Dienstag zunächst brüchig erschien, scheint sie bisher jedoch zu halten. Die gefürchtete Schließung der wichtigsten Handelsroute der Welt, der Straße von Hormus, war unter den Marktteilnehmern zuletzt kein Thema mehr.

Damit haben die Händler ihre Risikoprämien wieder ausgepreist und der Gaspreis fällt am Donnerstag auf den Stand vor zwei Wochen, vor der Krise. Je nach weiterer Entwicklung kann sich das jedoch wieder ändern und ein Anstieg um zehn bis 20 Prozent ist schnell wieder möglich.

Entspannung überwiegt

Im Falle einer dauerhaften Blockade der Straße von Hormus wäre sicherlich mit einem deutlich höheren Preisanstieg zu rechnen. Einige Analysten vergleichen dieses Szenario mit dem Preisanstieg während der Energiekrise, als die Gaspreise zeitweise auf über 200 Euro pro Megawattstunde (MWh) anstiegen.

Die Märkte zeigen sich derzeit bei schwacher Nachfrage und gutem Angebot entspannt. Die Wartungsarbeiten in Norwegen sind weitgehend abgeschlossen und die Gasflüsse stiegen wieder auf umgerechnet mehr als 3,5 Terawattstunden (TWh) pro Tag. Das nächste Wartungsintervall steht dann erst wieder für den Zeitraum August bis September an.

Die europäische Gasnachfrage sinkt in dieser Woche mit rund 6,5 TWh pro Tag auf einen neuen Jahrestiefststand. In Deutschland war am letzten Wochenende die Nachfrage unter 1 TWh pro Tag gefallen, der Durchschnitt der letzten sieben Tage lag bei rund 1,2 TWh pro Tag.

Die Kraftwerksgasnachfrage in der EU steigt in dieser Woche mit einer Stromgeneration der Gaskraftwerke von 47 Gigawattstunden (GW) – 20 Prozent der gesamten Stromgeneration, jedoch auf den höchsten Stand seit drei Monaten. Der Trend sollte mit den steigenden Temperaturen und wenig Windstromeinspeisung in den nächsten Tagen anhalten.

Einspeicherungen schleppend

Die Einspeicherungen der EU-Länder stiegen am letzten Wochenende auf über 5 TWh pro Tag, zu Beginn dieser Woche fielen die Werte jedoch wieder auf unter 4 TWh pro Tag. Die Gasspeicher der EU-Länder sind zu 57 Prozent gefüllt, rund acht Prozentpunkte weniger als im Durchschnitt der letzten fünf Jahre.

In Deutschland treibt die Situation am Speichermarkt dem ein oder anderen so langsam die Sorgenfalten ins Gesicht. Die Gasspeicher sind nur zu 49 Prozent gefüllt, 20 Prozentpunkte weniger als im Fünf-Jahres-Mittel. Kein anderes EU-Land mit großer Speicherkapazität steht in diesem Vergleich schlechter da. Im Juni liegt die Nettoeinspeicherung mit bisher rund 21 TWh zwar deutlich über den Vormonaten, aber im Vergleich zum Jahr 2022 als der Speicherstand auf ähnlich niedrigem Niveau lag, waren die Einspeicherungen damals deutlich höher.

Speicher Rehden leer

Vor allem die Situation im Gasspeicher Rehden gibt Anlass zur Sorge. Der Gasspeicher ist nach wie vor leer, bei einem Füllstand von rund 2 Prozent. Im Durchschnitt der letzten fünf Jahre lag der Füllstand des Speichers zu diesem Zeitpunkt im Jahr bei rund 58 Prozent.

Während der Energiekrise lag der Füllstand des Speichers Anfang Juni auf ähnlichem Niveau. In der Folgezeit investierte der Marktgebietsverantwortliche THE schätzungsweise mehr als 6 Milliarden Euro um rund 40 TWh Erdgas einzuspeichern.

Die Befüllung des Speichers Rehden hatte damals oberste Priorität, um die Versorgungssicherheit für den nächsten Winter zu gewährleisten. Nun wird dem Speicher anscheinend die wichtige Bedeutung wieder abgesprochen. Das verwundert und ist irgendwie auch absurd. Aber vielleicht auch nur die Ruhe vor dem Sturm.

Unser Kolumnist Joachim Endress ist Geschäftsführer des Beratungsunternehmens Ganexo. Er analysiert wöchentlich die aktuellen Entwicklungen im Gasmarkt für das ZfK-Morning Briefing.

Der Titel seiner letzten Analyse lautetRumänien auf dem Weg zum größten Gasproduzenten der EU

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