Im April endet für Gasspeicherbetreiber in der Regel die Winterzeit. Kündigt sich der Frühling an, werden auch die Speicher wieder voller. Nicht so bislang in diesem Jahr.
Laut Branchendienst AGSI+ verharren die deutschen Füllstände bei einem Dreijahrestief von etwas mehr als 25 Prozent. Kein Vergleich zum vergangenen Jahr, als zum selben Zeitpunkt fast drei Viertel der Speicher wieder gefüllt waren.
April 2021 deutlich kälter als 2020
Mitte April 2020 wurden im Schnitt täglich 0,5 Terawattstunden (TWh) eingespeichert. Jetzt dagegen wird noch bis zu einer TWh pro Tag ausgespeist.
Ein Unterschied zwischen damals und heute liegt auf der Hand. Das Wetter ist zurzeit deutlich kälter als vor einem Jahr, Gas in der Wärmeversorgung deshalb gefragter.
Wintersaison länger als normal
Dazu kamen Wartungsarbeiten bei einigen Gasfeldern in England sowie Ausfälle der russischen Gasflüsse über das brandenburgische Mallnow, was das Gasangebot auf dem deutschen Markt einschränkte.
Schon befürchtet mancher Marktbeobachter, dass die Zeit knapp werden könnte, die Speicher rechtzeitig zur Wintersaison wieder auf 90 Prozent und noch mehr zu füllen. Die Situation verschärften könnten kühlere Tage über den April hinaus.
Zukunft Gas: "Saisonübliches Niveau"
Der Interessensverband Zukunft Gas beruhigt dagegen. Die gegenwärtigen Füllstände seien "auf einem saisonüblichen Niveau", teilt er der ZfK mit. Die Füllstände der Gasspeicher hingen zudem nicht nur von Jahreszeit und Witterung ab, sondern auch vom Preis.
"Angesichts des aktuell noch relativ hohen Gas-Großhandelspreises ist es für die Gashändler attraktiver, ihr Produkt am Markt sofort zu verkaufen, anstatt es in Speicher einzulagern", schreibt er. "Auf der anderen Seite werden die Händler Phasen mit höheren Temperaturen und entsprechend gesunkener Nachfrage nutzen, die Speicher bei dann niedrigeren Preisen wieder stärker zu befüllen."
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CO2-Preise auf Rekordniveau
Tatsächlich zeigen die Gaspreise seit Wochen tendenziell nach oben. Am 6. April kletterte der Preis im NCG Day-Ahead über die 20-Euro-Marke. Sechs Tage später notierte er sogar bei 21,09 Euro pro MWh. Damit stieg der Preis in eineinhalb Monaten um ein Drittel.
Dabei dürften nicht nur kalte Temperaturen und ein verknapptes Angebot preistreibend gewirkt haben, sondern auch CO2-Preise auf Rekordniveau. Gestützt von hohem Kaufinteresse auf Seiten des Finanzmarkts und Compliance-Käufen sind diese nunmehr doppelt so hoch wie vor einem Jahr. Ein Zertifikat kostet im EU-Emissionshandel inzwischen fast 45 Euro und damit so viel wie noch nie.
Braunkohle nur knapp vor Gas
Hohe CO2-Preise machen den Betrieb von Kohlekraftwerken zunehmend unwirtschaftlich. An ihre Stelle treten häufig Gaskraftwerke, die beim Verbrennungsprozess weniger CO2 ausstoßen.
Dieser Trend spiegelt sich in aktuellen Daten des Datentools Energy-Charts des Fraunhofer-Instituts ISE wider: Diesen April war Braunkohle bislang für 13 Prozent des erzeugten Nettostroms in Deutschland verantwortlich. Gas steuerte zwölf Prozent bei.
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LNG-Lage erholt sich
Ein frappierender Unterschied etwa zum April 2019: Damals machte Braunkohle noch 21 Prozent aus, Gas dagegen lediglich acht Prozent des Strommixes.
Stärkere Gasnachfrage verknappt aber nicht nur das vorhandene Angebot, sondern lockt auch zusätzliche Anbieter. Nach tagelanger Blockade des Suez-Kanals durch ein Containerschiff und damit einhergehenden Lieferengpässen hat sich die Flüssigerdgas-Lage in Nordwesteuropa wieder erholt.
LNG-Angebot gut
Das LNG-Angebot wird in der Branche insgesamt als gut bewertet. Dies führte mitunter dazu, dass zumindest am Dienstag die Gaspreise etwas nachgaben. (ab)
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