Die Preisrallye im Dezember hat Wirkung gezeigt. Die Angst vor Gasengpässen in den kommenden Wochen ist dank frisch angekommener LNG-Schiffe an europäischen Häfen zurückgegangen. Auch die Preise zeigen seit Weihnachten nach unten.
Doch ist das nur die Ruhe vor dem Sturm?
Millionen gegen Gasengpässe
Noch im Dezember blickte der Gasmarkt mit Bangen auf Februar. Der deutsche Marktgebietsverantwortliche Trading Hub Europe (THE) nahm 50,2 Millionen Euro in die Hand, um Engpässen im süddeutschen Raum vorzubeugen. Um die hohen Mehrausgaben zu stemmen, war er offenbar auf eine Finanzspritze der staatlichen Förderbank KfW angewiesen, wie das "Handelsblatt" berichtete.
THE wollte dies auf ZfK-Anfrage weder bestätigen noch dementieren. Die Gesellschaft stehe jederzeit mit verschiedenen Banken in Kontakt, um die erforderliche Liquidität für die ihr zugewiesenen Aufgaben jederzeit sicherstellen zu können, teilte eine Sprecherin mit. Auch zur Höhe der vereinbarten Kredite wollte THE aus Gründen der Vertraulichkeit keine Angaben machen.
Mehr LNG-Schiffe
Noch am 21. Dezember wurde eine Megawattstunde Erdgas für den Liefermonat Februar für mehr als 180 Euro gehandelt (Handelspunkt TTF). Jetzt dagegen sind es weniger als 80 Euro (Stand: 11. Januar).
Preisdämpfend wirken zurzeit vor allem vermehrte LNG-Importe. Allein in den nächsten zwei Wochen dürften 25 bis 30 Tanker in Nordwesteuropa Flüssigerdgas in den Markt bringen, schreibt Gasversorger GVS in seinem wöchentlichen Report.
Mildere Temperaturen
Zudem dürfte milderes Wetter helfen. Zwar würden in der aktuellen Woche die Temperaturen noch unter Norm liegen, halten die Stadtwerke Heidenheim in ihrem Energiemarktbericht fest. Doch dürfte es demnach bis Ende der Woche wieder wärmer werden.
"Die Erwartung liegt bei durchschnittlich 0,45 Grad Celsius" über Norm ab [diesem Donnerstag]", heißt es. "Fortlaufend bis in die letzte Januarwoche werden Werte über Norm vorhergesagt."
Kein Gas aus Jamal-Pipeline
Anhaltende Unsicherheiten über die russischen Gasflüsse stützen dagegen die Preise weiterhin. Seit mehr als drei Wochen fließt beispielsweise kein Gas mehr über die Jamal-Pipeline von Russland nach Deutschland.
Auch die Gasspeicher in Deutschland leeren sich nach einer kurzen Einspeicherphase Ende Dezember wieder. Am Montag lag der Füllstand nach Angaben des Branchendienstes AGSI+ bei 51 Prozent. Vor einem Jahr waren es zum selben Zeitpunkt 65 Prozent.
Hohes Preisniveau für 2022
Sollte Russland zudem in den nächsten Wochen an der ukrainischen Ostgrenze einen Krieg vom Zaun brechen, würde dies nicht nur wahrscheinlich das Ende der Ostseepipeline Nordstream 2 bedeuten, sondern auch eine neue Preisrallye am Gasmarkt.
Und wenn nicht? Dann könnte der für Februar befürchtete Sturm tatsächlich ausbleiben. Wobei auch an der Börse gehandelte Gaspreise von 70 bis 80 Euro pro MWh nicht nur für Februar, sondern für das ganze restliche Jahr 2022 Energiehändlern ordentlich zu schaffen machen dürften. (aba)
Hinweis: Täglich aktualisierte Energiedaten und -grafiken finden Sie hier im ZfK-Datenraum, der in Kooperation mit dem Berliner Datenspezialisten Energy Brainpool befüllt wird.



