Der Preiskampf um Flüssigerdgas ist in den vergangenen Tagen deutlich intensiver geworden.

Der Preiskampf um Flüssigerdgas ist in den vergangenen Tagen deutlich intensiver geworden.

Bild: © Wojciech Wrzesień/AdobeStock

Es sind Meldungen, die europäische Gasbezieher gar nicht gern hören dürften. Größere asiatische LNG-Einkäufer könnten in den kommenden Wochen US-Schiffsladungen ordern, wenn sich der Arbeitskampf in australischen LNG-Terminals weiter verschärfe, berichtete am Dienstag die Nachrichtenagentur Reuters und berief sich auf Analysten.

Auf Massimo Di Odoardo von der Unternehmensberatung Wood Mackenzie zum Beispiel. "Einige Flüssigerdgaslieferungen hauptsächlich aus Katar und den USA, die für Europa geplant waren, könnten wahrscheinlich nach Asien umgeleitet werden", wird dieser zitiert.

Frontmonat zieht weiter an

Die Erwartung eines erbitterteren Wettbewerbs um wertvolle Flüssigerdgasmengen trieb jedenfalls am Dienstag die Preise weiter nach oben. Am Nachmittag notierte der Frontmonat am liquidesten europäischen Gashandelsplatz TTF bei 43,50 Euro pro MWh und damit fast drei Euro über dem Vortageswert.

Noch deutlich mehr wurde für Gas fällig, das im kommenden Winter geliefert werden soll. Dezember-, Januar- und Februarkontrakte tänzelten allesamt um die 60-Euro-Marke. Zur Einordnung: Mehr als 60 Euro pro MWh im Tagesdurchschnitt kostete Gas für diese Lieferzeiträume im Tagesdurchschnitt zuletzt im Mai.

Deeskalierende Töne aus Australien

Dabei versuchte der australische Energiekonzern Woodside Energy, der eine der drei möglicherweise von Streiks betroffenen LNG-Anlagen betreibt, die Lage zu beruhigen. Sein Unternehmen sei auf mehrere Sorgen "konstruktiv" eingegangen, richtete er aus. Am Mittwoch treffen Arbeitgeber- und Arbeitnehmervertreter wieder zu Gesprächen zusammen.

Frühestens am 2. September könnte ein Streik beginnen. Legen auch Arbeiter zwei anderer LNG-Terminals die Arbeit nieder, könnte etwa die Hälfte der australischen LNG-Exportkapazität ausfallen. Das Land war im vergangenen Jahr hinter den USA und Katar drittgrößter Flüssigerdgasproduzent weltweit.

Gasspeicher in Deutschland zu 93 Prozent voll

Derzeit stehen Europas Gasmärkte eigentlich gut da. Die Gasspeicher sind laut Transparenzplattform AGSI inzwischen im Schnitt zu 91 Prozent gefüllt. Zuletzt kam jeden Tag netto mindestens ein weiterer Viertelprozentpunkt dazu. In Deutschland ist der Füllstand mit 93 Prozent sogar noch höher.

Zudem herrsche weiterhin eine Überversorgung, notierten die Stadtwerke Heidenheim in ihrem wöchentlichen Marktbericht. Denn während die Gasflüsse stabil hoch seien, sei die Nachfrage im Verhältnis dazu schwach. In Summe dämpfe dies das Aufwärtspotential.

"Ausblick weiter neutral"

Wohl auch vor diesem Hintergrund sagte etwa Analystin Paula Di Mattia Peraire dem Nachrichtendienst Montel, dass der europäische Markt auf die australische Streikdrohung "überreagiert" haben könnte. Und auch die Stadtwerke Heidenheim schreiben: "Unser Ausblick für den Gasmarkt ist weiter neutral." (aba)

Mehr Analyse:

Gasmarktexperte Joachim Endress schreibt für die ZfK eine wöchentliche Kolumne. Thema des jüngsten Artikels: "Wind, Hitze und LNG: Was die Gaspreisrallye weiter anheizen könnte"

Info: Täglich aktualisierte Energiemarktdaten und -grafiken finden Sie hier im ZfK-Datenraum, der in Kooperation mit dem Berliner Datenspezialisten Energy Brainpool befüllt wird.

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