Gut einen Monat ist es her, da machte Russlands Präsident Wladimir Putin einem hochnervösen europäischem Gasmarkt Hoffnung. Er habe den russischen Staatskonzern Gazprom angewiesen, die Lieferungen nach Deutschland und Österreich zu erhöhen, sobald die unterirdischen Speicher in Russland aufgefüllt seien, ließ er über die Agentur Tass ausrichten. (Die ZfK berichtete.)
Prompt erklärte Gazprom-Chef Alexej Miller, dass sein Unternehmen genau damit nach dem 8. November beginnen könne. Und tatsächlich ließ der Konzern am 9. November verlauten, dass er nun mit der Auffüllung europäischer, nicht näher spezifizierter Gasspeicher begonnen habe. Ein entsprechender Plan zur Einspeisung in fünf unterirdische Anlagen im November sei gebilligt worden.
Rehden zu 8,5 Prozent gefüllt
Ein großes Einspeicherprogramm war allerdings zumindest bei Gasspeichern der Gazprom-Tochter Astora seitdem nicht zu beobachten.
Beispiel Rehden, Deutschlands größter Gasspeicher, der von Astora betrieben wird (43,7 TWh Kapazität) und wegen des geringen Füllstands über den Sommer hinweg die Gaspreise stützte. Auf geringe Einspeisungen in der ersten Novemberhälfte folgten beständige Ausspeicherungen ab dem 20. November, wie Astora-Bewegungsdaten belegen. Inzwischen beträgt der Füllstand nur noch 8,5 Prozent (Stand: 2. Dezember, 6 Uhr). Das ist ein Prozentpunkt weniger als am 9. November.
Auch in Haidach geht Füllstand zurück
Beispiel Jemgum, ein weiterer Astora-Speicher in Deutschland, Kapazität 8,2 TWh. Erneut fiel der Füllstand in den Tagen seit 9. November von 7,2 TWh auf nunmehr 7,0 TWh. Der Füllstand hier liegt bei 85 Prozent.
Beispiel Haidach, ein Astora-Gasspeicher in Österreich, Kapazität 11,3 TWh. Auch dort wurde im selben Zeitraum mehr aus- als eingespeichert, fiel das eingespeicherte Volumen von 6,2 TWh auf 5,5 TWh (Stand: 2. Dezember, 6 Uhr). Der Füllstand dort beträgt aktuell 48 Prozent.
Fokus auf Mallnow
Aufgrund der niedrigen Temperaturen werde derzeit ausgespeichert, erklärt Gasmarktexperte Joachim Endress vom Beratungsunternehmen Ganexo. Alle deutschen Gasspeicher zusammengenommen liegt der Füllstand aktuell bei etwa 65 Prozent – ein Rückgang von sieben Prozentpunkten seit Anfang November.
Für Einspeicherungen stehe dagegen nicht genügend Angebot zur Verfügung, erläutert Endress. Dazu müsste Gazprom die Lieferungen über den Punkt Mallnow, dem Ende der Jamal-Nord-Transitleitung an der deutsch-polnischen Grenze, signifikant erhöhen.
Mallnow-Gasflüsse vergleichsweise gering
Allerdings bewegen sich die Gasflüsse dort seit Tagen zwischen vergleichsweise geringen 250 und 350 GWh pro Tag. Zusätzliche Mengen kann Gazprom für diesen Monat nur noch auf Tagesbasis buchen.
Und was sagt Gazprom selbst zur Situation? Der Konzern blickte erst zurück und gab bei der Veröffentlichung jüngster Quartalszahlen an, dass eine "gedämpfte" Nachfrage in Europa im dritten Quartal zu geringeren Liefermengen als im Vorjahr geführt habe. Gleichfalls habe er alle vertraglichen Verpflichtungen gegenüber Kunden erfüllt.
Gazprom: Mehr Gas produziert als 2020
Der Konzern führte des Weiteren aus, dass hohe Gaspreise das Tempo beim Befüllen europäischer Speicher gedrosselt hätten. Zudem habe sich Gazprom darauf konzentriert, die russischen Speicher nach einer mengenzehrenden Wintersaison 2020/21 wieder zu füllen.
Am Mittwoch teilte der Konzern per Presseaussendung mit, dass er zwischen Januar und November dieses Jahres 60 Milliarden Kubikmeter Gas produziert habe und damit 15 Prozent mehr als im Vorjahreszeitraum.
Einige Fragezeichen
Zudem habe er seine Gaslieferungen teils deutlich erhöht. Auch Deutschland habe im Zeitraum 17 Prozent mehr Gas erhalten als im Vorjahreszeitraum. 2020 aber ließen ein milder Winter und die Corona-Pandemie die Gasnachfrage auch deutlich zurückgehen. Und: Nach Rekordausspeisungen aus europäischen Gasspeichern an einzelnen Novembertagen befülle Gazprom fünf europäische Gasspeicher weiterhin, erklärte der Konzern.
"Weiterhin"? Das dürfte angesichts sinkender Füllstände in den Gazprom-Speichern bei Gashändlern einige Fragezeichen hinterlassen. (aba)



