Das europäische Gasangebot rutscht in dieser Woche mit rund 9200 Gigawattstunden (GWh) pro Tag auf ein neues Jahrestief. Grund sind die wartungsbedingt reduzierten Gasflüsse aus Norwegen und schwache LNG- Aussendungen.
Die Pipeline-Lieferungen aus Algerien, Aserbaidschan und Russland zeigen sich gegenüber der Vorwoche weitgehend konstant. Daher steigen die Ausspeicherungen mit knapp 300 GWh auf den höchsten Stand seit 10 Wochen, um einen Teil des Defizits auszugleichen.
Wartungen in Norwegen
Die Gasflüsse aus Norwegen fallen bis zum Donnerstag wartungsbedingt auf umgerechnet rund 3000 GWh und könnten in den nächsten Tagen durch weitere umfangreiche Wartungen auf ähnliche Tiefs wie während der letzten Wartungswelle im Juni auf rund 2500 GWh pro Tag fallen. Die wartungsbedingten Ausfälle lagen am Donnerstag bei 80 Millionen Kubikmetern und sollen ab dem Wochenende bis Mitte September auf bis zu 130 Millionen Kubikmeter ansteigen. Kleine Wartungen sollen dann noch bis Mitte Oktober andauern.
Die Wartungspläne sind den Händlern bekannt und sollten weitgehend eingepreist sein. Zu Preisbewegungen führt die Wartungswelle dann, wenn es an anderer Stelle fehlt (LNG) oder es zu ungeplanten Verlängerungen der Wartungsarbeiten kommen sollte.
Steigende LNG-Nachfrage in Asien
Die LNG-Nachfrage in den größten fünf asiatischen Abnehmerländern Japan, China, Südkorea, Taiwan und Indien zeigt sich in diesem Monat deutlich stärker als in den Vormonaten. Im laufenden Monat wurden bereits rund 260 LNG-Lieferungen importiert, in den Vormonaten lag die Anzahl der Lieferungen bei rund 240 LNG-Tankern pro Monat.
Der asiatische LNG-Hunger zieht im August merklich die LNG-Spotlieferungen von Europa ab. Im laufenden Monat wurden bisher nur rund 90 Lieferungen importiert. In den Vormonaten lag die Anzahl zwischen 120 und 140 LNG-Tankern. Ein neues Jahrestief für Monat August kündigt sich an.
Dementsprechend schwach zeigen sich die Aussendungen aus den LNG-Terminals. Zuletzt lagen die Tageswerte zwischen 3000 und 3500 GWh. Im Juli lagen die Tageswerte häufig noch bei rund 4000 GWh.
Rückläufige Einspeicherungen
Das schwache Angebot unter Zuhilfenahme zusätzlicher Ausspeicherungen reduziert natürlich die Einspeicherungen in die Gasspeicher. Zuletzt fielen in Europa die Netto-Einspeicherungen auf Tageswerte von knapp über 2000 GWh, der tiefste Wert seit April und damit in der laufenden Sommersaison.
Vor allem in Deutschland sanken die Einspeicherungen in den letzten Tagen auf Tageswerte knapp über 600 GWh. Im Wesentlichen wurde nur in Rehden, Bernburg, Etzel, Uelsen und im Speicher Katharina eingespeichert. An den sonstigen Standorten waren die Injektionsraten eher marginal. Die deutschen Gasspeicher sind zu knapp 70 Prozent gefüllt, 15 Prozentpunkte unter dem Fünf-Jahres-Durchschnitt. Um das 80-Prozent-Ziel für die meisten Speicher zum 1. November zu erfüllen, müssen die Injektionsraten nun deutlich anziehen, sonst wird es knapp.
Unser Kolumnist Joachim Endress ist Geschäftsführer des Beratungsunternehmens Ganexo. Er analysiert wöchentlich die aktuellen Entwicklungen im Gasmarkt für das ZfK-Morning Briefing.
Der Titel seiner letzten Analyse lautet: Zwischen der EU und Russland: Ungarns Gasmarkt ist im Wandel



