In den ersten drei Monaten dieses Jahres kamen an den europäischen LNG-Terminals insgesamt 64 LNG-Lieferungen aus Russland an, das waren elf Lieferungen (plus 20 Prozent ) mehr als im Vorjahreszeitraum Januar bis März 2025. Im laufenden Monat April 2026 wurden bisher 13 Lieferungen aus Russland importiert, was einem Marktanteil von rund 14 Prozent im laufenden Monat entspricht.

Wie viel von den zuletzt importierten LNG-Mengen bereits ab Ende April unter das Importverbot fallen könnten, ist in den Transparenzquellen nicht ersichtlich. In jedem Fall sollte dies bereits in den Sommermonaten zu einem rückläufigen Angebot aus Russland führen. Zudem fehlen bis auf Weiteres die LNG-Mengen aus Katar.

50 LNG-Lieferungen könnten während des Sommers fehlen

Im Vorjahreszeitraum Mai bis September 2025 hatte Russland insgesamt 62 LNG-Lieferungen nach Europa exportiert. Aus Katar kamen im gleichen Zeitraum insgesamt 36 LNG-Ladungen. Die knapp 100 Ladungen entsprachen zusammen einem Marktanteil von rund 17 Prozent.

Geht man nun mit konservativem Ansatz von einem Wegfall von 50 Prozent, also 50 Lieferungen im Zeitraum Mai bis September 2026 aus, so fällt das europäische Gasangebot in diesem Zeitraum um rund 50 Terawattstunden (TWh) Erdgas niedriger aus. Eine Schiffsladung entspricht mit Daumenregel rund einer TWh regasifiziertem Erdgas.

Ein vollständiger Wegfall der 100 LNG-Ladungen würde, wenn auch unwahrscheinlich, das europäische Gasangebot um rund 100 TWh Erdgas in den nächsten fünf Sommermonaten kürzen. Die geopolitische Lage könnte also die Einspeicherungen in diesem Sommer erschweren. Außerdem ist unklar, wann sich das globale LNG-Angebot wieder erholen wird.

Füllstand zum Winter vielleicht unter 75 Prozent

Im Zeitraum Mai bis September 2025 wurden insgesamt 520 TWh Arbeitsgas in die Gasspeicher eingespeichert. Erreicht wurde dies mit einem LNG-Angebot in diesem Zeitraum von rund 590 LNG-Ladungen (circa 118 LNG-Ladungen pro Monat).

Die europäischen Gasspeicher sind aktuell mit 345 TWh Arbeitsgas um rund 70 TWh weniger befüllt als noch zum gleichen Zeitpunkt im Vorjahr. Rechnen wir nun bis zum Winterbeginn mit den gleichen Einspeicherungen wie im Vorjahr (520 TWh), so ergäbe sich ein Füllstand zum 1. Oktober 2026 in Höhe von rund 75 Prozent.

Dies wäre jedoch nur dann realisierbar, wenn nur wenige der LNG-Mengen aus Russland und Katar gegenüber dem Vorjahr wegfallen oder ein anderer Lieferant (zum Beispiel USA) die Fehlmengen ersetzt.

Marktanteil der USA könnte über 60 Prozent steigen

Geht man, wie in unserem oben genannten konservativen Ansatz, von einem Wegfall von 50 TWh aus, so könnte sich die Einspeicherungsmenge auf 470 TWh reduzieren. Es ergäbe sich ein Füllstand zum 1. Oktober 2026 in Höhe von rund 71 Prozent.

Der aggregierte Füllstand der europäischen Speicher könnte zum 1. Oktober bei nur 68 Prozent liegen

Ein vollständiger Wegfall der Mengen aus Russland und Katar könnte die Einspeicherungsmenge auf 420 TWh reduzieren und der aggregierte Füllstand der europäischen Speicher könnte zum 1. Oktober bei nur 68 Prozent liegen.

Für beide Szenarien ist es wahrscheinlich, dass man versuchen wird, die Fehlmengen aus anderen Lieferquellen zu ersetzen. Wie hoch die verfügbaren Kapazitäten bei den alternativen Lieferanten sind, ist aufgrund der aktuellen geopolitischen Situation fraglich.

Würden die USA in unserem konservativen Ansatz den Wegfall der 50 TWh ersetzen, so müssten die USA ihre Liefermenge von 340 LNG-Lieferungen (Mai-September 2025) auf 390 LNG-Lieferungen erhöhen. Der Marktanteil der USA könnte dann auf deutlich über 60 Prozent ansteigen.

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