Fast zwei Drittel des verbrauchten Wasserstoffs werden nach wie vor aus Erdgas, gefolgt von Kohle ohne Abscheidung und Speicherung des anfallenden CO2 hergestellt. Die Nebenproduktion aus Raffinerieaktivitäten stellt eine weitere wichtige Quelle dar. Die Produktion von blauem Wasserstoff (aus fossilen Brennstoffen mit CCUS) belief sich im Jahr 2022 auf weniger als 1 Mio. Tonnen. Die wichtigsten Player sind hier Kanada und die USA. Zum Vergleich: Grüner Wasserstoff belief sich auf weniger als 0,1 Mio. Tonnen. Das geht aus dem aktuellen H2-Marktradar von Team Consult hervor.
Eine Auswertung der aktuellen Ausgabe der globalen „IEA Hydrogen Production Database“ zeigt demnach, dass sich im Jahr 2023 etwa 1 GW an Elektrolysekapazitäten im Betrieb befindet. Unter Berücksichtigung der Projekte für blauen Wasserstoff steigt diese Zahl laut der Analyse auf 1,6 GW. Die ca. 200 Projekte, die bereits die Genehmigung erhalten haben oder die sich im Bau befinden, könnten bis 2027 zu einer Produktion von etwa 5 Mio. t emissionsarmem Wasserstoff pro Jahr führen, heißt es dort weiter. Emissionsarmer Wasserstoff wird nach Überzeugung von Team Consult also bis auf weiteres nur eine Nebenrolle in der weltweiten Wasserstoffversorgung spielen.
Ist die Zukunft grün?
Die Analyse veranschaulicht auch, wie sich die Wasserstoff-Projekte in Nordwesteuropa entwickeln. In Betrieb befinden sich derzeit 92 Anlagen mit einer Kapazität von über 125 MWel. In der Team Consult-Datenbank finden sich aktuell über 260 Projekte in Nordwesteuropa zur Erzeugung von grünem oder blauem Wasserstoff – mit wachsender Tendenz. Über 90 Prozent dieser Projekte stellen demnach auf die Produktion von grünem Wasserstoff ab. Einige Projekte verfolgen die Produktion von grünem Methan oder die Erforschung der Produktion von Methanol und E-Fuels.
Bis 2030 könnte die Produktion von emissionsarmem Wasserstoff auf der Grundlage der derzeitigen Projektankündigungen 92 Mio. Tonnen pro Jahr erreichen, so die Analyse weiter. Damit könnten etwa 60 Prozent des von der IEA im „Netto-Null-Emissionen“-Szenario bis 2030 prognostizierten Wasserstoffbedarfs von 150 Mio. Tonnen pro Jahr gedeckt werden. Es sei jedoch höchst unwahrscheinlich, dass alle diese Projekte realisiert werden. Andererseits werden bis 2023 sicher auch neue (heute noch nicht bekannte) Projekte initiiert werden, so das Fazit der Autoren des Marktradars. (amo)



