In einem neuen White Paper mit dem Namen GoHydrogen legt Energy Brainpool ein neues energiewirtschaftliches Szenario vor. Die Energiemarktexperten beschreiben darin den Entwicklungspfad für die zukünftige Energieversorgung Europas. Insbesondere das Ziel der Klimaneutralität soll bis 2050 durch den Einsatz von grünem Wasserstoff als einem der Hauptenergieträger in Industrie, Transport und Gebäuden erreicht werden.
Im neuen GoHydrogen-Szenario sind die Preise der einzelnen Energieträger von zentraler Bedeutung, um eine klimaneutrale Wasserstoffwelt im Energiesektor zu erreichen. Entscheidend ist dabei ein kontinuierlich steigender Preis für CO2-Emissionszertifikate. Dieser schafft Anreize für CO2-neutrale Technologien. Neben den Preisen für Energieträger muss auch auf der Nachfrageseite ein Wandel hin zu grünen Energieträgern stattfinden, insbesondere bei energieintensiven Industrien, so Energy Brainpool.
Importe oder heimische Produktion?
Das White Paper gibt Antworten auf die Fragen: Wie erreichen wir eine klimaneutrale Wasserstoffwelt? Wie entwickelt sich die Energienachfrage in den zukünftigen Hauptenergiesektoren Industrie, Transport, Gebäude? Wie wird der neue Strom- und Wasserstoffbedarf im Zuge der Defossilisierung gedeckt? Wie gestaltet sich das Importpotenzial von Wasserstoff aus außereuropäischen Regionen?
Konkret geht das Szenario geht bei der Erreichung der Klimaneutralität von folgenden Umsetzungen aus. Im Industriesektor sprechen die Experten von einer Reduzierung von 870 TWh Erdgas auf 450 TWh grünen Strom und 330 TWh grünen Wasserstoff.
E-Autos statt Verbrenner
Beim Transportsektor geht Energy Brainpool von einer Verdrängung der Marktrelevanz von Verbrennungsmotoren durch die starke Expansion von Elektromotoren aus. Dadurch können 575 TWh Benzin und 1530 TWh Diesel durch 270 TWh grünen Wasserstoff und 500 TWh grünen Strom ersetzt werden. Dies erfolge vor dem Hintergrund einer sinkenden Nutzenergienachfrage und einer erhöhten Energieeffizienz in diesem Sektor, heißt es in der Analyse.
Für den Gebäudesektor nehmen die Autoren der Studie an, dass bis 2050 Elektrowärmepumpen in Neubauten sowie Wärmeanwendungen auf Wasserstoffbasis in Bestandsbauten installiert werden. Dadurch werden 2300 TWh Erdgas und 1240 TWh Heizöl durch 560 TWh grünen Wasserstoff und 720 TWh grünen Strom ersetzt werden. Dies beinhalte auch eine Berücksichtigung der Gebäudesanierung, betonen die Verfasser der Analyse.
Wasserstoff nimmt Schlüsselrolle ein
„Wir haben für das Jahr 2050 einen Gesamtwasserstoffbedarf von rund 2270 TWh errechnet,“, lässt sich Huangluolun Zhou, Analyst bei Energy Brainpool, in einer Pressemitteilung zitieren. „Brennstoffzellen-Lkws, klimaneutraler Stahl aus dem Direktreduktionsverfahren, wasserstoffbasierte Heizsysteme zum Energieeintrag in bestimmte Wärmenetze – das sind energiehungrige Anwendungen, bei denen Wasserstofftechnologien eine Schlüsselrolle spielen werden.“ Für die Herkunft des Wasserstoffs gebe es eine ganze Reihe von Optionen. Ganz ohne Energieimporte werde Europa nicht auskommen, so Zhou: „Mit 1250 TWh produzieren Elektrolyseure in Europa etwas mehr als die Hälfte des grünen Wasserstoffs – für den Rest sind Importe aus der MENA-Region, Subsahara-Afrika, Australien sowie Süd- und Nordamerika wahrscheinlich. Die MENA-Länder befinden sich aufgrund umrüstbarer Erdgaspipelines und der geografischen Nähe zu Europa in einer Poleposition.“ (amo)



