Nach der Wartung von Nord Stream 1 ist am Donnerstagmorgen die Gaslieferung durch die deutsch-russische Gaspipeline wieder angelaufen. Es fließe wieder Gas, sagte ein Sprecher der Nord Stream AG der Deutschen Presse-Agentur. Bis die volle Transportleistung erreicht sei, werde es einige Zeit dauern.
Der Sprecher sagte, dass zuletzt in etwa so viel Gas wie vor der Wartung angekündigt war, also rund 67 Millionen Kubikmeter pro Tag. Das entspreche etwa einer 40-prozentigen Auslastung der maximalen Kapazität. Die angemeldeten Mengen können sich mit einem gewissen Vorlauf aber auch noch im Laufe eines Tages ändern.
"Gazprom erfüllt Verpflichtungen"
Schon in der Nacht zum Mittwoch hatte Russlands Präsident Wladimir Putin Lieferungen auch nach der Wartung angedeutet. "Gazprom erfüllt seine Verpflichtungen, hat sie stets erfüllt und ist gewillt, weiterhin alle seine Verpflichtungen zu erfüllen", zitierte ihn die russische Agentur Interfax.
Wenige Stunden zuvor hatte die Nachrichtenagentur Reuters ein Comeback russischen Gases über Nord Stream 1 gemeldet. Sie hatte sich auf zwei mit den Vorgängen vertraute Personen berufen.
Gaspreise tendenziell fallend
In den Tagen zuvor hatte Russlands Energieriese Gazprom offen gelassen, ob nach den Wartungsarbeiten am 21. Juli überhaupt wieder Gas nach Deutschland fließt. In der Folge kletterten die Gaspreise im Großhandel auf zwischenzeitlich rund 200 Euro pro MWh.
Allerdings fielen die Preise seit vergangenem Donnerstag und pendelten sich am Mittwoch auf ein noch immer enorm hohes Niveau von 150 bis 160 Euro pro MWh ein (TTF, Liefermonat August). Auch Gas für den Winter 2022 wurde für rund 160 Euro gehandelt.
Turbine-Debatte geht weiter
Unklar blieb bis zuletzt, wie viel russisches Gas durch Nord Stream 1 fließen werde. Noch im vergangenen Winter wurden 1,75 TWh täglich durchgepumpt. Von Mitte Juni bis zu Beginn der Wartungsarbeiten hatte Gazprom seine Lieferungen jedoch auf bis zu 40 Prozent oder rund 0,7 TWh täglich zusammengestrichen.
Gazprom hatte dies mit dem Fehlen einer Turbine begründet, die damals in Kanada gewartet wurde. Die Auslieferung nach Deutschland verzögerte sich wegen westlicher Sanktionen. Inzwischen hat die kanadische Regierung allerdings eine Ausnahmegenehmigung erteilt. Wo genau sich die Turbine aktuell befindet, ist aus Sicherheitsgründen nicht öffentlich bekannt.
Putin gegen Habeck
Putin warnte am Dienstagabend schon einmal. Sollte Russland die Turbine nicht zurückerhalten, drohe Ende Juli die Durchlasskapazität nochmals deutlich zu fallen.
Das deutsche Bundeswirtschaftsministerium konterte. Der Einsatz einer Ersatzturbine sei für September bestimmt gewesen, sagte eine Sprecherin. Es werde dennoch alles getan, um der russischen Seite diesen Vorwand zu nehmen.
Nord Stream 2 zurück im Gespräch
Eine rasche Zertifizierung der Pipeline Nord Stream 2, die Putin ebenfalls ins Spiel gebracht hatte, wies die Sprecherin zurück.
Das Ministerium hatte das Projekt im April endgültig begraben. (Die ZfK berichtete.)
Füllstand: 65 Prozent
Am Montag sank der aggregierte Füllstand aller deutschen Speicher minimal um 0,01 Prozent. Zurzeit sind die Speicher im Schnitt zu rund 65 Prozent voll.
Vom Marktumfeld scheinbar unbeeindruckt steigen die Füllstände der früheren Sorgenspeicher Rehden und Wolfersberg weiterhin rasant. Beide Anlagen werden vom Gas-Marktgebietsverantwortlichen THE befüllt und weisen nun laut Branchendienst AGSI+ Füllstände von 34 (Rehden) und 28 Prozent (Wolfersberg) auf.
THE befüllt weitere Speicher
Wie das Bundeswirtschaftsministerium am Mittwoch mitteilte, soll THE nun noch weitere Speicher befüllen: nämlich den Astora-Speicher in Jemgum (47 Prozent Füllstand) und den EWE-Speicher Nüttermoor H-3 (26 Prozent).
Außerdem soll der Marktgebietsverantwortliche die Einspeicherung im Katharina-Speicher in Sachsen-Anhalt übernehmen, der von einem Gemeinschaftsunternehmen aus Gazprom Export und VNG betrieben wird und zuletzt einen Füllstand von 19 Prozent aufwies. Nicht genannt wurde der zweitgrößte deutsche Uniper-Speicher im niedersächsichen Etzel. Der Füllstand dort zuletzt: 22,5 Prozent. Tendenz sinkend. (aba/dpa)
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