
Der in einem Insolvenzfahren befindliche Biomethanhändler BMP Greengas hat seine Kunden mit einseitigen Änderungen der langfristigen Lieferverträge konfrontiert. Diese sehen vor allem massive Mengenkürzungen und deutliche Preiserhöhungen vor. Haben die betroffenen Unternehmen aktuell überhaupt die Möglichkeit die wegfallenden Mengen an Biomethan anderweitig im Markt zu kompensieren? Darüber gehen die Meinungen in der Branche seit Wochen auseinander.
„Unklar ist, wie hoch das Versorgungsdelta aus den Liefervertragsverpflichtungen für die BMP Greengas wirklich ist und wie hierbei mit einer Steigerung der Biomethanerzeugung kalkuliert wurde“, sagt Toni Reinholz, Teamleiter erneuerbare Energien bei der Dena. Rein rechnerisch sei im Markt aber immer noch ein Überhang von Biomethan, welcher zur Deckung des Deltas verwendet werden könnte.
„Hier ist es aber von Bedeutung, inwiefern diese vertraglich gebunden und zu welchen Mengen diese Preise zu haben sind“, so Reinholz weiter. Zu aktuellen Handelspreisen ist kaum eine Lieferung nach EEG für BHKW wirtschaftlich sinnvoll. Der weit überwiegende Teil des bestehenden Biomethanangebots ist bereits vertraglich gebunden.
Rund 100 Netzanschlussbegehren
Das Einspeisevolumen von Biomethan sei über die letzten Jahre relativ konstant geblieben. Die gestiegene Nachfrage nach Biomethan sowie die Preissteigerung der letzten beiden Jahre hätten die Aktivitäten im Anlagenbau signifikant angereizt. So spreche man derzeit von circa 100 Netzanschlussbegehren. „Allerdings bedarf die Umsetzung der Projekte eine gewisse Zeit, wodurch das Angebot durch Neubau nicht kurzfristig in einem signifikanten Umfang gesteigert werden kann“, sagt Reinholz.
Bestandsanlagen könnten sehr wohl bis zu 20 Prozent mehr Biomethan produzieren. Allerdings sind diese aufgrund der Vorgaben zum Technologie- und Gasaufbereitungsbonus gemäß EEG in ihrer Produktionsleistung gedeckelt, da sonst eine geringere Vergütung bei der Verstromung des Biomethans drohen würde und dies wirtschaftlich keinen Sinn ergeben würde.
Steigende Nachfrage aus Kraftstoffbereich
Mit der aufkommenden Gaskrise in 2021 und 2022 sei Biomethan zeitweise günstiger als Erdgas zu haben gewesen, was eine starke Nachfrage zur Folge gehabt habe. „Zusätzlich kam die steigende Nachfrage nach Biomethan aus Einsatzstoffen des Anhang 9 Teil A RED II als fortschrittlicher Kraftstoff mit Doppelanrechnung hinzu, welche mit einer sehr hohen Zahlungsbereitschaft verbunden war“, erklärt Reinholz. Ein signifikanter Teil dieser Nachfrage sei durch Mengen gedeckt worden, welche zuvor im Wärmemarkt oder nach EEG eingesetzt wurden.
Weitere Produktionssteigerungen im Inland und moderater Zubau werden erwartet
„Aktuell beobachten wir eine hohe Nachfrage nach Biomethan, das ist nach den letzten Jahren, in denen die Biomethanerzeuger große Schwierigkeiten hatten, Biomethan wirtschaftlich zu vermarkten, eine erfreuliche Entwicklung und ebnet den Weg für Investitionen in neue Biomethanaufbereitungs- und -einspeiseanlagen“, schreibt Janet Hochi, Geschäftsführerin des Biogasrates auf ZfK-Anfrage.
Im Jahr 2022 hätten 243 Biomethananlagen in Deutschland rund 10.358 GWh(Hs) erzeugt. „Für 2023 erwarten wir nach Rückmeldungen aus der Branche eine Erhöhung der Biomethanmengen aufgrund der Inbetriebnahme neuer Anlagen“. Die Dena schätze die Steigerung der inländischen Produktion für 2023 auf rund 60 GWh. Für die Folgejahre erwarte man weitere inländische Produktionssteigerungen durch den moderaten Zubau neuer Anlagen, bedingt auch durch die Umsetzung des REPowerEU-Plans für Biomethan in Deutschland bis 2030.
Auch im Wärmesektor ist die Nutzung leicht gestiegen
Die hohe Nachfrage nach Biomethan sei zum einen begründet durch die Weiterentwicklung der gesetzlichen THG-Minderungsquote im Kraftstoffsektor, führt Hochi weiter aus. Hier sei nachhaltig zertifiziertes fortschrittliches Biomethan eine „interessante Erfüllungsoption für die Inverkehrbringer von Kraftstoffen in Deutschland“.
Zum anderen sei die Nachfrage nach grünem Biomethan als Erdgassubstitut infolge des russischen Angriffskrieges auf die Ukraine gestiegen. Bei der Nutzung von Biomethan im Wärmesektor sehe man ebenfalls einen leichten Anstieg von 837h in 2021 auf 929 GWh in 2022.
"Potenziale für nachhaltig erzeugtes Biogas bei weitem nicht ausgeschöpft"
Grundsätzlich beurteilt der Biogasrat die Perspektiven für neue oder im Bau befindliche BHKW positiv. „Die Potenziale für nachhaltig erzeugtes Biomethan sind in Deutschland bei Weitem nicht ausgeschöpft, es fehlt Teilen der aktuellen Bundesregierung jedoch am politischen Willen, diese Biomethanpotenziale zu heben, wir sehen insbesondere bei der Ausgestaltung des EEG, des Gebäudeenergiegesetzes, des Wärmeplanungsgesetzes und der Fördergesetze (BEG, BEW) einen hohen politischen Handlungsbedarf, den wir weiter nachdrücklich an die politischen Entscheidungsträger adressieren werden“, stellt Hochi klar.
Biogasrat pocht auf bessere Rahmenbedingungen, auch in EEG-Novelle
Grundsätzlich gehe es darum, alle möglichen Nutzungspfade - also im Strom- und Wärmesektor ebenso wie im Kraftstoffsektor – für Biomethan gleichwertig wachstumsorientiert und dabei nachhaltig weiterzuentwickeln. „Mit der EEG-Novelle wurden die Rahmenbedingungen für Biomethan massiv verschlechtert, gleichzeitig wird Biomethan im Gebäudeenergiegesetz bei der Festlegung der Primärenergiefaktoren nach wie vor benachteiligt und im Entwurf des Wärmeplanungsgesetzes massiv diskriminiert, von daher unterstützen wir eine Anpassung dieser Rahmenbedingungen für die stärkere Nutzung von Biomethan ganz ausdrücklich, diese darf jedoch ganz ausdrücklich nicht zu Lasten der Nutzung von Biomethan im Kraftstoffsektor gehen“, so Hochi. (hoe)



