Das Bild zeigt Russlands Präsidenten Wladimir Putin während der Militärparade zum "Tag des Sieges" auf dem Roten Platz in Moskau.

Das Bild zeigt Russlands Präsidenten Wladimir Putin während der Militärparade zum "Tag des Sieges" auf dem Roten Platz in Moskau.

Bild: © Mikhail Metzel/Pool Sputnik Kremlin/AP/dpa

Während die Gasflüsse aus Russland nach Ost- und Mitteleuropa in den vergangenen Wochen merklich zurückgingen, legten die russischen LNG-Exporte nach Spanien deutlich zu.

Im Vergleich zum Vorjahreszeitraum gingen die Gasmengen aus Russland im Juni um ein Drittel nach oben. Im Mai waren es sogar mehr als 50 Prozent, wie Daten des spanischen Fernleitungsnetzbetreibers Enagas zeigen. Dabei waren die absoluten Liefermengen im Juni deutlich höher als im Vormonat (8,7 TWh vs. 3,3 TWh).

Russland zweitgrößter Gaslieferant

Mit einem Anteil von 24,4 Prozent schwang sich Russland im Juni sogar zum zweitgrößten Gaslieferanten Spaniens auf. Ganz vorne lag die LNG-Großmacht USA (29,6 Prozent). Die Importe aus Algerien, dem traditionell bedeutendsten Gaslieferanten Spaniens, brachen dagegen um die Hälfte ein. Im Juni war der nordafrikanische Staat nur noch drittwichtigstes Herkunftsland.

Die diplomatischen Beziehungen zwischen Spanien und Algerien befinden sich seit Wochen auf einem Tiefpunkt. Hauptgrund ist das Einlenken Spaniens gegenüber Algeriens Rivalen Marokko im Streit um die Westsahara.

Diplomatischer Bruch mit Algerien

Die spanische Regierung hatte im März eingeräumt, dass das von Marokko annektierte Territorium eine autonome Provinz unter marokkanischer Souveränität sein könne. Dies kritisierte Algerien scharf.

In der Folge setzte es sein Freundschaftsabkommen mit Spanien aus und wies den nationalen Bankenverband an, Handelsgeschäfte mit dem südeuropäischen Land zu unterlassen. (Die ZfK berichtete.) Die Gaslieferungen seien davon nicht betroffen, hieß es es damals jedoch aus Algier.

Pipelinegas und sechs LNG-Terminals

Spanien bezieht sein Gas vor allem über Pipelines aus Algerien sowie über sechs LNG-Terminals. Insgesamt deckte sich Spanien laut Enagas im vergangenen Jahr mit 416 TWh Gas ein. Neun Prozent kamen aus Russland.

Deutschland verbrauchte im selben Jahr nach BDEW-Angaben 1016 TWh Gas. Der Anteil russischen Gases betrug nach Angaben des Bundeswirtschaftsministeriums 55 Prozent.

Gasversorgungslage in Deutschland stabil

Im Vergleich zu Mittel- und Osteuropa ist Spanien für Russland aber weiterhin ein kleiner Markt. Vor Beginn der Wartungsarbeiten an Nord Stream 1 flossen über die Ostsee und die Ukraine täglich im Schnitt 1,1 TWh russiches Pipelinegas nach Europa. Vor Kriegsbeginn waren es in der Regel deutlich mehr als 2 TWh.

Am Dienstag schätzte die Bundesnetzagentur die Gasversorgungslage in Deutschland weiterhin als angespannt, aber stabil ein. Der Speicherfüllstand betrug am Sonntag 64,4 Prozent, wobei 0,41 Prozentpunkte dazukamen – so viel wie seit einer Woche nicht mehr. Jüngere Daten lagen nicht vor. (aba)

Zur Info: In der ZfK erscheint jede Woche eine Gaskolumne des Marktexperten Joachim Endress. Seinen neuesten Artikel zum Thema "Gaspreise klettern immer weiter: Welche Kostenlawine Endverbrauchern droht" lesen Sie hier. Täglich aktualisierte Energiemarktdaten und -grafiken finden Sie hier im ZfK-Datenraum, der in Kooperation mit dem Berliner Datenspezialisten Energy Brainpool befüllt wird.

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