bmp greengas und Landwärme – das sind zwei der großen Anbieter von Biomethan in Deutschland. Die EnBW-Tochter bmp greengas hat vor einigen Monaten ein Schutzschirmverfahren eingeleitet. Weil es die Lieferverpflichtungen aus seinen lang laufenden Verträgen nicht erfüllen kann, hat es den Stadtwerken einseitige Vertragsänderungen angeboten. Dazu gehören deutliche Mengenkürzungen und höhere Preise. Seitdem ist die Branche in heller Aufruhr und befürchtet einen massiven Umbruch im Markt.
Im ZfK-Interview nimmt Zoltan Elek, Chef des Biogaspioniers Landwärme aus München, zu den jüngsten Entwicklungen Stellung. Dabei nimmt er auch die Politik in die Pflicht.
Herr Elek, das Schutzschirmverfahren gegen bmp greengas hat eine Vertrauenskrise im Biomethanmarkt ausgelöst. Wie groß ist diese und wie bewerten Sie die aktuelle Situation?
Elek: Wichtig ist mir klarzustellen, dass wir nach wie vor alle unseren Kunden wie geplant beliefern können und das auch in Zukunft tun werden. Im Prinzip sehen wir keine grundsätzlichen Veränderungen im Markt in Bezug auf Angebot und Nachfrage im Vergleich zu den Vorjahren.
Wir sehen keine Vertrauenskrise des Biomethanmarktes, sondern eine Vertrauenskrise gegenüber dem EnBW Konzern, der nun nicht für die Zusagen seiner Beteiligung einsteht. Dabei hat bmp noch im Lagebricht 2021 aktiv mit der Finanzstärke des EnBW-Konzerns geworben.
Der deutsche Markt für Biomethan soll praktisch leergekauft sein für 2023/2024, erst danach sollen wieder größere Mengen verfügbar sein. Welche Optionen hat ein Stadtwerk jetzt noch, dem für das laufende Jahr noch Mengen fehlen für den BHKW-Betrieb?
Klar ist, dass der Markt nicht über Nacht die gesamte bmp greengas Kundschaft auf einmal aufnehmen kann. Es wird eine Übergangsphase geben. Mittelfristig werden die bereits im Bau befindlichen neue Anlagen den gesamten Bedarf decken.
Dass weitere große Akteure im Markt wegbrechen, halte ich für unwahrscheinlich.
Steht die Branche vor einem Marktumbruch und erwarten Sie weitere Fälle wie bmp greengas, wo dann Lieferanten Ihre Lieferverpflichtungen nicht erfüllen können?
Der Markt wächst nach wie vor. Den Stadtwerken kann ich sagen, dass wer wie wir sorgfältig geplant hat, auch weiterhin wird liefern können. Dass weitere große Akteure im Markt wegbrechen, halte ich für unwahrscheinlich.
Wie sieht es bei Landwärme aus? Können Sie aktuell all Ihren Lieferverpflichtungen für die nächsten Jahre nachkommen?
Die Landwärme-Gruppe ist finanziell mit einem Eigenkapital von über 60 Millionen Euro sehr gut aufgestellt. Wir können allen Lieferverpflichtungen nachkommen und haben es zudem geschafft, auf Einkaufsseite die Kostensteigerung bei der Erzeugung zu kompensieren. Da war auch möglich, weil Abnehmer bereit waren, eine leichte Kostensteigerung mitzugehen.
Was unterscheidet ihr Geschäftsmodell von dem von bmp greengas? Haben Sie andere Laufzeiten und ggfs. ein anderes Beschaffungsmodell?
Wir hatten schon immer den Anspruch eines sehr ausgeglichenen Portfolios und haben frühzeitig einen deutlich höheren Bestand an Biomethanmengen aufgebaut als der Wettbewerb. Durch diese Absicherung war es gut möglich, auf Marktsituation reagieren zu können.
Wir sind zudem deutlich früher und stärker in ertragreichere Geschäftsfelder wie beispielsweise den Kraftstoffmarkt oder auch den Export von Biomethan eingestiegen.
Wir müssen den Import öffnen, um für mehr Angebot zu sorgen.
Wie kann die Landwärme GmbH der bmp greengas helfen?
Grundsätzlich sind wir bereit und auch in der Lage, einen Großteil des Portfolios der bmp greengas zu übernehmen, um die maximale Menge an Kundschaft schadlos zu halten.
Was kann die Politik jetzt tun?
Wir brauchen jetzt die höheren Vergütungssätze im EEG und müssen den Markt für den Import öffnen, um für mehr Angebot zu sorgen. Im europäischen Markt sind sofort hunderte GWh Biomethan verfügbar, die im EEG-Bereich eingesetzt werden können.
(Die Fragen stellte Hans-Peter Hoeren)



