Auch die VNG-Gasspeicher in Sachsen-Anhalt (hier Bad Lauchstädt) sind zum aktuellen Zeitpunkt voller als in vorangegangenen Jahren.

Auch die VNG-Gasspeicher in Sachsen-Anhalt (hier Bad Lauchstädt) sind zum aktuellen Zeitpunkt voller als in vorangegangenen Jahren.

Bild: © Jan Woitas/dpa

Wohl dem, der zurzeit Gas in Speichern zwischenlagern kann. Dem winken üppige Gewinne. Denn obwohl zuletzt die Gaspreise auf den Kurzfristmärkten wieder anzogen, verringerte sich die Kluft zwischen Winter- und Sommerpreisen nicht. Heißt: Wer jetzt Gas kauft, um es einzulagern, muss etwa 50 Euro pro MWh zahlen.

Bietet er das eingekaufte Gas für den kommenden Winter an, kann er mehr als 60 Euro pro MWh erlösen. Macht eine Marge von mehr als zehn Euro pro MWh. Davon konnten Speicherkunden früher in der Regel nur träumen.

THE verzichtet auf SSBO-Ausschreibungen

Der deutsche Marktgebietsverantwortliche Trading Hub Europe (THE) hat daraus nun seine Konsequenzen gezogen. Mit Blick auf überdurchschnittlich gut befüllte Speicherfüllstände in Deutschland sowie auf die bestehenden marktlichen Anreize plant er "derzeit" kein neues staatliches Befüllungsprogramm, wie er diese Woche mitteilte. Heißt: Ausschreibungen staatlich geförderter Speicherprodukte, im Fachjargon SSBO genannt, wird es vorerst nicht geben.

Anders als im vergangenen Jahr will THE auch selbst vorerst keine Speicher mehr befüllen. Im Gegenteil: Vielmehr hat das von der Bundesregierung beauftragte Unternehmen entschieden,  etwa drei Viertel der 2022 beschafften und zwischengelagerten Mengen in den Speichern zu belassen. Demnach verbleiben insgesamt 37 TWh in den Anlagen Rehden (Niedersachsen), Katharina (Sachsen-Anhalt) und Wolfersberg (Bayern).

Aufwärtstrend gestoppt

Tatsächlich bleibt die Lage auf dem deutschen Gasspeichermarkt weiterhin entspannt. Nach Angaben der Transparenzplattform AGSI waren die deutschen Speicher im Durchschnitt am Montagmorgen zu 64 Prozent gefüllt, wobei vier Tage in Serie knapp mehr ein- als ausgespeichert wurde. Zum Vergleich: Vor exakt einem Jahr waren die deutschen Speicher gerade noch zu 27 Prozent voll.

Auch die Preise haben sich im Vergleich zum Vorjahr deutlich stabilisiert. Seit Mitte Februar bewegt sich der Kurs für den Liefermonat Mai auf dem Handelsplatz TTF zwischen 40 und 55 Euro pro MWh. Der seit Ende März beobachtete Aufwärtstrend wurde am Dienstag vorerst gestoppt. Als Gründe wurden mildere Wetteraussichten sowie das Ende von Streiks an französischen LNG-Importterminals genannt.

60-Euro-Schwelle

Am Dienstagmittag notierte der Frontmonat bei 49 Euro pro MWh. Zum Vergleich: Das TTF-Winterprodukt Winter23 hielt sich knapp über die 60-Euro-Schwelle, die am Montag zum ersten Mal seit Mitte Februar wieder überschritten worden war. (aba)

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