Der Gasverteilnetzbetreiber testet sein erstes Wasserstoff-BHKW aus.

Der Gasverteilnetzbetreiber testet sein erstes Wasserstoff-BHKW aus.

Bild: © malp/AdobeStock.com

Von Ariane Mohl

Für viele Energieversorger galt Wasserstoff lange als Hoffnungsträger der Dekarbonisierung. Doch laut einer neuen Analyse von ING Research ist die anfängliche Begeisterung vorbei, die Branche befinde sich in einem Tal der Enttäuschung.

Während die USA vor allem auf blauen Wasserstoff aus Erdgas mit CO₂-Abscheidung setzen, hält Europa an grünem Wasserstoff fest, dessen Herstellung deutlich teurer sei. Die erste Auktion der Europäischen Wasserstoffbank habe gezeigt, dass die Produktionskosten für grünen Wasserstoff in Süd- und Nordeuropa mit einem Preis von 5,80 Euro bis 8,80 Euro pro Kilogramm am niedrigsten sei. In Deutschland und Frankreich müsse man mit Produktionskosten von 12 bis 13 Euro pro Kilogramm rechnen.

Ziele in weiter Ferne

Auch deshalb bleibe der Hochlauf trotz aller Anstrengungen und staatlicher Starthilfe hinter den Erwartungen zurück. Bis 2030 sollen laut dem Programm REPowerEU neun Millionen Tonnen grüner Wasserstoff produziert werden – realistisch seien laut ING jedoch nur 2,8 Millionen.

Die Verfasser der Analyse arbeiteten mehrere Hindernisse heraus, die einem erfolgreichen Hochlauf im Weg stehen. So seien fast alle Wasserstoffprojekte auf Fördermittel angewiesen, langfristige Preisgarantien gebe es in der Regel keine. Stadtwerke müssten zudem mit steigendenMaterial- und Arbeitskosten für die Elektrolyse rechnen. Auch die Integration der Elektrolyseure in das Energiesystem sei oftmals kostspieliger als erwartet. Eine Änderung ist laut der Analyse nicht in Sicht – im Gegenteil: Nach einer Prognose von Bloomberg New Energy Finance werden die eh schon nicht gerade günstigen Produktionskosten von grünem Wasserstoff in der nahen Zukunft um 35 Prozent steigen.

Den Verantwortlichen hinter den verschiedenen Wasserstoffprojekten sei es bisher nur gelungen, etwa 10 bis 15 Prozent der geplanten Produktion durch verbindliche Abnahmeverträge zu sichern, schreiben die Verfasser der Studie. Potenzielle Kunden würden zögern – zu groß sei die Angst, sich für 10 bis 15 Jahre an die derzeit hohen Preise für Wasserstoff zu binden. Viele würden abwarten – in der Hoffnung, in der Zukunft von niedrigeren Preisen zu profitieren.

Billigimporte aus China als Gefahr

Die Chinesen seien zwar in der Lage, vergleichsweise günstige Elektrolyseure zu liefern. Nach Überzeugung der Studienautoren sind diese Billigimporte allerdings mit Vorsicht zu genießen, da diese den Aufbau einer eigenständigen europäischen Industrie deutlich erschweren.

Veränderungen gibt es laut ING Research auch auf der Abnahmeseite. Lange Zeit galt insbesondere die Stahlbranche als Abnehmer von grünem Wasserstoff. Nun ist laut der Studie der Verkehrssektor auf dem Vormarsch.

Positiv bewerten die Studienautoren Versuche der Ampelregierung, den Wasserstoff-Hochlauf mithilfe von Carbon Contracts for Difference (CCfD) anzukurbeln. Ein solcher Ansatz bringe das Thema in doppelter Hinsicht voran: CCfDs ermöglichen demnach sowohl den Bau neuer Anlagen als auch die Finanzierung der nicht unerheblichen Betriebskosten, indem sie den großen Unterschied zwischen konventionellen und kohlenstoffarmen Produktionskosten über einen langen Zeitraum abdecken.

Rückenwind für den Wasserstoff-Hochlauf gehe zudem vom im Februar 2025 vorgestellten "Clean Industrial Deal" aus – ein industriepolitisches Paket der EU zur Dekarbonisierung energieintensiver Branchen.

Insgesamt macht die ING-Studie deutlich: Der Hochlauf der Wasserstoffwirtschaft wird langsamer und teurer als erhofft – aber er findet statt.

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