Der Einsatz von Biomethan im Blockheizkraftwerk (BHKW) zur Verstromung war seit den Vergütungssätzen des EEG 2014 nur noch für das Bestandgeschäft lukrativ. Darunter hätte nicht nur die Branche gelitten, sondern auch für Wärmeversorger sei eine attraktive Möglichkeit verlorengegangen, Endkunden "grüne Wärme" zu marktfähigen Preisen anzubieten, wie der Energiedienstleister Green Navigation erläutert.
Jetzt soll das Gebäude-Energie-Gesetz dafür sorgen, dass Biomethan im BHKW wieder Verwendung findet. Aber nicht für eine Verstromung nach dem EEG, sondern beigemischt zum Erdgas, heißt es. Denn mit einer solchen Beimischung könne die anteilige Nutzung von erneuerbaren Energien bei der Wärmeerzeugung erreicht werden.
Effizienzhaus 40
Zum anderen darf mit Biomethan bei der Ermittlung des Jahres-Primärenergiebedarfs ein reduzierter Primärenergiefaktor für den nicht erneuerbaren Anteil verwendet werden. In beiden Fällen wird das Biomethan in einem Brennwertkessel oder in hocheffizienter Kraft-Wärme-Kopplung eingesetzt.
Sowohl bei Neubauten als auch bei Sanierungen lässt sich die Stufe Effizienzhaus 40 mit einer Erneuerbaren-Energien-Klasse erreichen. Dafür müssen mindestens 55 Prozent des Energiebedarfs des Gebäudes mit erneuerbaren Energien gedeckt werden. Biomethan erreiche dies mittels Kraftwärmekopplung oder Brennstoffzellentechnik. Bei Neubauten beträgt die Förderung bis zu 33.750 Euro und bei Sanierungen sogar bis zu 75.000 Euro, heißt es weiter.
LNG im Schwerlastverkehr
Durch die Erlöse aus der THG-Quote und die Befreiung von der CO2-Abgabe wird Biomethan inzwischen preisgleich zu Erdgas an den Tankstellen angeboten. Je höher die THG-Minderung, desto lukrativer das Geschäft. Die Berechnung der THG-Minderung ist im Kraftstoffbereich schon länger vorgeschrieben und wird aufgrund der neuen Nachhaltigkeitsverordnungen zukünftig bei der Verstromung von Biomethan in Anlagen ab 2 MW Gesamtfeuerungswärmeleistung angewendet.
Viele Biomethanproduzenten prüfen die Möglichkeit, den THG-Wert zu optimieren und ersetzen nachwachsende Rohstoffe durch Gülle und biogene Reststoffe. Die Nachfrage nach dem THG-Minderungspotenzial von Biomethan wird weiter wachsen. Neben dem Einsatz als CNG rückt Biomethan als LNG in den Fokus. Besonders im Schwerlastverkehr soll LNG aufgrund der hohen Reichweite Vorteile gegenüber anderen alternativen Kraftstoffen bieten.
Günstige ausländische Zertifikate
Durch die steigenden CO2-Preise und die erhöhte Nachfrage nach entsprechender Kompensation wird Biomethan auch bei der "Grünstellung" von Erdgas eingesetzt. Hier kommt aus Kostengründen eher die Verwendung von Importgas in Frage. Länder wie England, Dänemark oder Frankreich fördern die Produktion von Biomethan, so dass Zertifikate aus diesen Ländern günstiger angeboten werden können als aus deutscher Produktion.
"Wichtig für die Anerkennung von importiertem Biomethan im nationalen und im europäischen Emissionshandel ist die Einhaltung der Anforderungen der jeweiligen Leitfäden der deutschen Emissionshandelsstelle", erläutert Vera Schürmann, Geschäftsführerin, Green Navigation.
Wirtschaftlichkeit im Einzelfall
Diese Anforderungen sollen durch die Verwendung eines verlässlichen Massenbilanzsystems erfüllt werden, wie etwa das BiMaS-System oder das Biogasregister der Dena. Im nationalen Emissionshandel gilt diese Regelung zunächst bis 2023 und im europäischen Emissionshandel bis 2030.
"Die Wirtschaftlichkeit muss natürlich für diese neuen Verwendungsmöglichkeiten im Einzelfall bewertet werden. Auch die Nachweisführung wird sich nach den neuen Vorgaben ausrichten müssen", relativiert Schürmann. Durch sein CO2-Minderungspotenzial soll Biomethan als gasförmiger Energieträger auf dem Weg zur Klimaneutralität jedoch einen neuen und zukunftsfähigen Stellenwert erhalten. (jk)



