Von Julian Korb
Für die Versorgung mit Wasserstoff braucht es Pipelines oder, zumindest, umgewidmete Gasnetze – das war lange allgemeines Verständnis in der Energiewirtschaft. Dabei arbeitet das Unternehmen Ambartec bereits seit rund fünf Jahren an einer alternativen Technologie: Eisen als Wasserstoffspeicher. Bis zum Jahr 2028 will das junge Dresdner Unternehmen schrittweise eine Serienfertigung aufbauen, sagt CEO Matthias Rudloff.
Rudloff nennt die Technologie eine "Alternative für all jene, die erst in weiter Zukunft oder nie ans Wasserstoffnetz angeschlossen werden" und hat vor allem Energieversorger und Industrieunternehmen als Kunden im Blick. Aber auch als Ergänzung zu einer Wasserstoffpipeline würde sich die Lösung eignen. Etwa, um an großen Gasturbinenkraftwerken bestimmte Stunden mit hohem Wasserstoffverbrauch zu überbrücken.

Wiederverwendbare Rohstoffe
Das Prinzip: Eisenoxid wird mithilfe von Wasserstoff zu Eisen reduziert. Die Eisen-Nuggets werden dann in 20-Fuß-Standard-Containern zu den Kunden transportiert. Rund 12 bis 15 Tonnen Eisen sind das pro Einheit. Darin sind rechnerisch 600 bis 900 Kilogramm Wasserstoff gespeichert. Vor Ort wird den Nuggets wieder Wasserdampf zugeführt und aus dem Eisen entstehen wieder Eisenoxid und Wasserstoff.
Der Vorgang lässt sich nach Angaben des Unternehmens mit denselben Eisen-Nuggets mehrere tausend Mal wiederholen. Im Vergleich zum Transport von Wasserstoff über Derivate wie Ammoniak sei die Ambartec-Technologie deutlich sicherer, betont Geschäftsführer Rudloff. Weder handele es sich bei den Eisen-Nuggets um Gefahrgut, noch brauche es ein spezielles Druckniveau.
Auch seien die Kosten geringer als beim Transport von Wasserstoff über Leitungen oder bei der Verschiffung über Ammoniak. Langfristig kann sich der Unternehmenslenker den Transport auch außerhalb von Containern über Schüttgut vorstellen, um noch größere Mengen gleichzeitig zu bewegen.
Studie zeigt Kosten auf
Die Kostenvorteile gegenüber alternativen Technologien belegt auch eine im Oktober 2024 veröffentlichte Studie der Stiftung Klimaneutralität. Demnach betragen die Stromerzeugungskosten bei der Nutzung von Eisen als Speicher 402 Euro pro Megawattstunde. Dem stehen Kosten von 425 Euro beim Transport über Pipelines und 581 Euro pro Megawattstunde bei der Verschiffung von Ammoniak gegenüber.
"Die Kostenunterschiede können wir aus der Praxis in etwa bestätigen", meint Rudloff von Ambartec. Für seine Technologie geht er derzeit von Kosten zwischen vier bis acht Euro pro Kilogramm Wasserstoff aus. Aktuell sieht er sich in der Lage, Kunden in Deutschland H2 zu einem Preis zwischen 4 und 8 Euro pro Kilogramm zur Verfügung zu stellen – natürlich transportiert mit der eigenen Technologie.
Klarer Zeitplan für Fertigung
Für eine eigene Serienfertigung hat das Dresdner Unternehmen derweil einen klaren Zeitplan. Die ersten Container sollen bereits im kommenden Jahr ausgeliefert werden, 2027 dann mehrere Hundert und ab 2028 rund tausend Stück pro Jahr. Erste Gespräche mit Industrieunternehmen und Energieversorgern gebe es bereits, bestätigt Rudloff. Gerade für Gasmotoren und in der Kraft-Wärme-Kopplung soll sich der Wasserstoffspeicher gut eignen.
Ein Container lässt sich demnach in 30 bis 60 Minuten entladen und liefert einen Energiegehalt zwischen 20 bis 30 Megawattstunden. Kombiniert man die Ambartec-Technologie mit einer Hochtemperaturelektrolyse (SOEC) und einer Hochtemperaturbrennstoffzelle (SOFC) lässt sich der Wirkungsgrad bei der Umwandlung von Strom in Wasserstoff und wieder zurück zu Strom von heute 35 auf über 65 Prozent steigern. Deshalb sei die Technologie auch für Erneuerbaren-Projektierer interessant, sagt Unternehmer Rudloff. Ziel sei es, mit der Lösung zum einen lokale Wirtschaftsstandorte zu versorgen und zum anderen weiteren Wasserstoff vor Ort zu erzeugen.
Bei der diesjährigen Hannover-Messe Anfang April will Ambartec seine Technologie vorstellen und bereits erste Chargen verkaufen. Derzeit optimiert und testet das Dresdner Unternehmen einen Prototypen seines 800-Kilogramm-Speichers im sächsischen Freiberg, der bis 2026 stehen soll. Für die Vorbereitung der Serienfertigung arbeitet Ambartec unter anderem mit der TU Bergakademie in Freiberg zusammen. Außerdem hat man sich mit Purem, der Tochter des Automobilzulieferers Eberspächer, einen Partner für die Herstellung der Transportcontainer gesichert.
Hinweis: Die vollständige Geschichte ist in der März-Ausgabe der ZfK erschienen. Hier geht es zum E-Paper.
Mehr zum Thema aus dem ZfK-Archiv:
Wasserstoff aus Eisen: Neues Verfahren könnte viele Netze überflüssig machen



