Von Daniel Zugehör
Grüner Wasserstoff ist noch immer teuer und wird kaum genutzt. Zugleich ist klar: Schon bald steigt der Bedarf – und zwar deutlich. Dazu kommt, dass sich diese Situation weiter zuspitzen könnte, sollte der politische Kurs beibehalten werden. Davor warnt jetzt erneut unter anderem der BDEW anlässlich des erwarteten Monitoringberichts zur Energiewende.
Derzeit werden dem Verband zufolge jährlich rund 42 Terawattstunden (TWh) grauer Wasserstoff verbraucht, "die perspektivisch dekarbonisiert werden müssen". Wasserstoff (H2) – vor allem grüner – spielt eine Schlüsselrolle in der Energiewende. Und zwar in unterschiedlichen Sektoren, wie zum Beispiel Industrie und Verkehr.
Darin sind sich die Akteure weitgehend einig. Auch darin, dass der Bedarf in den kommenden Jahren "um ein Vielfaches" steigen werde, wie Kerstin Andreae, Vorsitzende der BDEW-Hauptgeschäftsführung, betont. Andreae fordert daher: "Es muss ermöglicht werden, große Mengen an Wasserstoff und seinen Derivaten zu möglichst wettbewerbsfähigen Preisen zu erzeugen, zu speichern und zu beschaffen."
7,50 Euro pro Kilogramm
Bisher kommt grüner, also mithilfe erneuerbarer Energien erzeugter H2 hierzulande selten zum Einsatz. Je nach Quelle wird sein Anteil am Gesamtverbrauch auf unter zehn Prozent geschätzt, während der überwiegende Teil auf fossilen Quellen basiert. Die Unternehmensberatung KPMG Deutschland etwa berechnete im Jahr 2024 einen Anteil von rund sechs Prozent.
Die Erzeugungskosten für grünen Wasserstoff in Deutschland wiederum beziffert das Öko-Institut in einer Studie auf "über 7,50 Euro/Kilogramm" (Stand Juni 2025). Dagegen koste mit Erdgas erzeugter H2 nur 3,50 bis 4,50 Euro/Kilogramm (Euro/kg). Auch das brachte grünem H2 den Namen "Champagner der Energiewende" ein.
"Mittel- bis langfristig wird sauberer Wasserstoff seiner Rolle im Transformationsprozess zur Klimaneutralität nur dann gerecht, wenn Kostenniveaus von 3 Euro/kg (oder darunter) erzielt werden können und damit eine wirtschaftliche Nutzung möglich ist", schreibt das Institut. Es geht davon aus, dass die Preise fallen: So seien "mittelfristige Produktionskosten von 4,50 bis 6,00 Euro/kg möglich", die "langfristig auf 2,50 bis 4,00 Euro/kg fallen könnten". In Ländern mit besseren Bedingungen für regenerativen Strom könnten sogar "deutlich niedrigere Kostenniveaus erzielt werden".
Wasserstoff aus Down Under?
Tatsächlich ist der parlamentarische Staatssekretär im Bundeswirtschaftsministerium, Stefan Rouenhoff, gerade zu politischen Gesprächen in Australien, wo er unter anderem am "Australia-EU Hydrogen Supply Chain Forum" teilnimmt. "Australien verfügt über umfassende Rohstoffvorkommen, es hat einen starken Bergbausektor und optimale Bedingungen für eine großskalige Produktion von Wasserstoff", so Rouenhoff in einer Mitteilung seines Ministeriums.
Weil aber der künftige Bedarf immens sein wird, braucht es sowohl Importe als auch heimische Produktion. Das Wirtschaftsministerium prognostiziert in seiner H2-Importstrategie, dass im Jahr 2045 bis zu 500 TWh benötigt werden könnten.
Teuerung durch Regulatorik
Einen Preishebel sieht jedoch der BDEW im regulatorischen Rahmen. Je nach Standort und Produktionsart könnten die voraussichtlichen Erzeugungskosten von Wasserstoff im Jahr 2030 demnach "bis zu 50 Prozent regulatorisch getrieben sein". Um die Kosten einzudämmen, erneuert der Verband seine Forderung, die Vorgaben für die Produktion von grünem H2 nicht zu verschärfen. Gemeint sind neue Kriterien für CO2-armen Wasserstoff, an denen die Europäische Kommission momentan arbeitet.
Allein der Verzicht auf verschärfte Strombezugskriterien für die Produktion von grünem Wasserstoff ab 2030, würde eine Kostensteigerung von "etwa 30 bis 40 Prozent" oder bis zu "zwei bis drei Euro/kg" Wasserstoff "vermeiden". Je nach individueller Projektausgestaltung.
Erst ein Prozent in Betrieb
Der Markt steht aber noch am Anfang und ist stark förderabhängig. Laut BDEW sind seit diesem Jahr zwölf Prozent der bekannten Erzeugungsprojekte in konkreten Bau- oder Finanzierungsphasen. "Tatsächlich in Betrieb sind aber erst rund ein Prozent der geplanten Anlagen." Gemeinsam mit weiteren nationalen und europäischen Verbänden ruft er die Bundesregierung auf – wie im Koalitionsvertrag angekündigt –, eine Wasserstoffallianz der EU-Mitgliedstaaten ins Leben zu rufen.
Wann der Monitoringbericht zur Energiewende veröffentlicht wird, ist noch offen. Abgabefrist für die damit beauftragten Analysehäuser BET und EWI war der 31. August. Wirtschaftsministerin Katherina Reiche (CDU) möchte auf der Basis des Berichts an zentralen Stellschrauben der Transformation drehen. Ein Punkt dabei ist unter anderem, blauen Wasserstoff auch auf EU-Ebene politisch salonfähig zu machen.


