Großwärmepumpen erleben einen regelrechten Boom. (Symbolbild)

Großwärmepumpen erleben einen regelrechten Boom. (Symbolbild)

Bild: © Vattenfall

Kaum ein Heizungstyp wurde in den letzten Jahren so heiß diskutiert wie die Wärmepumpe. Während sich die Diskussion in erster Linie um Lösungen für Haushalte dreht, ist das Anwendungsspektrum weitaus größer: Sogenannte Großwärmepumpen ermöglichen etwa das Heizen ganzer Krankenhäusern oder die Erzeugung von Fern- und Prozesswärme.

Im Bereich der kleineren Gebäude überstieg der Marktanteil erstmals den der gasbetriebenen Konkurrenzprodukte. Wir haben bei mehreren Herstellern von Großwärmepumpen nachgehakt. Dabei wird ein klarer Trend deutlich.

Durch die Bank weg: Steigende Nachfrage bei allen Herstellern – Stadtwerke im Fokus

Alle sieben Hersteller sehen bei der Nachfrage einen Aufwärtstrend. "Die Nachfrage steigt deutlich, besonders bei Stadtwerken und kommunalen Versorgern zur Dekarbonisierung", antwortete etwa Viessmann.

Daikin sieht Stadtwerke zusammen mit Energie-Kontraktoren und größeren Wohnungsbaugesellschaften als Haupttreiber für das wachsende Interesse an Großwärmepumpen. Auf über 100 Projekte bei Stadtwerken blickt etwa der Hersteller Everllence. "Es wird in den kommenden Jahren viel zu tun geben", sagte Vertriebsexperte Tobias Hirsch zuletzt im ZfK-Interview.

Lieferzeiten in Zeiten des Fachkräftemangels

Eine steigende Nachfrage zeigt sich häufig auch in einem Anstieg der Lieferzeiten. Der Großwärmepumpenlieferant AIT Deutschland gibt beispielsweise an, dass die Produktionslinien im Leistungsbereich über 100 Kilowatt bereits ausgelastet sind. Die Lieferung kann deshalb mehr als 16 Wochen betragen.

Bei Everllence sind es sogar bis zu 20 Monate. Ausschlaggebend ist laut dem Unternehmen neben kundenspezifischen Anpassungen und Vorortmontage auch der Fachkräftemangel. Es fehlen Ingenieure im Bereich der Projektplanung.

Andere Marktteilnehmer, wie Stiebel Eltron, Viessmann und Daikin, rechnen nicht mit einer Erhöhung der Lieferzeiten. Entweder haben die Unternehmen ihre Kapazitäten bereits erweitert oder haben dies vor. Bei Nibe rechnet man mit einer dynamischen Entwicklung der Lage: "Es wird vermutet, dass aufgrund fehlender finanzieller Mittel in den Kommunen nicht alle Planungen sofort umgesetzt werden." Der Hersteller Johnson Control gibt an, dass aufgrund der hohen Nachfrage auch neue Hersteller auf den deutschen Markt drängen.

Großer Fächer an Anwendungsgebieten

Wie breit das Einsatzgebiet für Großwärmepumpen ist, zeigt ein Blick auf die Projekte der verschiedenen Hersteller. In Stuttgart wird etwa der Kühlwasserauslauf eines Restmüllheizkraftwerkes genutzt, um Fernwärme zu erzeugen. Die Wärmepumpen stammen bei diesem Projekt aus dem Hause Johnson Controls.

In Schwerin bereiten vier Großwärmepumpen das Thermalwasser aus 1300 Metern Tiefe für die Fernwärmeversorgung auf. Von 54 Grad Celsius wird es auf bis zu 82 Grad erhitzt. Bei einem Projekt in Nordrhein-Westfalen nutzen Wärmepumpen die Prozessabwärme, um einen Industriebetrieb zu dekarbonisieren. In beiden Fällen wurden die Wärmepumpen von Viessmann hergestellt.

Bei Ait Deutschland setzt man laut André Bernhardt, Leiter Energiekonzepte, auf: "'Kalte Nahwärmenetze' – da diese deutlich effizienter sind und viele kleine Wärmepumpen sind zum Schluss auch eine Großwärmepumpe." Stiebel Eltron scheint die Einschätzung zu teilen und verweist auf ein aktuelles Projekt in Nordrhein-Westfalen, bei dem das Unternehmen Wärmepumpen in einem kalten Nahwärmenetz verbaut hat.

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