Von Klaus Hinkel
"Innovative Finanzinstrumente könnten ein entscheidender Faktor für die zukünftige Wärmewende sein", sagt Emin im Gespräch mit der ZfK. "Dies gilt vor allem in Zeiten knapper Kassen, da die Energie- und Betriebseinsparungen durch Wärmepumpen so groß sein können, dass sich die Umrüstung der Anlage vollständig amortisiert", so Emin weiter.
Auch müsse die derzeitige Unsicherheit über die künftige monetäre Ausstattung der Förderinstrumente für die Wärmewende schnellstmöglich enden. "Die Akteure am Markt investieren für die nächsten 30 Jahre, daher ist es wichtig, die Effizienz zu steigern, um Kosten zu senken und eine langfristige Planungssicherheit zu ermöglichen", erklärt Emin.
Es müsse zügig Klarheit geschaffen werden, ob die neue Bundesregierung an den bestehenden Zielen festhalte und wie diese angesichts enormer Kosten realistisch umgesetzt werden könnten. Zur Wahrheit gehöre auch, dass für die Wärmewende nicht nur die Politik in die Bresche springen müsse, sondern auch die Privathaushalte belastet würden.
Stadtwerke als wichtige Zielgruppe
Johnson Controls ist in den Geschäftsfeldern Gebäudetechnik, Sicherheitstechnik, Brandschutz, Lüftung, Heizung und Kühlung aktiv und zudem ein bedeutender Anbieter von Großwärmepumpen für Industrie und Energieversorger. Die Großwärmepumpen machen etwa 20 Prozent des Umsatzes in Deutschland aus. Die Stadtwerke sind eine wichtige Zielgruppe. "Das Geschäftsfeld ist für uns von großer strategischer Bedeutung. Denn große Wärmepumpen spielen eine besonders wichtige Rolle bei der Dekarbonisierung der Fernwärme und können auch signifikant Energie und Kosten sparen. Sie sind entscheidend für die Wärmewende", erklärt der General Manager Deutschland von Johnson Controls weiter.
Entscheidend sei, dass die Branche ihre Bedenken beiseite räume und mit den Investitionen beginne. "Wir können jetzt einfach agieren. Wir sind noch weit entfernt von einer Electric Society, aber die gute Nachricht ist, dass es heute Technologien gibt, um Maßnahmen in großem Maßstab voranzutreiben und Wirkung zu erzielen. Diese Technologien bieten nicht nur Energiesicherheit, sondern auch Betriebskosteneinsparungen. Es ist eine vielversprechende Zeit und die Zeit zum Handeln ist jetzt. Wir müssen Prioritäten setzen. Und die erste Priorität sollte sein, die ersten Schritte zu erledigen. Und nicht über jeden Detailschritt zu diskutieren."
Bei der Umsetzung von den Projekten mit Stadtwerken sei der erhebliche administrative und bürokratische Aufwand mit den Behörden ein enorm belastender Faktor. "Analyse und Planung im Vorfeld sind wichtig. Aber Johnson Controls hat inzwischen mit vielen Kommunen an sehr großen Projekten gearbeitet, sodass die Spielregeln für den rechtzeitigen und effektiven Projektstart, den Bau und die Inbetriebnahme vorhanden sind. Als End-to-End-Experte kann Johnson Controls Prozesse mit den Stadtwerken optimal unterstützen", sagt Emin.
Flaschenhals Förderung
Das Zusammentragen aller erforderlichen Genehmigungen, etwa Wassergutachten oder archäologische Untersuchungen, nehme viel Zeit und personelle Ressourcen in Anspruch. Dazu komme die "sehr langsame" Bearbeitung der Förderanträge durch die Behörden. Die prozessuale Begleitung der einzelnen Schritte durch ein Risikomanagement und Kosten-Nutzen-Analysen sei sehr komplex. "Das kann für einige Kunden eine Herausforderung sein und wir sind bereit, unsere bewährte Erfahrung und Unterstützung anzubieten", so der Manager. Und nicht selten trete nach Abschluss aller Genehmigungen und Förderanträge eine Bürgerinitiative auf den Plan. "Dann heißt es, unsere Partner zu unterstützen und gut zu kommunizieren."
In der Zusammenarbeit mit den Stadtwerken sieht sich Johnson Controls als Komplettanbieter und Technologiepartner. "Wir entwickeln die Projekte von A bis Z." Das reiche von ersten Studien zur Finanzierung bis hin zu Konzepten für die Wartung und den Service für die fertige Anlage. Für viele Stadtwerke sei durch die Vielfalt der Transformationsprojekte bei Netzausbau, Wärmewende, Digitalisierung oder Mobilität die Grenze der Belastbarkeit erreicht. "Wir schauen direkt am Anfang, was benötigt wird oder wo Expertise oder Ressourcen gebraucht werden. In einigen Fällen können wir bereits in der Frühphase der Projekte unterstützen und in der Realisierungsphase partnerschaftlich zusammenarbeiten", sagt Emin.
Der deutsche Markt für Großwärmepumpen für die Industrie und Stadtwerke hat Fachstudien zufolge ein Volumen von mehr als 2 Milliarden Euro für den Zeitraum der Jahre 2022 bis 2030. Berechnungen der Denkfabrik Agora Energiewende kommen für die Zeit bis 2050 auf einen Bedarf von 70 bis 100 Milliarden Euro, die in Wärmepumpen für Fernwärmenetze und den Netzausbau zusammen investiert werden müssen. Emin schätzt, dass davon etwa ein Drittel auf Großwärmepumpen entfällt.
Viele Einsatzfelder für Großwärmepumpen
"Der Bedarf ist da. Die Stadtwerke machen derzeit gemeinsam mit den Städten und Gemeinden die Konzepte für die kommunale Wärmeplanung. Und die Einsatzfelder für die Großwärmepumpen sind vielfältig: Geothermie, Fluss- und Meerwasser, Abwasser, Industrieabwärme", gibt sich Emin optimistisch. Viel Potenzial sieht er für die kommenden Jahre bei Rechenzentren. Ab dem Jahr 2027 müssen laut Gesetz 10 Prozent der Abwärme genutzt und nicht einfach "rausgeblasen" werden. Dieser Anteil soll dann in den Folgejahren kontinuierlich steigen. "Hier sehen wir gute Perspektiven, gemeinsam mit Stadtwerken, Energieversorgern und Projektentwicklern energie- und kostensparende Fern- und Nahwärmekonzepte zur Nutzung der Abwärme von Rechenzentren zu entwickeln und umzusetzen."



