Bild: © Media Assets Kyon Energy

Das Interesse an Batteriespeichern ist derzeit so groß wie nie. In der Folge ist die Pipeline für Großspeicher gut gefüllt: So soll sich die installierte Kapazität von derzeit 1,3 GW in Deutschland in den nächsten drei Jahren mehr als verdoppeln. Der Großteil der Projekte mit einer Gesamtleistung von 1,7 GW soll dabei im Jahr 2025 ans Netz gehen. Das zeigt eine Auswertung der energiewirtschaftlichen Unternehmensberatung Enervis Energy Advisors.

"Batteriespeicher sind eine der wenigen Technologien, die derzeit ohne Förderung wirtschaftlich sind", sagt Xenia Ritzkowsky, Beraterin bei Enervis. Denn zum einen sind die Systemkosten für große Speicher in den letzten Jahren kontinuierlich gefallen: von 1912 Euro pro kWh in 2014 auf 335 Euro pro kWh in 2023. Zum anderen lassen sich auf dem Strommarkt sowie auf dem Markt für Regelleistung gute Einkünfte erzielen.

Zusatzerlöse für Sekundärregeleistung

"Ein hohes Erlöspotenzial ist derzeit vor allem im Intra-Day-Handel sowie bei der Bereitstellung von Primärregelleistung gegeben", so Ritzkowsky weiter.

Der Intra-Day-Markt dürfte laut der Expertin in Zukunft noch lukrativer werden. Zudem seien auch Zusatzerlöse am Sekundärregelleistungsmarkt zu erwarten.

Dabei unterliegt der Sekundärregelleistungsmarkt anderen Regeln als derjenige für Primärregelleistung. "Das Pay-as-bid-Verfahren im Sekundärregelleistungsmarkt und kaum verlässlich zu prognostizierende SRL-Arbeitspreise erfordern eine perfekte Vorausschau beziehungsweise smarte Bietstrategie", erläutert Enervis-Geschäftsführer Mirko Schlossarczyk. Die Qualität der Prognosen und der darauf aufsetzenden Leistungspreisgebote seien daher noch wichtiger, um auskömmliche Einkünfte zu erzielen.

Optimierung für Stand-alone-Speicher

Enervis hat nun ein Optimierungstool für Batterie-Energiespeichersysteme (BESS) entwickelt, das Einkünfte für sogenannte Stand-alone-Speicher auf dem Intra-Day-Markt und dem Primärregelleistungsmarkt ermittelt.

Für geplante Batterie-Projekte können dort Daten wie Speicherleistung, Speichervolumen, Wirkungsgrad und Ladezyklen der Batterie eingegeben werden. Anhand der hinterlegten Strommarktszenarien von Enervis berechnet die Software dann die jährlichen Erlösströme des Speicherprojekts. Für einen konkreten Zeitraum spuckt das Tool zudem den internen Zinsfuß der Investition aus.

"Wenn ein Speicher intelligent und erlösoptimiert an unterschiedlichen Märkten eingesetzt wird, ist er auch wirtschaftlich", betont Schlossarczyk.

Dynamik in der Vermarktung nimmt zu

Die von Enervis modellierten Erlöse sind laut der Berater allerdings eher konservativ gerechnet verglichen mit dem Angebot einiger Vermarkter. "Je nach Vermarktungsstrategie sind auch Potenziale nach oben möglich", prognostiziert Enervis-Geschäftsführer Schlossarczyk. Grund dafür seien Portfolioeffekte oder etwa Algo-Trading.

"Der Großteil der Wertschöpfung eines Batteriespeichers liegt im Vertrieb und im Asset-Management." Die großen etablierten Stadtwerke stiegen deshalb zunehmend auch in diesen Bereich ein. "In der Vermarktung von Speichern ist mittlerweile auch eine höhere Dynamik im Sinne steigender Angebote zu sehen", so Schlossarczyk weiter.

Offene Fragen bei Baukostenzuschüssen

Weiterhin rentabel sind auch Projekte, die Zuschläge in der sogenannten Innovationsausschreibung erhalten. Wie die Bundesnetzagentur nun bekannt gab, bleibt der Höchstwert von 9,18 Cent pro kWh für weitere zwölf Monate erhalten. "Die hohen Höchstwerte bei den Innovationsausschreibungen machen den Betrieb rentabel, obwohl die Batteriespeicher dort weniger Ladezyklen fahren als beim Stand-alone-Betrieb", bestätigt Enervis-Berater Lukas Ebner.

Abzuwarten bleibt, wie sich die Baukostenzuschüsse weiterentwickeln. Im Dezember 2023 urteilte das OLG Düsseldorf in einem Fall zwischen dem Projektentwickler Kyon und dem Netzbetreiber Bayernwerk, dass die bisherige Berechnungspraxis der Baukostenzuschüsse unzulässig ist. "Wie sich die Höhe der Baukostenzuschüsse entwickelt, ist schwer vorherzusagen", schätzt Enervis-Beraterin Ritzkowsky ein. "Wir gehen aber eher von einer Absenkung aus." (jk)

Lesen Sie dazu auch: Experten: Anzahl der Batteriespeicher wird sich versiebenfachen

                                       Umfrage: Speicherausbau sollte größte Priorität haben

                                       BMWK will Hindernisse bei Stromspeichern beseitigen

Lesen Sie weiter mit Ihrem ZFK-Abonnement

Erhalten Sie uneingeschränkten Zugang zu allen Inhalten der ZFK!

✓ Vollzugriff auf alle ZFK-Artikel und das digitale ePaper
✓ Exklusive Analysen, Hintergründe und Interviews aus der Branche
✓ Tägliche Branchen-Briefings mit den wichtigsten Entwicklungen

Ihr Abonnement auswählen

Haben Sie Fehler entdeckt? Wollen Sie uns Ihre Meinung mitteilen? Dann kontaktieren Sie unsere Redaktion gerne unter redaktion@zfk.de.

Home
E-Paper