Der Markt für Batteriespeicher in Europa wächst rasant: Geht es nach dem Analyse- und Beratungshaus Aurora Energy Research wird die Kapazität bis 2030 auf 51 GW ansteigen. Bis 2050 sollen es sogar 98 GW sein. Derzeit sind in Europa Batteriespeicher mit einer Kapazität von rund 8 GW installiert. Dabei sollen bis 2050 rund 78 Mrd. Euro in neue Projekte fließen, wie aus dem "European Battery Markets Attractiveness Report" von Aurora hervorgeht.
Wesentliche Treiber dieses "Speicher-Booms" ist demnach die Dekarbonisierung des Energiesystems, die zu einer stärker schwankenden Energieerzeugung führt. Vor allem Märkte mit hohen Preisunterschieden im Tagesverlauf sind derzeit für Investoren attraktiv. Dabei stechen vor allem Großbritannien und Irland, aber auch Italien hervor.
Preisspreads auf der Insel
Denn die beiden Märkte in Großbritannien und Irland weisen aktuell die größten Preis-Spreads auf dem Energiemarkt auf, was die Batteriespeicher besonders rentabel macht. Einer der wichtigsten Gründe hierfür ist, dass der Energiemarkt nicht mit dem von Festlandeuropa verbunden ist. Märkte mit guter Anbindung an die Nachbarländer ‒ wie etwa Deutschland ‒ oder mit viel Strom aus Wasserkraft ‒ etwa Norwegen und Österreich ‒ sind tendenziell auch geringeren Preisschwankungen ausgesetzt.
Batteriespeicher im Vereinigten Königreich, Irland und Italien haben – verglichen etwa mit Deutschland – zudem Zugang zu mindestens vier Einnahmequellen wie etwa Kapazitätsmärkten, Großhandelsmärkten, Systemdienstleistungen für das Netz oder Regel- und Ausgleichsenergie. In Deutschland etwa fehlt ein vergleichbarer Kapazitätsmarkt noch.
Längere Speicherdauer
Aurora Energy Research geht zudem davon aus, dass Batteriespeicher mit einer Speicherdauer von zwei und vier Stunden im Jahr 2030 den Großteil den installierten Anlagen ausmachen. Heute herrschen dagegen noch die 1-Stunden-Batterien vor.
Zurückhaltung erwartet Ryan Alexander, Energy Economist, Aurora Energy Research, derzeit noch bei Speichern mit längerer Speicherdauer ‒ etwa von sechs Stunden. Dies hat vor allem technische Gründe: Lithium-Ionen-Akkus müssen für die Skalierung gestapelt (Engl.: "stacking") werden, die Grenzkosten nehmen hier zu.
Speicher mit höhere Speicherkapazität würden sich laut dem Experten daher erst rechnen, wenn die Kosten für Großbatterien schneller als erwartet fielen oder entsprechende regulatorische Rahmenbedingungen eingeführt werden.
Chancen am Kapazitätsmarkt
Haupteinnahme-Quellen für Batteriespeicher sind derzeit vor allem Arbitrage-Geschäfte auf den Stromhandelsmärkten sowie Systemdienstleistungen im Rahmen eines Kapazitätsmarktes. Gerade auf Letzterem ruht große Hoffnung: Laut Aurora könnten Kapazitätsmärkte europaweit Batterien mit einer Leistung von 15 GW finanziell absichern, vor allem in Italien, Belgien und Großbritannien.
Weniger entscheidend seien dagegen umfassende, politische Speicherstrategien. Solche gibt es derzeit etwa in Portugal, Spanien und Italien. In Deutschland hat die Bundesregierung einen ersten Entwurf für eine Speicherstrategie im Dezember 2023 vorgestellt. Großbritannien ist trotz fehlender Speicherstrategie ein attraktiver Markt, wie die Experten betonen.
Vorbild "Balancing Plattform"
Die Rentabilität von Speichern leidet außerdem darunter, wenn mehr flexible Gaskraftwerke laufen. Ein zunehmender Einsatz von Technologien zur CO2-Abscheidung wie CCS könnte den Business-Case für Batteriespeicher daher schwächen, so die Aurora-Analysten.
Ein interessantes Vorbild für Deutschland könnte derweil die "Open Balancing Plattform" sein, die Ende 2023 in Großbritannien an den Start ging. Der Einsatz von Batteriespeichern in der Ausgleichsenergie habe sich seitdem verbessert, meint Richard Howard, Global Research Director, Aurora Energy Research. Das Tool ermöglicht es Netzbetreibern, zahlreiche Anweisungen an Batteriespeicherstandorte "auf Knopfdruck" zu senden und den Einsatz flexibler Speicheranlagen für Ausgleichsmechanismen im Netz zu optimieren. (jk)
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