Die Energiewende steht vor einem neuen Schub: Batteriespeicher werden deutlich preiswerter, Marktzahlen in Deutschland steigen rasant, und innovative Langzeitspeicher-Technologien eröffnen Perspektiven jenseits klassischer Lithium-Ionen-Systeme. Das zeigen aktuelle Daten aus der internationalen Speicher-Szene wie auch aus der heimischen Marktstatistik.
So fallen die Preise von Batteriespeicher-Systemen nach neuesten Branchenberichten erneut massiv. Laut aktuellen Analysen der Marktforscher von Bloomberg NEF (BNEF) und Ember sinken die durchschnittlichen Preise für schlüsselfertige Batteriespeicher global um nahezu ein Drittel im Jahresvergleich – eine Entwicklung, die sich den Analysten zufolge in den kommenden Jahren voraussichtlich fortsetzen wird.
Neue Langzeitspeicher auf dem Markt
Dieser Preisrutsch ist demnach eine direkte Reaktion auf zunehmende Produktionsvolumina, technologische Lernkurven und Skaleneffekte entlang der gesamten Wertschöpfungskette. Damit werden Batteriespeicher auch außerhalb von Förderprogrammen wirtschaftlich attraktiver.
Aber auch bei der Speicherdauer gibt es Neuigkeiten. Traditionelle Batteriespeicher decken typischerweise kurze Zeiträume von wenigen Stunden ab und dienen vor allem der Netzstabilisierung oder Lastverschiebung über Tageszyklen. Der chinesische Anbieter Hithium hat nun einen neuen Langzeitspeicher mit einer Speicherdauer von 8 Stunden vorgestellt.
Anstatt kürzere Systeme zu koppeln, wurde die neue Zelle dabei speziell für Langzeitanwendungen entwickelt. Sie lässt sich auch mit Natrium-Ionen-Speichern kombinieren, um die Kosten zu senken.
Für die Sektorenkopplung, industrielle Flexibilität und das Management großer erneuerbarer Blocks – etwa von Wind-Solar-Hybriden – könnte das ein entscheidender Baustein sein, um Variabilität über Zeiträume von Stunden bis Tagen auszugleichen.
Mehr als zwei Millionen Speicher
In Deutschland wächst der Speichersektor derweil weiterhin kräftig. Laut einer Auswertung des Marktstammdatenregisters der Bundesnetzagentur wurde die Schwelle von mehr als zwei Millionen installierten Batteriespeichersystemen bereits im September überschritten – von kleinen Heimspeichern bis hin zu gewerblichen Anlagen.
Allein von Januar bis Juli dieses Jahres kamen mehr als 318.000 neue Systeme mit rund 3,9 Gigawattstunden (GWh) Gesamtkapazität hinzu. Damit waren Mitte Dezember rund 2,25 Millionen Speicher mit einer Gesamtkapazität von gut 24 GWh installiert.
Dabei sind private, gewerbliche und zunehmend auch größere Speicher gefragt. In Regionen wie Nordrhein-Westfalen zeigen sich besonders dynamische Entwicklungen – nicht zuletzt angesichts vorhandener Industrieinfrastrukturen und industrieller Nachfrage. Deutschland gilt inzwischen als einer der führenden Speicherstandorte Europas.
Wettlauf um alternative Technologien
Parallel zu dieser Marktdynamik läuft in der Forschung der Wettlauf um alternative Batterietechnologien. Ein bemerkenswertes Ergebnis kommt aus dem Fraunhofer-Institut IISB. Im Rahmen des Innobatt-Projekts wurde erstmals ein funktionsfähiger Batterie-Systemdemonstrator ohne klassisches Lithium-Ion-Design aufgebaut, basierend auf einer Aluminium-Graphit-Dual-Ion-Chemie.
Diese Zellen nutzen weitgehend kostengünstige und leicht verfügbare Materialien wie Aluminium und Graphit, weisen hohe Leistungsdichten und sehr schnelle Lade- und Entladefähigkeiten auf und sind auf Stabilität und Recyclingfähigkeit ausgelegt.
Damit gelten sie als potenziell attraktiv für Anwendungen wie die dynamische Netzstabilisierung. Die Abhängigkeiten von Rohstoffen, insbesondere bei der traditionellen Lithium-Batterie, gelten seit längerem als Achillesferse des deutschen Batteriespeicher-Booms.
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