Die Angst vor Stromausfällen ist laut einer Umfrage groß.

Die Angst vor Stromausfällen ist laut einer Umfrage groß.

Bild: © Laura/Adobe Stock

Eine Mehrheit der Deutschen hält das Stromnetz für anfällig gegenüber Sabotage oder Cyberangriffen. Das belegt eine aktuelle und repräsentative Umfrage des Digitalverbands Bitkom. 61 Prozent der Befragten gehen davon aus, dass die Gefahr entsprechender Angriffe in den kommenden Jahren weiter zunehmen wird. 47 Prozent rechnen sogar damit, dass es an ihrem Wohnort in den nächsten Jahren zu einem Stromausfall von mehreren Stunden kommen könnte.

Digitale Technologien sind dabei Fluch und Segen zugleich. Ihnen komme eine Schlüsselrolle sowohl bei möglichen Angriffen als auch beim Schutz der Energieversorgung zu, betont Bitkom-Hauptgeschäftsführer Bernhard Rohleder. "Tausende Kilometer Stromnetze und die Vielzahl dezentraler Anlagen lassen sich ohne digitale Überwachung und robuste Cybersicherheitsmaßnahmen weder zuverlässig absichern noch stabil betreiben", so Rohleder.

Sorge auch um andere Infrastrukturen

Die Sorge vor Angriffen auf kritische Infrastrukturen reicht dabei über das Stromnetz hinaus. 77 Prozent der Deutschen fürchten Ausfälle der Energieversorgung infolge hybrider Angriffe. Dahinter folgen Banken und Versicherungen (69 Prozent), Krankenhäuser und Arztpraxen (60 Prozent) sowie die Wasserversorgung (58 Prozent).

Gleichzeitig wächst die Erwartung an Politik und Wirtschaft, die kritische Infrastruktur besser abzusichern. Aus Sicht von Bitkom sind leistungsfähige digitale Systeme und moderne Cybersicherheitslösungen dafür unverzichtbar. Denn mit der Energiewende wächst auch die Zahl vernetzter Anlagen – von Smart Metern über Umspannwerke bis hin zu dezentralen Erzeugungsanlagen und Speichern.

Anschläge keine Ausnahme mehr

Anschläge auf die Energieinfrastruktur sind in Deutschland leider keine Ausnahme mehr. Das zeigt der Brandanschlag auf das Berliner Stromnetz zum Jahresbeginn, aber auch der mutmaßliche Anschlag im baden-württembergischen Reutlingen im Juni.

Es gab eine ganze Reihe von Anschlägen, die nicht an die Presse gelangt sind.

Und die Dunkelziffer ist hoch, bekräftigte Leonhard Birnbaum, Vorstandsvorsitzender des Eon-Konzerns, kürzlich. "Es gab eine ganze Reihe von Anschlägen, die nicht an die Presse gelangt sind", sagte Birnbaum auf einer Branchenveranstaltung in Berlin.

Digitalisierung erhöht die Angriffsfläche

Neben den physischen Bedrohungen wächst mit der Digitalisierung auch die Gefahr sogenannter Cyberangriffe. Intelligente Messsysteme, steuerbare Verbrauchseinrichtungen und digital vernetzte Stromnetze ermöglichen zwar einen effizienteren Netzbetrieb. Aber gleichzeitig entstehen neue potenzielle Angriffspunkte. Ein Einfallstor können sogar die immer stärker vernetzten Ladesäulen für Elektroautos darstellen, wie Bitkom vor kurzem der ZFK bestätigte. Entscheidend sei deshalb, digitale Innovation konsequent mit hohen Sicherheitsstandards zu verbinden, mahnt Rohleder.

Bessere Krisenvorsorge gefordert

Die hohe Bedrohungswahrnehmung spiegelt sich auch in der Einschätzung der eigenen Krisenvorsorge wider. Nur 15 Prozent der Deutschen halten ihren Haushalt für gut oder sehr gut auf hybride Angriffe vorbereitet. 65 Prozent der Befragten sind der Ansicht, dass Deutschland insgesamt besser auf solche Angriffe vorbereitet sein sollte.

Dagegen sehen 64 Prozent angesichts der aktuellen geopolitischen Lage eine wachsende Gefahr solcher Attacken. 82 Prozent rechnen sogar damit, dass Deutschland in den kommenden Jahren von einer schweren Krise infolge hybrider Angriffe betroffen sein könnte.

Mehr Tempo bei Energiewende

Für Bitkom ist klar: Für den Schutz des Stromnetzes sind künftig zusätzlich zu physischen auch digitale Sicherheitskonzepte unverzichtbar. Also eine kontinuierliche Überwachung und eine enge Zusammenarbeit von Netzbetreibern, Behörden und IT-Sicherheitsexperten.

Auch die Bevölkerung müsse sich stärker mit möglichen Krisenszenarien auseinandersetzen und fordert laut der Umfrage darüber hinaus, die Abhängigkeit von Öl und Gas wegen steigender Energie- und Spritpreise schneller zu senken. Dafür plädieren 92 Prozent, also fast alle Bürgerinnen und Bürger. 72 Prozent wünschen sich außerdem mehr Tempo bei der Energiewende in Deutschland. Diese gehe zu langsam voran.

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