Stromausfall in Johannisthal: 50.000 Berliner:innen waren von den Folgen eines Brandanschlags im September 2025 betroffen.

Stromausfall in Johannisthal: 50.000 Berliner:innen waren von den Folgen eines Brandanschlags im September 2025 betroffen.

Bild: © Michael Ukas/dpa

Zwei Brandanschläge in weniger als einem halben Jahr: Im September 2025 legten Unbekannte Feuer an zwei Hochspannungsmasten im Berliner Stadtteil Johannisthal. Im Januar 2026 wurde eine Kabelbrücke in Lichterfelde in Brand gesteckt. Beide Male folgten lange Stromausfällen mit Tausenden betroffenen Haushalten und Unternehmen. Im Januar dauerte es fast fünf Tage, bis die Versorgung wiederhergestellt war – der längste Stromausfall in Berlin seit Ende des Zweiten Weltkriegs.  

Auf der Jahrespressekonferenz stellten Geschäftsführer Erik Landeck und Aufsichtsratsvorsitzender Severin Fischer vor, welche Lehren Stromnetz Berlin aus den Ereignissen zieht. Außerdem präsentierten sie die Geschäftszahlen für 2025 und zogen eine erste Bilanz des neuen Verteilungsverfahrens für große Netzanschlüsse. 

Redundanz hätte Schäden verhindert 

Für beide Anschlagsorte in Johannisthal und Lichterfelde habe Stromnetz Berlin "seit Jahren bereits ein Programm laufen, Geo-Redundanz herzustellen", teilte Landeck mit. Geo-Redundanz heißt, dass es parallele Leitungswege gibt, die aber nicht über den gleichen Strommast laufen. Stattdessen werden sie von einem anderen Netzknoten zum Umspannwerk gelegt, sodass die Leitungen weiter voneinander entfernt liegen und nicht gleichzeitig zerstört werden können.  

Solche Maßnahmen ließen sich aber nicht von heute auf morgen umsetzen, erklärte Landeck. Im Fall der Kabelbrücke in Lichterfelde war zwar schon ein System auf eine neue Trasse verlegt worden und das zweite stand unmittelbar bevor – die Arbeiten wurden aber durch den Anschlag verzögert.  

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Der direkte Schaden am Stromnetz durch den Anschlag in Johannisthal beläuft sich auf rund drei Millionen Euro. Hinzu kommen die Schäden bei Unternehmen und Kund:innen. Der Schaden durch den Anschlag auf die Kabelbrücke in Lichterfelde liegt im einstelligen Millionenbereich. Genaue Zahlen konnte Landeck nicht nennen, da die Reparaturen andauerten. In beiden Fällen läuft die Stromversorgung inzwischen stabil: In Johannisthal ist sie vollständig wiederhergestellt, in Lichterfelde laufen die Provisorien zuverlässig. 

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Mehr Kameras, Zäune, Wachpersonal 

Stromnetz Berlin hat seitdem erheblich in den Schutz seiner Anlagen investiert. "Wir wissen, dass es eine hundertprozentige Sicherheit nicht geben kann. Dennoch tun wir das technisch und Menschenmögliche, um unsere Einrichtungen und das Berliner Stromnetz wirkungsvoll zu schützen", erklärte Landeck. 

Mehr als 200 Kameras wurden installiert und 130 Wachschutzkräfte bewachen wichtige Anlagen. Außerdem wurden rund 20 Kilometer neue höhere Zäune mit Stacheldraht beschafft. Die Zaunarbeiten sollen noch im Juni dieses Jahres abgeschlossen werden. Zusätzlich sollen alle 120 Strommasten Berlins mit Kameras und Sensoren ausgestattet werden. Diese könnten nicht nur Bewegung registrieren, sondern auch Geräusche und Schwingungen an den Masten erkennen. Insgesamt wird Stromnetz Berlin im laufenden Jahr einen zweistelligen Millionenbetrag für Resilienz- und Sicherheitsmaßnahmen aufbringen. 

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Stromnetz Berlin: Zahlen aus der Jahresbilanz 2025

• Gewinn nach Steuern: 209,2 Millionen Euro (Vorjahr: 150,9 Millionen Euro) 
• Umsatzerlöse: 1,6 Millionen Euro (Vorjahr: 1,5 Millionen Euro) 
• Investitionen 2025: 452 Millionen Euro  
• Investitionen 2026 geplant: 597 Millionen Euro 
• Investitionen 2026–2031: mehr als 3,6 Milliarden Euro



Neues Zuteilungsverfahren bewährt sich 

Neben dem Thema Sicherheit präsentierte Stromnetz Berlin auch Entwicklungen im Bereich Netzanschlussverfahren: Das Unternehmen hat 2025 das sogenannte Repartierungsverfahren für besonders große Netzanschlüsse mit mehr als 3,5 Megawatt eingeführt. So soll die verfügbare Netzkapazität fair, transparent und gleichmäßig auf alle Antragstellenden verteilt werden.  

Stromnetz Berlin habe die Folgen eines Reifegradverfahrens als Alternative zur Repartierung simuliert. Ergebnis waren insgesamt weniger Zuteilungen, bei denen gleichzeitig "eine bestimmte Klasse von Unternehmen" bevorzugt worden wäre, erklärte Fischer. Das begrenzte Gut der großen Netzanschlüsse müsse gerecht verteilt werden, um zum Beispiel Projekte wie E-Ladepunkte der Berliner Verkehrsbetriebe zu ermöglichen. 

Auch in der Repartierung seien Elemente aus dem Reifegradverfahren enthalten, sagte Fischer. Aber größere Unternehmen mit mehr Kapital könnten im Reifegradverfahren mehr Punkte sammeln und sich so den Zuschlag sichern. Das wäre ein Nachteil für kleinere beziehungsweise risikoscheue Unternehmen gewesen.  

Im ersten Durchlauf standen im Berliner Netz 365 Megawatt an Kapazitäten zur Verfügung. Die Nachfrage überstieg das Angebot: Anträge im Gesamtumfang von rund 2300 Megawatt lagen vor, mehr als das Sechsfache der verfügbaren Kapazität. 20 Unternehmen unterzeichneten einen Vertrag mit Stromnetz Berlin, darunter elf Rechenzentren. 

"Aus unserer Sicht hat sich das neue Zuteilungsverfahren bewährt. Wir sind überzeugt, dass es uns gelungen ist, eine innovative Vorgehensweise zu entwickeln, die auch in Zukunft absichert, dass Berlin ein attraktiver Standort für Wirtschaftsansiedlungen bleibt", fasste Fischer zusammen.  

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Auch andere Verteilnetzbetreiber prüfen zurzeit andere Verfahren, um die knappen Netzkapazitäten fair zu vergeben. In der Branche werden sowohl Reifegradmodelle als auch andere Auswahl- und Zuteilungsansätze geprüft. Noch gibt es keinen einheitlichen Standard.

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