Bild: © N-Ergie

Die Zeiten, in denen sich das Energieangebot nach der Nachfrage gerichtet hat, sind längst vorbei, in einer erneuerbaren, dezentralen Energiewelt braucht es Flexibilität, entweder durch Lastverschiebung oder Energiespeicherung. Nur so bleibt die Systemstabilität gewährleistet. So gefragt Netzdienlichkeit also ist, so wenig wert ist sie aktuell auf dem Markt. Und damit wird es trotz technsicher Machbarkeit, schwierig mit der Verfügbarkeit, dieses Dilemma zeigte sich einmal mehr in einer Online-Podiumsdiskussion der Grünen.

So betont Dirk Uwe Sauer, Professor für elektrochemische Energieumwandlung und Speichersystemtechnik von der RWTH Aachen, dass Batteriespeicher neben Primärregelleistung bereits heute Momentanreserve liefern und damit die Aufgabe von fossilen Großkraftwerken ersetzen können. Allerdings sei die Bereitstellung von Schwungmassen derzeit noch kein Produkt, der Markt dafür fehle schlichtweg. Sauer befürchtet daher, dass die Momentanreserve daher bald fehlen könnte.

 Flexibilität und Effizienz schließt sich in der Industrie derzeit aus

Doch selbst wenn es einen Markt gäbe, würden sich ohne eine regulatorische Anpassung bestehende Probleme weiter verschärfen. So ist es aktuell nicht möglich an verschiedenen Marktplätzen teilzunehmen. Wer Primärregelleistung anbietet, kann nicht gleichzeitig noch Energie handeln oder Momentanreserve liefern.

Abseits der Stromspeicherung ziehen sich die Probleme weiter durch die Sektorenkopplung. Noch ist Strom aufgrund von Steuern und Umlagen so teuer, dass er zu fossilen Energieträgern keine Konkurrenz darstellt. PtX-Technologien vor allem aber Power-to-Heat seien damit wirtschaftlich nicht attraktiv genug, so Sauer.

Netzentgeltprivilegien behalten trotz Flexibilität

Großes Potenzial für die Bereitstellung von netzdienlichen Flexibilitäten hätten auch Industriebetriebe. Sie könnten Produktionsprozesse teilweise an das erneuerbare Stromangebot anpassen, aufgrund des Rechtsrahmens zur EEG-Umlage und zu den Netzentgeltprivilegien rechnet sich das derzeit jedoch nicht, wie Eva-Maria Ländner, Rechtsreferendarin am Landgericht Bayreuth erklärt.

Die Vergünstigung von Netzentgelten für stromintensive Industrie ist in der Stromnetzentgeltverordnung regelt. Demnach sei die Voraussetzung für die Privilegierung ein konstanter Strombezug. Wer nun flexibilisiert, gefährde diese Gleichmäßigkeit und damit seinen Vergünstigungs-Anspruch, so Ländner. Gleichzeitig seien die Erlöse durch die Bereitstellung von netzdienlichem Verhalten am Regelenergiemarkt zu gering, um die verlorenen Privilegien auszugleichen. Ländner plädiert dafür, dass Unternehmen ihre Netzentgeltprivilegien beibehalten, wenn sie sich aufgrund eines netzkritischen Zustandes netzdienlich verhalten. Hier müsste definiert werden, welches Verhalten für die Systemsicherheit geeignet ist.

Thermospeicher sind im Kommen

Mit Blick auf verschiedene Speichertechnologien schreiben die Experten, von der Unternehmensberatung Consentec und dem Speicherhersteller Lumenion, vor allem Thermo-Speicher künftig große Bedeutung zu. Sie wandeln Strom, in Wärme um, die dann sofort genutzt oder bei Bedarf rückverstromt werden kann. Hier tummeln sich bereits verschiedene Anbieter von Siemens Gamesa, über Lumenion bis hin zu Kraftblock. Sie setzen auf Gestein, Stahl, Beton oder Recycling-Materialien und warten mit einer deutlich höheren Zyklenfestigkeit und Lebendauer als Batteriespeicher auf.

Auch beim Thema Langzeitspeicher, wie Wasserstoff, sind sich alle einig, dass diese zwar unbedingt gebracht werden, jedoch erst wenn der Anteil der Erneuerbaren an der Stromversorgung deutlich höher ist als heute. Bernd Tersteegen, Principal Consultant bei Consentec geht sogar davon aus, diese Langfristspeicher erst ab 2040 zu benötigen. (lm)

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