Der Wochenauftakt hat dem deutschen Energiemarkt weder Ruhe noch fallende Preise beschert.

Der Wochenauftakt hat dem deutschen Energiemarkt weder Ruhe noch fallende Preise beschert.

Bild: © Rodion Kutsajew/Unsplash

Das Wetter hat es zum Wochenauftakt nicht gut gemeint mit Energieanbietern, die sich ein Abschwächen der Hochpreisphase im Großhandel herbeisehnen.

Ein wolkenverhangenes Deutschland brachte bislang weder Sonne noch Wind. Bis Dienstagnachmittag (15.22 Uhr) steuerten fossile Energieträger satte 63 Prozent zum Strommix bei, wie aus Daten der Fraunhofer-Plattform Energy-Charts hervorgeht. Eine auf Hochtouren laufende Kernenergie war für weitere 14 Prozent verantwortlich.

Erneuerbaren starten schwach

Und die Erneuerbaren? Machten zusammen gerade einmal 23 Prozent aus. Wind lag bei acht, Solar bei einem einzigen Prozent.

Die Folge: Am Montag drehten die Spotpreise für Strom an der Kurzfristbörse Epex Spot steil nach oben und erreichten um 17 Uhr einen Stundenwert von 300 Euro pro MWh. Auch auf Tagesbasis ging es deutlich hinauf, wie Zahlen des ZfK-Datenraums zeigen: und zwar um 36 Prozent auf 229 Euro pro MWh (Base).

Gaspreise gehen nach oben

Am Dienstag brachte die Aussicht auf etwas mehr Wind zumindest etwas Entlastung am Spotmarkt. Preistreibend wirkten dagegen die Gaspreise, die nach einer Stabilisierungsphase in den vergangenen Wochen nun deutlich an Schwung gewann. Auslöser war vor allem die Nachricht der Bundesnetzagentur, die Zertifizierung der Ostseepipeline Nord Stream 2 vorerst auszusetzen. (Hier lesen Sie mehr dazu.)

Perfekte Mischung für Preisrallye

Ein weiterer Rückschlag für die Projektbeteiligten, vor allem aber für den russischen Staatskonzern Gazprom, der eigentlich schon zum Jahreswechsel die Leitung in Betrieb nehmen wollte.

Es dauerte nicht lang, bis die Gaspreise im Spotmarkt und Frontomat auf mehr als 93 Euro pro MWh hinaufschossen (+14 Euro im Vergleich zum Vortag) und insbesondere Strom-Frontmonats- und -frontjahreskontrakt mit nach oben zogen. Der Monatskontrakt notierte am Dienstagabend bei 180,01 Euro pro MWh (+17,01 Euro), der Jahreskontrakt bei 128,65 Euro pro MWh (+9,85 Euro). Dazu setzten auch die CO2-Preise ihren neuerlichen Höhenflug fort und kletterten auf ein Hoch von 67,53 Euro pro Tonne. Die perfekte Mischung also für eine Preisrallye durch die Bank.

Kalte Wochen voraus?

Bleibt der Blick auf drei Faktoren, die für die Entwicklung der Strom- und noch mehr der Gaspreise wesentlich sein werden: das Wetter, die Pipelines und die Gasspeicher.

Zum Wetter: Das könnte in den nächsten zwei Wochen in Nordwesteuropa kälter als im Durchschnitt ausfallen, heißt es im Wochenreport des Gasversorgers GVS, der am Dienstag erschien.

Pipelines und Speicher

Zu den Pipelines: Gazprom buchte Anfang der Woche erneut keine zusätzlichen Kapazitäten für die Ukraine- und Jamal-Route für Dezember. Zumindest aber stiegen die russischen Gasflüsse über die Jamal-Route wieder an, auf knapp 300 GWh pro Tag, schreibt die GVS.

Und zu den Gasspeichern: Zuletzt befand sich der aggregierte Füllstand aller deutschen Speicher bei 68 Prozent, wie Daten des Branchendienstes AGSI+ zeigen. Das sind gut zweieinhalb Prozent weniger als noch Anfang des Monats. (aba)

Täglich aktualisierte Energiedaten und -grafiken finden Sie hier im ZfK-Datenraum, der in Kooperation mit Energy Brainpool befüllt wird.

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