Die Debatte um einen Kapazitätsmarkt nimmt wieder an Fahrt auf.

Die Debatte um einen Kapazitätsmarkt nimmt wieder an Fahrt auf.

Bild: © Thomas Warnach/dpa

Von Julian Korb

In dieser Woche erlebt Deutschland die zweite größere Dunkelflaute im laufenden Jahr. Sonnenstrom ist in dieser Jahreszeit ohnehin kaum zu erwarten, doch nun fällt erneut der Wind aus. Die Folge: Spitzenpreise von fast 1000 Euro pro Megawattstunde (MWh) am Day-Ahead-Markt. In den vergangenen Wochen tanzt der durchschnittliche Spotmarktpreis um die 100 Euro – im Jahresschnitt waren es bislang um die 80 Euro. Die ZfK hat sich bei kommunalen Händlern umgehört, wie die Ereignisse eingeordnet werden.

"Man muss das Gesamtbild sehen", sagt Achim Thiel, Geschäftsführer der südbayerischen Stadtwerke-Kooperation Kos Energie. "Am Ende zählt, wie hoch der durchschnittliche Spotpreis über das Jahr gesehen für ein typisches Haushaltslastprofil ausfällt. Da liegen wir für das aktuelle Jahr derzeit mit rund 80 Euro die Megawattstunde bei einem verträglichen Niveau."

Finanzielles Risiko steigt

So liegt der Spotpreis für eine Bandlieferung im laufenden Jahr aktuell bei knapp 80 Euro pro MWh. Für ein Haushaltsprofil sind es derzeit mit den preislichen Spitzen etwa 83 Euro.

Gleichwohl sei die Auswirkung von Dunkelflauten auf den Spotmarkt ernst zu nehmen. "Einzelne Nadelspitzen lassen sich über das Jahr gesehen noch ausgleichen", so Thiel weiter. "Wenn jedoch Dunkelflauten über mehrere Tage andauern, steigt natürlich das finanzielle Risiko und auch die Nervosität am Markt."

Problem bei hohen Verbräuchen

Die Höhe der Preisspitzen findet auch Patrick Kruppa, Leiter Erzeugungs- und Portfoliomanagement bei Südweststrom, bemerkenswert. Auf der Verbrauchsseite sei das eine Herausforderung. "Bei Tarifkunden gleichen sich die hohen Preise auf das gesamte Jahr gesehen noch gut aus – solange es nur einzelne Tage sind. Aber wenn die Verbräuche hoch und die Margen gering sind, wie bei manchen Industriekunden, können solche Preisspitzen für Stadtwerke schneller zum Problem werden."

Hinzu komme das Risiko eines kalten Winters "Wir haben die Erfahrung gemacht, dass, wenn es länger kalt wird und die Gasverbräuche zunehmen, die Preise empfindlich reagieren", so Kruppa weiter.

Ausschläge bei kalten Temperaturen

Ähnlich sieht das Alexander Teichert, Bereichsleiter Energiehandel bei den Stadtwerken Leipzig. "Was ich bemerkenswert finde, ist, dass es noch gar nicht so kalt ist. Wenn die Temperatur in einem solchen Umfeld nochmal um zehn, fünfzehn Grad sinkt, wird das zu deutlich höheren Preissauschlägen führen."

Die Preisspitzen hält Teichert aber auch für ein wichtiges Steuerungssignal. "Der Markt braucht diese Signale als Anreize, etwa für Stromspeicher oder flexible Verbraucher."

Die Batteriekapazitäten sind in Deutschland derzeit noch begrenzt. Nach Angaben von "Battery Charts" waren im Dezember 2014 rund elf Gigawatt Batterie-Leistung installiert. Davon entfallen mehr als neun Gigawatt allerdings auf kleine Heimspeicher, die oft nicht auf Preissignale am Strommarkt reagieren, sondern den Eigenverbrauch von PV-Aufdachanlagen optimieren sollen.

Flexible Kraftwerke gewinnen

Deshalb sind es derzeit vor allem fossile Kraftwerke, die einspringen. Größter Stromerzeuger ist in diesen Tagen Erdgas – in der Spitze mit bis zu 17 Gigawatt. Auch Stein- und Braunkohle kommen zusammen auf eine ähnliche Leistung.

Die derzeitigen Preisspitzen bringen deshalb auch Gewinner hervor. Auf der Erzeugungsseite können viele kommunale Unternehmen derzeit profitieren. "Wer über flexible Anlagen verfügt, kann diese anhand der teuren Preisstunden steuern", sagt Kruppa von Südwestrom. Das gelte für KWK-Anlagen und Gaskraftwerke genauso wie für PV-Speicher-Kombinationen. Auch Verbräuche bei Geschäftskunden, etwa über flexible Prozesse oder bei niederen Preisen für Wärmepumpen, ließen sich nutzen.

Versorgungslage bleibt stabil

Auf den Terminmarkt haben die Dunkelflauten allerdings bislang wenig Auswirkung, so die Einschätzung der Händler. Zwar sind die Preise für das Frontjahr seit Anfang November wieder hochgeschossen – in der Spitze deutlich über 100 Euro die Megawattstunde. Alexander Teichert von den Stadtwerken Leipzig führt das aber eher auf das aktuelle geo-politische Umfeld zurück. "Mittelfristig gibt es eine stabile Versorgungslage in einem eher schwachen Wirtschaftsumfeld."

Kritik übt er allerdings am politischen Umfeld. Die Unsicherheit über das Kraftwerkssicherheitsgesetz oder bei der Verlängerung des Kraft-Wärme-Kopplungsgesetzes (KWKG) sorge dafür, dass weniger investiert werde. Am Mittwoch erst hatte das Bundeswirtschaftsministerium bekanntgegeben, dass Pläne für neue Kraftwerke bis zur Neuwahl auf Eis gelegt werden. Die Energiebranche hatte darauf enttäuscht reagiert.

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