Bärbel Heidebroek, Präsidentin des BWE, warnt vor einer unbedachten Änderung bei der EEG-Förderung.

Bärbel Heidebroek, Präsidentin des BWE, warnt vor einer unbedachten Änderung bei der EEG-Förderung.

Bild: © BWE

Die von der Bundesregierung geplanten Änderungen bei der EEG-Förderung stoßen auf Widerspruch aus der Windenergiebranche. "Wir dürfen auf keinen Fall plötzlich den Mechanismus ändern", warnte Bärbel Heidebroek, Präsidentin des Bundesverbandes Windenergie (BWE). "Ich warne davor, in einem Schnellschuss etwas zu ändern, was nicht gut durchdacht ist."

Dies könne die Erneuerbaren-Branche und deren Finanzierer verunsichern. Die Banken müssten deshalb unbedingt in die Gespräche über eine EEG-Reform mit einbezogen werden. Heidebroek erinnerte daran, dass Erneuerbaren-Projekte eine sehr hohe Fremdkapitalquote aufweisen.

Den geplanten Förderstopp ab 2025 bei negativen Preisen nannte sie einen "Angriff auf Vertrauensschutz der Investoren". Die BWE-Präsidentin forderte stattdessen einen Blick auf die gesamtgesellschaftlichen Kosten ein. So sei Strom für den Verbraucher durch die EEG-Förderung insgesamt günstiger.

Vielmehr stelle sich die Frage, wie negative Preise künftig vermieden werden könnten. "Das geht nur über Flexibilisierung des Verbrauches, Elektrolyseure und Speicher", sagte die Verbandschefin. "Es muss ein Anreiz geschaffen werden, Strom auch in negativen Preisphasen zu nutzen, etwa über flexible Netzentgelte." Speicher brauchten zudem die Möglichkeit, Strom in negativen Preisphasen einzuspeichern und netzdienlich zu fahren.

Trend zu leistungsstärkeren Anlagen

Der BWE hatte vor der Presse die aktuellen Zahlen des Windausbaus an Land im ersten Halbjahr 2024 veröffentlicht. Der Onshore-Ausbau verläuft demnach weiterhin schleppend: Der Brutto-Zubau betrug 1300 MW und war damit um 19 Prozent niedriger als im ersten Halbjahr des Vorjahres.

Dem stehen Stilllegungen von 400 MW gegenüber. Die Zahl der installierten Windkraftanlagen stieg somit netto lediglich um 900 Megawatt (MW) ‒ von 61 Gigawatt (GW) auf 61,9 GW.

Fast ein Drittel Repowering

Die durchschnittliche Leistung einer Onshore-Windanlage wuchs derweil auf 5,2 MW an. "Der Trend zu leistungsstärkeren Anlagen setzt sich fort", sagte Silke Lüers,Abteilungsleitung Markets & Politics bei der Deutschen WindGuard. Auch würden die Anlagen immer höher ‒ auf mittlerweile im Schnitt 218 Meter.

Repowering – also das Ersetzen älterer Anlagen durch neue, leistungsstärkere – machte 377 MW und damit 29 Prozent des Bruttozubaus aus. Bei Repowering lasse sich laut BWE im Schnitt eine Vervierfachung der Leistung erreichen. "Wenn wir das Potenzial des Repowerings nutzen, werden wir nicht deutlich mehr Anlagen brauchen", so Heidebroek.

Zubau von 4 GW

Mit Blick auf die Zukunft zeigte sich der Verband optimistisch. "Der Brutto-Zubau ging zwar zurück, aber die Neugenhmigung sind auf einem Rekordniveau", sagte Heidbroek weiter. Der Verband schätzt, dass der Zubau bei Onshore-Windanlagen am Jahresende bei 4 GW liegen könnte. Die neuen Genehmigungen könnten sogar insgesamt 10 GW betragen.

"In der Windbranche haben wir einen größeren Zeitversatz als in der Solarbranche", so die BWE-Präsidentin. Die Maßnahmen der Regierung würden greifen. Im ersten Halbjahr hätten auch Sondereffekte wie starker Wind und eine Baustelle auf der A 27 die Errichtung von Anlagen erschwert. Es sei deshalb davon auszugehen, dass der Ausbau im zweiten Halbjahr an Fahrt gewinne. (jk)

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