Einsatz der Polizei am Umspannwerk nach dem mutmaßlichen Brandanschlag auf die Stromversorgung in Reutlingen

Einsatz der Polizei am Umspannwerk nach dem mutmaßlichen Brandanschlag auf die Stromversorgung in Reutlingen

Bild: © Christoph Schmidt/dpa

Ein nächtlicher Stromausfall legt Teile von Reutlingen lahm – und wirft Fragen nach gezielter Sabotage auf: Nach Angaben des Netzbetreibers gibt es Hinweise auf Brandstiftung in einem Umspannwerk. Es seien drei Brandstellen gefunden worden, außerdem seien der Zaun und das Gelände vor der Anlage beschädigt, sagte ein Sprecher von Netze BW. 

Offiziell bestätigt ist ein Anschlag bislang jedoch nicht. Die Polizei ermittelt. Auch das Landeskriminalamt Baden-Württemberg ist eingebunden. Der Schaden dürfte bei mehreren Millionen Euro liegen. Und noch ist unklar, wann wieder alle Haushalte in Reutlingen mit Strom versorgt werden. 

"Eine belastbare Prognose zur vollständigen Wiederherstellung der Stromversorgung ist derzeit noch nicht möglich", teilte die Stadt mit. Aktuell seien noch rund 7600 Haushalte ohne Strom. Die Innenstadt und das Krankenhaus würden wieder versorgt. 

Nach Angaben von Netze BW waren insgesamt 20.000 Kunden betroffen. Demnach war das Umspannwerk Reutlingen-West gegen 1.45 Uhr infolge eines Feuers ausgefallen. Fünfeinhalb Stunden später sei etwa die Hälfte der betroffenen Kunden der Fairnetz GmbH, des Strom- und Gasnetzbetreibers in der Region Reutlingen, wieder versorgt. 

Die beiden Energieunternehmen teilen sich den Angaben zufolge das Umspannwerk. Dem Sprecher zufolge leistet Netze BW beim Wiederaufbau der Stromversorgung Amtshilfe. 

Hilfsorganisationen erwarten längere Einsatzdauer

Nach dem Vorfall sind auch Helfer des Deutschen Roten Kreuzes und des Malteser-Hilfsdienstes im Einsatz. Um den Folgen des Stromausfalls besser zu begegnen, arbeite ein Einsatzstab im Zentrum für Bevölkerungsschutz in Pfullingen, teilte die Stadt Reutlingen mit. Ein leitender Notarzt unterstütze vor Ort. 

"Die Hilfsorganisationen bereiten sich für eine längere Einsatzdauer, die Betreuung zahlreicher Hilfsbedürftiger sowie die Versorgung von Patienten vor", teilt die Stadt Reutlingen mit. Insgesamt seien bereits mehr als 50 Helferinnen und Helfer im Einsatz. Die ehrenamtlichen Helfer haben bereits mehrere Einsätze absolviert.

Der Vorfall erinnert an zwei mutmaßlich linksextremistische Brandanschläge auf die Stromversorgung in Berlin. Nach dem Anschlag am 9. September 2025 auf zwei Strommasten waren zeitweise rund 50.000 Privathaushalte und rund 2000 Gewerbebetriebe vom Stromausfall betroffen. Der Ausfall dauerte rund 60 Stunden. Beim zweiten Anschlag am 3. Januar wurden fünf Hoch- und zehn Mittelspannungskabel auf einer Kabelbrücke zerstört. Erst nach gut 100 Stunden war die Stromversorgung für alle Betroffenen wieder hergestellt.

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