Blick auf den N-Ergie-Kraftwerksstandort Sandreuth in Nürnberg.

Blick auf den N-Ergie-Kraftwerksstandort Sandreuth in Nürnberg.

Bild: © N-Ergie

Von Andreas Baumer

Im ersten Quartal dieses Jahres ist nicht nur die deutsche Wirtschaft stärker gewachsen als angenommen; auch der Energieverbrauch ist "überraschend kräftig" nach oben gegangen, wie die Arbeitsgemeinschaft Energiebilanzen (AG Energiebilanzen) mitteilte. Gegenüber dem Vorjahreszeitraum waren es sogar 5,5 Prozent mehr (insgesamt 3151 Petajoule). Die Zahlen sind vorläufig.

Der Zuwachs ist nach Angaben des Vereins allerdings nicht auf die gesamtwirtschaftliche Lage zurückzuführen. Vielmehr sind ungünstige Wetterverhältnisse zu nennen, wodurch Windräder und Wasserkraftwerke deutlich weniger Strom produzierten als im ersten Quartal 2024. Laut Energy-Charts brach die Stromerzeugung aus Laufwasserkraftwerken um fast 20 Prozent und die Windstromerzeugung um fast 30 Prozent ein.

Die Lücke füllten vor allem Kohle- und Gaskraftwerke. Weil der Wirkungsgrad hier geringer ist als bei der Nutzung erneuerbarer Energien, ging der Primärenergieverbrauch nach oben.

Fossile Wärmenachfrage gestiegen

Das Expertengremium nennt noch einen weiteren verbrauchssteigernden, witterungsbedingten Effekt: den im Vergleich zum Vorjahreszeitraum kühleren Februar. In der Folge ging die Wärmenachfrage nach oben. Mitte Februar erreichten beispielsweise die Gaspreise an die 60 Euro pro Megawattstunde (MWh). Die Gasspeicherfüllstände in Deutschland fielen im Schnitt auf weniger als 30 Prozent.

Laut AG Energiebilanzen wirkte die wirtschaftliche Entwicklung sogar eher verbrauchssenkend. Vor allem die Krise der energieintensiven Industrie schlägt sich im Energieverbrauch nieder. Auch der fehlende Schalttag im Februar wird als verbrauchsdämpfender Faktor genannt.

Interessant: Die Preiskapriolen in den ersten Monaten dieses Jahres wirkten sich unterschiedlich auf die Verbrauchsentwicklung aus. Zur Erinnerung: Angesichts massiver US-Zollankündigungen rauschten die Energiepreise nach unten. Nehmen wir den Frontmonat des niederländischen Gaspreisindexes TTF als Beispiel: Mitte Februar lag er noch bei 57 Euro pro MWh, ehe er in den nächsten Wochen auf 32 Euro pro MWh sank und sich danach bei rund 37 Euro pro MWh einpendelte.

Heizölvorräte aufgestockt

Gesunkene Einfuhrpreise für Rohöl hätten Mehrverbräuche im Verkehrssektor begünstigt, schreibt die AG Energiebilanzen. Zudem hätten viele Verbraucher ihre Heizölvorräte aufgestockt. Der im Vergleich zum ersten Quartal 2024 geringere Importpreis für Steinkohle habe außerdem die Wettbewerbsposition der Kohle auf dem Strommarkt verbessert. Dort steht Kohle insbesondere mit Erdgas in Konkurrenz.

Der verstärkte Einsatz fossiler Energieträger hatte folgerichtig negative Auswirkungen auf die deutsche CO2-Bilanz. Nach überschlägigen Berechnungen der AG Energiebilanzengingen die energiebedingten CO2-Emissionen gegenüber dem Vorjahreszeitraum um etwa sieben Prozent nach oben.

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