Sie halten sich hartnäckig und werden immer wieder ins Spiel gebracht: Die Vorurteile, dass vor allem kleinere Netzbetreiber den gestiegenen Anforderungen nicht mehr gewachsen sind. Erst kürzlich wieder auf dem Strategieforum Mittelstand des Verbands BDEW am 10. September 2024 geschehen. Dort sagte beispielsweise Michael Kellner, Parlamentarischer Staatssekretär im Bundesministerium für Wirtschaft und Klimaschutz, in Anwesenheit von rund 140 Vertretern kleiner und mittlerer Netzbetreiber, dass die Zahl der Verteilnetzbetreiber „leider“ zu hoch sei.
Ähnlich argumentieren Maria Marquart, Benedikt Müller-Arnold und Stefan Schultz im Spiegel-Artikel „Antrag ohne Anschluss“. Viele der dort getroffenen Aussagen können aus Sicht der kleinen und mittleren Netzbetreiber (KMU) nicht nachvollzogen werden, bekräftigt der Edna Bundesverband Energiemarkt & Kommunikation. Die dort im Verband angesiedelte Initiative evu+ hat daher Argumente und Fakten zusammengestellt, die die Realität und die Bedeutung der aktuellen Struktur im deutschen Netzbetrieb beleuchten sollen.
Vorwürfe, besonders an kleine Netzbetreiber
Zu den Thesen gehören etwa "die Vielzahl der Netzbetreiber ist ein „Systemfehler“, oder "das Netz ist über Jahrzehnte gewachsen, weil das Geschäft so lukrativ ist", gleichzeitig kommt der "Netzausbau trotz hoher Renditen nicht in Gang", um nur einige zu nennen.
Beliebt ist auch, dass "digitale Netzsteuerung nicht funktioniert, weil kleine Netzbetreiber zu wenig in Hard- und Software sowie in qualifiziertes Personal investieren". Es gebe außerdem "zu viele IT-Systeme, die teilweise manuell "mit Daten aus PDF-Dokumenten und Faxen gefüttert" werden. Zugleich sei das Geschäft "nur lasch reguliert, Verstöße werden nicht geahndet".
Ebenfalls ein Klassiker: "Kleine Netzbetreiber ignorieren Anfragen oder nehmen keine an" oder "kleine Netzbetreiber müssen zur Kooperation gezwungen werden" gefolgt von "der Gesetzgeber muss eingreifen, weil die Netzbetreiber ihre Probleme nicht in den Griff bekommen".
So sieht die Praxis aus
Diese und weitere Aussagen hat evu+ nun Fakten gegenübergestellt, die sich mit der Rolle von kleinen Netzbetreibern beschäftigen und vieles entkräftigen. Etwa indem die Initiative darauf hinweist, dass kleine Netzbetreiber nah am Kunde sind, zuständige Sachbearbeiter können persönlich angesprochen werden und die kleinen Netzbetreiber zeichnen sich durch "direkten Kundenkontakt, hohe lokale Kompetenz und flexible Prozesse aus".
Außerdem: "Unzufriedene Kunden können die kleineren Unternehmen schnell unter Druck setzen. Für diese Versorgungsunternehmen ist die Kundennähe existenziell. Kleine Netzbetreiber setzen auf vielseitige Teams, in denen die Mitarbeiter ein breites Aufgabenspektrum abdecken, um Probleme flexibel und effizient lösen zu können. Dabei muss jeder Mitarbeiter in der Lage sein, über den Tellerrand zu schauen. Deshalb erfolgt zum Beispiel die Bearbeitung von Anschlussanfragen für PV-Anlagen bei den KMU in der Regel in relativ kurzer Zeit", so das Gegenargument.
Die gesammelten Argumente und Fakten hat die Initiative in einem Pdf festgehalten (externer Link). (sg)


