Nicht alle bestehenden Dächer sind für PV-Anlagen geeignet. (Symbolbild)

Nicht alle bestehenden Dächer sind für PV-Anlagen geeignet. (Symbolbild)

Bild: © ls_design/AdobeStock

Von Julian Korb

Der rapide Ausbau erneuerbarer Energien und sinkende Strompreise werden in den kommenden Jahren zu einem deutlichen Rückgang der Marktwerte von Wind- und Solaranlagen führen. Das zeigt die neue Studie "Zukünftige Marktwertentwicklung erneuerbarer Energien bis 2028" der energiewirtschaftlichen Beratungsgesellschaft Enervis im Auftrag des Frankfurter Softwareanbieters Node Energy. Damit verliert Wind- und Solarstrom an der Börse weiterhin an Wert.

Demnach droht insbesondere Photovoltaik-Anlagen ein deutlicher Verlust: Bis 2028 sinkt ihr Marktwert voraussichtlich auf rund 37 Euro die Megawattstunde (MWh) – das wäre ein Rückgang um fast 30 Prozent gegenüber heute. Auch bei Strom aus Windkraftanlagen an Land rechnen die Analysten mit einem Einbruch auf etwa 56 Euro pro MWh., was einem Rückgang von knapp 25 Prozent entspräche.

Wetterabhängigkeit und Kannibalisierung

In diesem Jahr zeigt sich der Trend bislang deutlich. Im Mai rutschte der Marktwert Solar unter die Marke von 2 Cent pro Kilowattstunde – und damit den niedrigsten Wert seit fünf Jahren. Damit war Solarstrom im Mai weniger als ein Drittel so viel wert wie der durchschnittliche Börsenstrompreis, auch Spotmarktpreis.

Als Hauptgründe für die Entwicklung nennt die Studie einerseits die sinkenden Preise am Terminmarkt, andererseits den beschleunigten Zubau erneuerbarer Kapazitäten, der verstärkt zu Kannibalisierungseffekten führt – also dazu, dass sich Anlagen aufgrund gleichzeitig hoher Einspeisung gegenseitig den Strompreis drücken.

"Mit einer kurzfristigen Trendumkehr bei der Kannibalisierung ist vorerst nicht zu rechnen", betont Christian Schock, Senior Consultant bei Enervis. Zwar boome das Thema Speicher, doch stecke der Ausbau noch in den Anfängen und könne die zunehmenden Erzeugungsspitzen aus Wind- und Solaranlagen vor 2028 nicht wirksam abfedern.

Laut der Plattform Battery Charts waren zum 9. Juni gerade einmal Großspeicher mit einer gesamten Kapazität von 2,8 Gigawattstunden installiert. Bis Anfang 2028 sind demnach Stand jetzt Großspeicher mit knapp 7 Gigawattstunden geplant. Zu wenig, um angesichts der über 100 Gigawatt installierter Solarleistung deutliche Effekte zu erzielen.

Marktwert künftig wichtiger

Betreiber von Wind- und PV-Anlagen verlassen sich laut Node Energy jedoch weiterhin stark auf die stabilen Vergütungen des Erneuerbare-Energien-Gesetzes (EEG). "In der Praxis sehen wir, dass die Hälfte der Betreiber in Deutschland die Dramatik ihrer künftigen Erlösentwicklung noch nicht realisiert hat", warnt Matthias Karger, CEO und Gründer des Softwareunternehmens. Spätestens mit der geplanten stärkeren Marktintegration durch das EEG ab 2027 werde der Marktwert für alle Neuanlagen entscheidend.

Zudem haben die zunehmenden negativen Börsenstrompreise durch das Solarspitzen-Gesetz bereits eine direkte Auswirkung auf die Erlöse der Betreiber neuer Photovoltaik-Anlagen, da sie dann keine Vergütung für eingespeisten Strom mehr erhalten. Im EEG ist zwar eine Regelung vorgesehen, wonach die ausgefallenen Stunden nach Ende der EEG-Förderzeit von 20 Jahren nachgeholt werden können. Dies wird von vielen Branchenteilnehmern jedoch nicht als gleichwertige Kompensation angesehen.

Um den absehbaren Preisrückgängen entgegenzuwirken, rät Karger zu zwei Maßnahmen: Kurzfristig sollten Betreiber Power Purchase Agreements (PPAs), also langfristige Stromlieferverträge, abschließen, um sich das aktuelle Preisniveau zu sichern. Über sogenannte Kurzzeit-PPAs lassen sich Strommengen mit festen Preisen und Laufzeiten von bis zu drei Jahren absichern.

Langfristig werde dann der parallele Ausbau von Speichern an Erzeugungsstandorten – sogenannte Co-Location-Projekte – helfen, die Erlöse zu stabilisieren, da Flexibilität besser vermarktet und Kannibalisierung verringert werden könne. "Erneuerbare Energien müssen sich künftig vollständig am Markt behaupten", so Karger. "Für zukünftige Profitabilität ist es entscheidend, jetzt zu handeln."

Zur Studie

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