Nahezu alle großen Direktvermarkter konnten ihr PV-Portfolio im Sommer 2024 ausbauen. (Symbolbild)

Nahezu alle großen Direktvermarkter konnten ihr PV-Portfolio im Sommer 2024 ausbauen. (Symbolbild)

Bild: © marianaproenca/unsplash

Von Julian Korb

Der Mai 2025 hat am Strommarkt einen neuen Rekord gesetzt: 129 Stunden mit negativen Strompreisen gab es im Stromgroßhandel, wie aus Daten der Pariser Strombörse Epex Spot hervorgeht. Nie zuvor gab es in einem Monat so viele Stunden unter Null in der deutsch-luxemburgischen Strompreiszone.

Auch die Volatilität hat zugenommen: Zwischen Minus 250 Euro und Plus 230 Euro die Megawattstunde schwankten die Preise jeweils für Stromlieferungen am Folgetag, auch Day-Ahead-Markt genannt. Am 11. Mai rutschten die Preise sogar so weit ab, dass Stromverbraucher mit dynamischen Tarifen erstmals – auch nach Steuern, Abgaben und Netzentgelten – Geld zurückerstattet bekamen.

Kernkraftwerke kompensiert

Grund für diese Entwicklung war wie auch schon im April wieder ein hoher Anteil von Solarstrom. Fast 30 Prozent der öffentlichen Nettostromerzeugung entfiel im Mai auf Strom aus Photovoltaik (PV)-Anlagen. Zweitstärkste Erzeugungsquelle waren Windkraftanlagen an Land mit einem Anteil von gut 23 Prozent. Für die Windkraft war es der stärkste Mai seit jeher – ein weiterer Rekord.

So überrascht es nicht, dass der Mai auch der bislang "grünste" Mai im Strommarkt war. Rund 73 Prozent der Erzeugung stammte aus erneuerbaren Quellen. Zum Vergleich: Im Vorjahresmonat lag der Wert bei rund 69 Prozent. Damit haben die Erneuerbaren mittlerweile auch die emissionsarme Stromerzeugung aus den zuletzt abgeschalteten Kernkraftwerken kompensiert.

Mehr Strom als Bedarf

Doch der hohe Erneuerbaren-Anteil bleibt nicht ohne Folgen. Inzwischen muss überschüssiger Strom auch immer häufiger exportiert werden. So lag der Erneuerbaren-Anteil am Stromverbrauch im Mai bei knapp 68 Prozent. Auch das war zwar ein Rekord für einen Mai – aber zeigt auch, dass nicht jede erzeugte Kilowattstunde Grünstrom auch genutzt werden kann.

So geschehen an besagtem 11. Mai, der zufällig auch Muttertag war. In der Mittagszeit drückte allein so viel Solarstrom ins Netz, wie Deutschland insgesamt verbrauchte, und zwar gut 41 Gigawatt (GW). Weil trotzdem noch Gas- und Kohlekraftwerke liefen und etwas Wind wehte, rauschten die Spotmarktpreise in die Tiefe.

Noch mehr Negativpreise möglich

Der Trend zu immer mehr Negativpreisen zeigte sich im Mai deutlich. Schon die erste Handelswoche setzte eine Duftmarke: Es war die erste Woche, in der es an jedem Tag mindestens eine negative Preisstunde gab. Regelmäßig zur Mittagszeit mussten Erzeuger dafür zahlen, wenn sie Strom loswerden wollten.

Bis Ende Mai gab es bereits 257 negative Preise, wie die Epex Spot der ZfK gegenüber bestätigt. Das ist bereits mehr als die Hälfte des gesamten Vorjahres (457 negative Preise). Und mit Juni, Juli und August stehen noch sonnenstarke Monate bevor. Dass die Anzahl der negativen Preise in den kommenden Jahren spürbar nachlässt, glaubt in der Branche derweil kaum jemand.

"Wir gehen davon aus, dass die Situation mit den Negativpreisen nochmal etwas extremer wird, bevor sie sich entspannt", sagte Claus Urbanke, Vizepräsident Wind-, Solar- und Speicherentwicklung beim norwegischen Energieunternehmen Statkraft, kürzlich der ZfK. "700 Negativpreise könnte es schon in diesem Jahr geben."

Preise sinken wieder

Auch auf das Preisniveau wirken sich die Preisschwankungen aus. Nachdem das Jahr 2025 – vor allem wegen einer Windflaute – teuer gestartet war, deutet sich nun Entspannung an. Rund 67 Euro kostete die Megawattstunde im Mai im Schnitt, und damit in etwa so viel wie im Vorjahr. Mit durchschnittlich knapp 96 Euro die Megawattstunde ist Strom aber immer noch teurer als im Vorjahr mit knapp 80 Euro.

Während die Preise für Endverbraucher tendenziell sinken, muss der Staat allerdings mehr zahlen. Denn die Marktpreise für PV-Strom sinken weiter. Bereits im April war Solarstrom nur noch 3 Cent die Kilowattstunde wert, im Mai dürfte der sogenannte Marktwert Solar weiter abgerutscht sein. Heißt: Der Staat muss die immer größere Differenz zwischen Marktpreis und festgelegter Prämie für Anlagenbetreiber ausgleichen.

Hinweis: Die Werte sind energetisch korrigiert, um die einzelnen Energieträger vergleichbar zu machen.Bild: © Energy Charts/Fraunhofer-Institut ISE

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Hinweis: In den ZfK-Datenraum mit mehr Daten zum Strom-Großhandel gelangen Sie hier.

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