Alessandro Mauri ist gemeinsam mit Jannik Bounin Mitgründer und Geschäftsführer von VOLTARO. Zuvor war er unter anderem in der Unternehmensberatung bei McKinsey & Company tätig.

Alessandro Mauri ist gemeinsam mit Jannik Bounin Mitgründer und Geschäftsführer von VOLTARO. Zuvor war er unter anderem in der Unternehmensberatung bei McKinsey & Company tätig.

Bild: © Voltaro

Herr Mauri, die Ausbauzahlen für Photovoltaik haben 2023 stark zugelegt. Es fällt aber auf, dass der Ausbau auf privaten Dächern deutlich mehr Fahrt aufgenommen hat als der auf gewerblichen Immobilien. Woran liegt das?

In der Tat prescht der Haushaltsmarkt stärker voran. Das hat verschiedene Gründe. Zum einen können Hauseigentümer im Residential-Segment die Investitionsentscheidungen viel schneller und einfacher treffen. Zudem nutzen sie selbst den Strom und profitieren von Solaranlagen somit auch finanziell. Bei Gewerbetreibenden erkennen wir einen Unterschied zwischen jenen, die selbst Eigentümer der Immobilien sind, etwa aus der Logistikbranche. Hier ist auch ein höherer Anreiz zum PV-Ausbau gegeben und dieses Segment ist auch vergleichsweise stark gewachsen. Anders sieht es bei Immobiliengesellschaften aus, die zwar Eigentümer der Gebäude sind, die aber den Strom nicht selbst nutzen. Die Entscheidungsstrukturen sind hier auch oft komplex.

Ein anderer Punkt betrifft die Wirtschaftlichkeit von gewerblichen Anlagen. Die Einspeisevergütung fällt im Gewerbesegment geringer aus. Die derzeit nur 6,2 Cent pro Kilowattstunden in der Überschusseinspeisung bei Anlagen bis 1000 Kilowatt Peak stellen natürlich einen Nachteil dar. Hinzu kommen die niedrigen Ausschreibungsvolumina für Dachanlagen ab 1000 kWp. Die letzten Ausschreibungen waren alle überzeichnet. Somit werden viel weniger Anlagen gebaut, als es die Nachfrage zuließe.

Das Solarpaket I soll bald verabschiedet werden. Was erhofft sich VOLTAROdavon für das Gewerbesegment?

Wenn ich ehrlich bin, erhoffe ich mir fast gar nichts vom Solarpaket für das Gewerbesegment. Die gewerblichen Anlagen kommen darin kaum vor. Wichtig wären aus meiner Sicht eine Erhöhung der Ausschreibungsvolumina, der Wegfall einer unterschiedlichen Einspeisevergütung bei Voll- und Teileinspeisung oder generell eine Erhöhung der Einspeisevergütungen. Vor allem, wenn man berücksichtigt, dass diese sich gar nicht verändert hat – trotz gestiegener Finanzierungskosten.

Die Bedingungen für die gemeinschaftliche Gebäudeversorgung sollen verbessert werden. Das betrifft Sie gar nicht?

Ja doch, das schon! Die Gemeinschaftliche Gebäudeversorgung, kombiniert mit dem virtuellen Summenzählermodell, wäre gegenüber dem bestehenden Mieterstrommodell eine Verbesserung, weil dadurch der Anlagenbetreiber den Letztverbrauchern einen getrennten Solarstrom- und Netzstromeinkauf ermöglichen kann, was insbesondere im Gewerbe relevant ist.         

Wir setzen mit unseren Partnern aus der Immobilienbranche bereits gewerbliche Mieterstromprojekte um. Allerdings ist das nur in Einzelfällen sinnvoll. In gemischt genutzten Gebäuden ist es oft einfacher, nur den größten Verbraucher zu beliefern und den restlichen Solarstrom ins Netz einzuspeisen. Deswegen glaube ich, dass die Gemeinschaftliche Gebäudeversorgung auf den gewerblichen Sektor nur einen begrenzten Einfluss haben wird.

Anders sähe das aus, wenn ich als Gebäudeeigentümer den erzeugten Solarstrom aus meiner Anlage verpflichtend auf meine Mieter umlegen dürfte. Natürlich unter der Voraussetzung, dass der Solarstrom nicht teurer ist als der Netzstrom, den der Mieter aktuell bezieht. Aber in Deutschland besteht Lieferantenfreiheit. Daher glaube ich kaum, dass die Politik diese Möglichkeit schafft, auch wenn es den Hochlauf der Photovoltaik stärken würde. Das ist schade, weil ich eigentlich nur Vorteile sehe: Die Anlagenbetreiber hätten eine gesicherte Solarstrom-Abnahme, um ihre Anlage zu monetarisieren. Und Mieter würden von günstigerem Strom profitieren.

Der Eigenverbrauch lässt sich neben Mieterstrommodellen auch durch Stromspeicher verbessern. Bei PV-Heimspeicher wuchs der Absatz 2023 auch deutlich an. Lohnen sich Speicher im Gewerbesegment ebenfalls?

Das kommt darauf an. Derzeit liegen die Vorteile eines Speichers primär darin, den Eigenverbrauch zu erhöhen. In Zukunft wird es sicher noch mehr Möglichkeiten zur Monetarisierung geben. Etwa, indem ich Flexibilitäten anbiete, gekoppelt mit dynamischen Strompreisen und Einsparungen bei den Netzentgelten. Aber realistisch betrachtet ist der Mehrwert von Speichern derzeit noch auf die Optimierung des Eigenverbrauches konzentriert. Im Gewerbe sind viele Kunden bereits in der Lage, einen vergleichsweise hohen Direktverbrauch zu erzielen. Der Durchschnitt bei unseren Projekten liegt vermutlich in einem Bereich zwischen 60 und 80 Prozent Direktverbrauch. In manchen Fällen erreichen wir sogar 95 Prozent. Hier können Speicher keinen signifikanten Mehrwert leisten. Hinzu kommt, dass Speicher noch vergleichsweise teuer sind, weshalb sie nur selten zu einer Verbesserung der Wirtschaftlichkeit führen.

Die größten Chancen sehen wir aktuell in der Logistikbranche, weil der Stromverbrauch hier geringer ausfällt. Gleichzeitig erzeugen große PV-Anlagen auf Lagerhallen viel Strom. Einstöckige Gebäude mit einem geringen Stromverbrauch – wie die meisten Logistikobjekte – erzielen typischerweise einen Direktverbrauch von 20 bis 40 Prozent. Da könnten wir über Stromspeicher nachdenken. Derzeit sind die Hardware-Kosten allerdings häufig noch zu hoch. Entweder warten wir also auf geringere Kosten oder auf konkrete zusätzliche Monetarisierungsmöglichkeiten, die über die Direktverbrauchs-Optimierung hinausgehen. Aktuell ist unsere Erfahrung eher, dass Speicher die Gesamtwirtschaftlichkeit von Projekten verschlechtern.

Das Interview führte Julian Korb

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