Patrick Graichen wechselt ins Bundesministerium für Wirtschaft und Klimaschutz.

Patrick Graichen wechselt ins Bundesministerium für Wirtschaft und Klimaschutz.

Bild: © Agora Energiewende/Detlef Eden

Als Top-Priorität sieht Graichen – neben dem Ausbau der Erneuerbaren – den schnelleren Netzausbau. Hierzu möchte das BMWK mit dem angekündigten Oster-Gesetzespaket den Bundesbedarfsplan festschreiben. Den jüngst von der Bundesnetzagentur vorlegten Szenariorahmen zum Netzentwicklungsplan (NEP) 2035 sieht er hierfür als gute Grundlage, weil dieser schon auf den geplanten 80 Prozent-Oköstromanteil bis 2030 ausgerichtet sei.

Ergänzt werden müssten die aktuellen NEP Strom und Gas jedoch durch einen Systementwicklungsplan (SEP) mit einem übergreifenden Blick auf die angestrebte Klimaneutralität in 2045, betonte Graichen. Hierbei gelte es auch die Verzahnung mit den Wasserstoffnetzen sowie der Verteilnetzebene (incl. Wärmenetzen) in den Blick zu nehmen. Allerdings gelte es bei diesem zusätzlichen Planungsschritt die nötige Verfahrensbeschleunigung im Auge zu behalten, so der Staatssekretär. Für spruchreif hält er einen SEP bis zum Jahr 2024.

Elektrolyseure in Norddeutschland bauen

Erneut unterstrich Graichen die Notwendigkeit der Beschleunigung und Entschlankung der Genehmigungsverfahren für den Netzausbau. Wichtige Stellschrauben hierfür sieht er in der Zusammenlegung der Bundesfachplanung mit der Planfeststellung, der Standardisierung von Artenschutzauflagen sowie der Aufstockung der Personalkapazitäten in den zuständigen Behörden und Gerichten.

"Was derzeit im EnWG zur Netzplanung angelegt ist, ist noch nicht ausreichend", betonte Graichen. Als eine wichtige Aufgabe sieht er hierbei die Standorte der Elektrolyseure für den geplanten Markthochlauf des Wasserstoffs zu definieren. Wobei Graichen dafür plädiert Standorte in Norddeutschland festzulegen, um dort überschüssigen Windstrom offshore und onshore verwerten zu können und den zusätzlichen Transportbedarf der Stromautobahnen in den Süden zu minimieren.

Zusammenarbeit zwischen Übertragungs- und Verteilnetzebene verbessern

Auch unterstrich Graichen die Präferenz des BMWK, Wasserstoff vor allem für Industrieanwendungen sowie den Schiffs- und Flugverkehr und weniger für Wärmeversorgung von Einfamilienhäusern via Beimischung in die Gasverteilnetze zu verwenden.

Für entscheidend hält Graichen auch eine vorausschauende, integrierte Netzplanung zwischen der Übertragungs- und der Verteilnetzebene. "Da sind viele Dinge nötig", betonte er. "Wir müssen gucken, dass wir diese Zusammenarbeit besser hinkriegen", sagte Graichen. Es habe hierfür in den vergangenen Jahren zwar erste Ansätze gegeben, doch diese müssten nun auf eine dauerhafte und stabile Ebene gebracht werden.

Höhere Bedeutung der Verteilnetze im Zuge der Energiewende

Denn die Verteilnetze erlangten in Folge der Energiewende eine immer höhere Bedeutung, weil sie den Großteil des angestrebten Zubaus von Photovoltaik und Onshore-Wind schulterten, betonte Graichen.  Dazu kämen die vielen neuen Verbraucher im Rahmen der Sektorenkopplung, seien es E-Fahrzeuge oder Wärmepumpen auf Verteilnetzebene. (hcn)

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