18 Prozent aller Haushalte in Deutschland besitzen eine Klimaanlage.

18 Prozent aller Haushalte in Deutschland besitzen eine Klimaanlage.

Adobe Stock/Trik

Von Daniel Zugehör

Trotz steigender Temperaturen haben mit Strom betriebene Klimaanlagen keine negativen Effekte auf das Stromnetz. Das ergab eine Blitzumfrage unter fünf Netzbetreibern. "Die vermehrte Nutzung von Klimaanlagen nehmen wir über Berichte und Absatzzahlen als relevante Entwicklung wahr", erklärte etwa eine Sprecherin von Westnetz. "Wir sehen jedoch aktuell keinen kritischen Effekt auf unseren Netzbetrieb", betont die Sprecherin.

Diese Erfahrung teilen auch andere Unternehmen, wie zum Beispiel Edis Netz oder Avacon. "In unserem eher dünn besiedelten und ländlich geprägten (Flächen-)Netzgebiet in Brandenburg und Mecklenburg-Vorpommern spielt der Stromverbrauch von Haushalts-Klimaanlagen eine eher untergeordnete Rolle", führte beispielsweise ein Sprecher von Edis Netz aus.

"Kann netzstabilisierend wirken"

Auch Bayernwerk Netz kann derzeit "keine erhöhte Netzbelastung durch Klimaanlagen feststellen", teilte eine Sprecherin mit. Im Gegenteil: Da der Lastverlauf von Klimageräten positiv mit der PV-Einspeisung korreliere, "kann ein wachsender Kühlbedarf unter Umständen sogar netzstabilisierend wirken", so die Sprecherin.

Netze BW geht davon aus, dass durch die steigende Zahl an Klimaanlagen der Stromverbrauch im Sommer zunimmt, sagte eine Sprecherin. Da aber der Netzbetreiber überwiegend in ländlichen Gebieten Infrastruktur betreibe, seien Aussagen nicht auf städtische Regionen übertragbar.

Sonderfall Frankfurt am Main

Negativer dürfte sich daher die Nutzung von Klimaanlagen in Städten und urbanen Räumen auswirken. So verzeichnete beispielsweise der Frankfurter Versorger Mainova dieses Jahr einen neuen Rekord beim Stromverbrauch – vor allem durch Klimageräte.

Am 2. Juli stieg die Tageshöchstlast demnach auf mehr als 850 Megawatt, bei einer Temperatur von mehr als 38 Grad Celsius in der Spitze. Die sehr hohen Temperaturen spielten "die entscheidende Rolle, weil der Kühlungsbedarf an diesem Tag besonders hoch war", teilte Mainova mit.

Wobei Frankfurt am Main ein Sonderfall sein dürfte. Hier stehen Deutschlands größte Rechenzentren, die sowohl Strom als auch Kühlung benötigen. Auch wurde der deutsche Hitzerekord dieses Jahr bislang nicht übertroffen: Am 25. Juli 2019 wurden in Tönisvorst und Duisburg (beide Nordrhein-Westfalen) 41,2 Grad Celsius gemessen.

Private Haushalte zurückhaltend

Tatsächlich sind Klimaanlagen in privaten Haushalten auch eher die Ausnahme, teilt das Vergleichsportal Verivox mit. Die Mehrheit von 82 Prozent komme weiterhin ohne aktive Kühlung aus, heißt es in einer Mitteilung vom 10. Juli. Nur rund 18 Prozent der Teilnehmer*innen einer repräsentativen Umfrage gaben demnach an, ein Klimagerät zu besitzen.

Mögliche Gründe für das geringe Interesse an Klimaanlagen seien die teils hohen Stromkosten im laufenden Betrieb sowie die wachsende Verbreitung von Wärmepumpen, die zunehmend auch zur Kühlung eingesetzt werden könnten, erläutert Thorsten Storck, Energieexperte bei Verivox.

Das Portal unterscheidet nach fest installierten "Split-Anlagen" und mobilen "Monoblöcken". Erstere würde Stromkosten von 50 bis 100 Euro pro Jahr verursachen, dazu einmalig 1000 bis 2000 Euro Installationskosten. Der Strom für den Betrieb von Monoblöcken koste zwischen 100 bis 200 Euro. Letztere überwiegen mit einem Anteil von 65 Prozent in den Haushalten.

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