In das erste aktive Handelsjahr startete der Stromhändler Impuls Energy Trading im Januar mit einem Portfolio von 11 MW (die ZfK berichtete). Nach dem Handelsstart und der Zusammenarbeit mit einem weiteren Partner ist das Portfolio des jungen Handelsunternehmens auf mittlerweile über 830 MW gewachsen.
Das Portfolio setzt sich vor allem aus Solaranlagen und Windkraftanlagen, sowie wenigen Biomasse- und Wasserkraftanlagen zusammen. "Wir sind hier mit weiteren Partnern in vielversprechenden Gesprächen", kündigt der Geschäftsführer im ZfK-Gespräch an. "Unseren Schwerpunkt sehen wir weiterhin in der Vermarktung von Strom aus Photovoltaikanlagen."
Jungunternehmen im Markt
Der Handel mit erneuerbaren Energien in Deutschland gilt als umkämpftes und risikoreiches Geschäft. Die größten Direktvermarkter sind die Energiekonzerne EnBW und Statkraft. Neben den großen und etablierten Handelshäusern betreten auch verstärkt Jungunternehmen den Markt, die sich auf das Trading von erneuerbaren Energien konzentrieren.
Zwei jener Firmen wurden von ehemaligen Mitarbeitern des Direktvermarkters Next Kraftwerke gegründet: CF Flex Power aus Hamburg mit einem Fokus auf stationären Batterien (die ZfK berichtete) – und eben Impuls Energy Trading mit Sitz in Köln.
Hedge für Direktvermarkter
Allerdings ist Impuls Energy bislang nicht selbst in der Direktvermarktung tätig, sondern übernimmt für andere Direktvermarkter gegen eine Gebühr alle Vermarktungsrisiken. Direktvermarkter und Anlagenbetreiber können Unsicherheiten wie Preis- und Ausgleichsenergierisiken reduzieren und Impuls Energy optimiert die Vermarktung Ihrer Mengen am Day ahead- und Intradaymarkt.
"Der Direktvermarkter macht durch uns einen klassischen Hedge und sichert sich eine kalkulierbare Marge", erklärt Päffgen.
Aktuell hat das Startup Anlagen von zwei Partnern im Portfolio, darunter ein Stadtwerk. Ab 2024 will Impuls Energy auch selbst Dienstleistungen in der Direktvermarktung anbieten, der Fokus soll allerdings auf der Marktseite bleiben. Es gehe darum, neuen Kunden ein größeres Portfolio anzubieten und Synergien mit der Muttergesellschaft Contigo zu heben. Auch die Entwicklung von Lösungen für Flexibilitäten sind von Päffgen perspektivisch geplant.
Individuelle Lösungen
Das Alleinstellungsmerkmal seines Unternehmens sieht der Manager vor allem darin, individueller auf Kundenwünsche eingehen zu können. Das sei vor allem für mittelgroße Kunden interessant. "Insbesondere Projektierer, die Corporate-PPAs anbieten, profitieren von der Unterstützung in der Absicherung von kurzfristigen Risiken und in der energiewirtschaftlichen Abwicklung", erläutert Päffgen.
Aber auch Anlagenbetreiber aus dem Mittelstand, die die Vermarktung ihrer Anlagen optimieren wollen, seien in der Zukunft mögliche Kunden. "Hier könnten wir gut mit Partnern aus der Energiewirtschaft zusammenarbeiten, denen wiederum der Marktzugang fehlt."
Unterschiedliche Preismodelle
Ein gutes Beispiel hierfür seien Stadtwerke, die Regionalität und einen guten Kontakt zum Kunden mitbrächten; die aber oftmals auf der anderen Seite weniger Ressourcen auf der Marktseite hätten, insbesondere was kurzfristige Prognoserisiken bei Erneuerbaren angehe. Durch die Zusammenarbeit mit Impuls Energy könnten sich Stadtwerke demnach auf Ihr Kerngeschäft konzentrieren und das Unternehmensrisiko reduzieren.
Inmitten stark gestiegener Großhandelspreise und hoher Marktvolatilität hatten viele Direktvermarkter von festen auf dynamische Tarife umgestellt. Impuls Energy will beide Modelle anbieten und auch individuelle Lösungen erarbeiten. Bei längeren Vertragslaufzeiten wären etwa mehr dynamische Komponenten als auch Mischungen denkbar. "Wir wollen uns bei der Preisgestaltung auch an den Kundenbedürfnissen orientieren." In Zukunft werde es deutlich mehr unterschiedliche Preismodelle geben, prognostiziert der Geschäftsführer.
Näher am Markt
Den Trend zum vollautomatisierten Energiehandel sieht Päffgen differenziert. "Wir wollen den manuellen Handel bestmöglich mit dem automatisierten Handel verheiraten", so Päffgen im Gespräch. Ein hoher Automatisierungsgrad sei der Grundstein für effiziente Prozesse und erlaube, den Fokus gezielt auf eine optimale Vermarktung zu legen. Gerade in besonders volatilen Marktsituationen, maßgeblich beeinflusst durch den immer fortschreitenden Zubau Erneuerbarer Energien, könne durch den manuellen Handel flexibler agiert werden.
Päffgen, der zuvor den Energiehandel bei Next Kraftwerke aufgebaut hat, gibt auch Einblicke, was ihn zur Unternehmensgründung bewegte. Nach zehn Jahren beim Kölner Stromvermarkter brachten den jungen Manager auch die Übernahme durch den Ölkonzern Shell und die damit weiter wachsenden Konzernstrukturen zum Umdenken.
"Ich wollte wieder näher an den Markt", sagt Päffgen.
Weiteres Wachstum
Der Mutterkonzern von Impuls Energy Trading ist Contigo Energie. Das Bochumer Unternehmen betreut mittelständische Betriebe und liefert diesen Strom und Gas. Die Kunden fragten immer häufiger auch nach Möglichkeiten zur Direktvermarktung. Diese Synergien sollen perspektivisch genutzt werden – Impuls Energy Trading soll jedoch eigenständig wachsen.
Seit der Gründung in 2022 hat das Corporate-Startup vor allem ins eigene Wachstum investiert. Mittlerweile hat das junge Unternehmen 14 Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern und will weiter einstellen. (jk)



